Mein Blick auf die Woche

Das Klima ist schlecht: Für Menschen und für Bäume

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Die Pandemie mit ihren erschreckend hohen Inzidenzen stellt zurzeit andere wichtige Themen in den Schatten: die demografische Entwicklung und den Klimawandel. Beide werden uns als Gesellschaft in der Zeit nach Corona aber vor eben so heftige Herausforderungen stellen, meint RGA-Chefredakteur Stefan Kob.

Remscheid. Darf man die Frage einfach mal stellen? Ist es „menschenverachtend“, wie es die „Widerständler“ auf ihren „Spaziergängen“ behaupten, wenn die Städte angesichts der Horror-Coronazahlen das Tragen einer Maske bei Demonstrationen vorschreiben? Oder ist es angesichts des furchtbaren Leids, dass das Virus über uns bringt, nicht vielmehr menschenverachtend, sich gegen das Tragen einer Maske zu sperren, die, wissenschaftlich erwiesen, das Risiko einer Ansteckung um das bis zu 100-fache senkt? Dies hat zuletzt das Göttinger Max-Planck-Institut in einer Studie über die Schutzwirkung von FFP2-Masken bestätigt. Aber auf wissenschaftliche Fakten pfeifen die Schwurbler dieser Welt ohnehin und gefährden mit ihrer ausschließlich egozentrischen Weltsicht nicht nur sich, sondern auch andere. Denn auch wenn Omikron gottlob bisher nicht die Intensivstationen in Remscheid füllt, so steigt angesichts der noch vor kurzem unvorstellbaren Infektionszahlen schlicht die Wahrscheinlichkeit für Ältere, Schwächere, Immungeschädigte oder Vorerkrankte, sich zu infizieren und damit das Risiko, ernsthaft zu erkranken. Das nehmen die unmaskierten Spaziergänger, die sich zunehmend radikalisieren und mit ihrem Katz-und-Maus-Spiel den Staat und seine Institutionen herausfordern und verhöhnen, ungerührt in Kauf. Was oder wer genau ist damit menschenverachtend? 

Angesichts der sich immer weiter auftürmenden Omikronwelle und der Grabenkämpfe, in die sich unsere Stadtgesellschaft immer tiefer verstrickt, geraten Themen ins Abseits, die uns zwar im Moment nicht ganz so virulent vorkommen, die uns alle aber bald vor mindestens ebenso heftige Herausforderungen stellen werden. Und das auf Dauer. Denn die Folgen des Klimawandels lassen sich an immer mehr Faktoren lokal ablesen - wie in dieser Woche die städtische Baumfällbilanz offenbarte. Auch wenn wir es angesichts von Überschwemmungen und eines nasskalten Sommers verdrängt haben: Die beiden langen Hitzeperioden in den davorliegenden Jahren haben insbesondere den Bäumen arg zugesetzt. Nicht nur den immer wieder genannten Fichten, sondern auch stattlichen Laub- und anderen Nadelbäumen, die aufgrund des Wassermangels zu Gefahrenbäumen wurden und daher gefällt werden mussten: in Remscheid im zweiten Hitzejahr mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. 

„Ein Baum für jedes Baby“ sollte mit voller Kraft umgesetzt werden

Die Wetterextreme nehmen zu, und damit auch die Notwendigkeit, den Teil des menschengemachten Klimawandels so klein wie irgend möglich zu halten. Wichtig ist dabei auch, schnell für Ersatz zu sorgen, damit neue Bäume ihre unverzichtbare Funktion als Sauerstoff- und Schattenspender weiter erfüllen können. Da ist es eine gute Nachricht, dass in Remscheid die Graswurzelbewegung „Ein Baum für jedes Baby“ vorangetrieben wird. Die Graswurzelbewegung sorgt schon inzwischen in vielen deutschen Städten dafür, dass ein Baum für jedes Neugeborene gesetzt wird. Da ist der parteieninterne Streit, wer denn nun zuerst was vorgeschlagen hat, absurd und lächerlich. Die Idee hatten ohnehin andere, jetzt sollte es darum gehen, gemeinsam und mit voller Kraft diese Aktion umzusetzen, die nicht nur ausgesprochen sympathisch ist, sondern auch noch einen Mehrwert im Kampf gegen den Klimawandel darstellt. 

Demografie sorgt dafür, dass sich Betriebe um Azubis bewerben müssen

Ob eine solche Aktion gleichzeitig dafür sorgt, dass mehr Babys das Licht der Remscheider Welt erblicken, lässt sich nicht genau vorhersagen. Notwendig wär’s, denn aus Babys werden Kinder, aus Kindern Jugendliche und aus Jugendlichen hoffentlich auch einmal Interessenten für einen Ausbildungsberuf, die von den bergischen Unternehmen händeringend gesucht werden. Immer weniger Bewerber für immer mehr freie Stellen: Für die Firmen der Region wird das zunehmend zum Problem. Denn aus Auszubildenden werden wiederum einmal gut qualifizierte Fachkräfte, ohne die kein Unternehmen existieren kann. Jetzt zeigt sich nicht nur das, was Fachleute schon seit Jahren predigen: Die Demographie allein wird dafür sorgen, dass sich die Betriebe um die Azubis bewerben müssen und nicht umgekehrt. Jetzt kommt noch Corona dazu, was niemand vorhersagen konnte: Aber in diesen Zeiten die Schüler zu erreichen, ist noch schwieriger als sonst schon.

Schon allein dafür wäre ein Ende der Pandemie ein Segen. Aber Maskenverweigerer und Impfgegner werden dafür sorgen, dass uns das Virus noch lange in Schach hält. Das ist leider die bittere Wahrheit. 

Weitere Themen der Woche

Mehr als 50 Jahre für die genossenschaftliche Idee - Volksbank-Vorstand Lutz Uwe Magney geht in den Ruhestand.

Wegen der Pandemie läuft die Schulanmeldung in Remscheid nur mit Termin.

Auch in diesem Jahr steht hinter vielen größeren Veranstaltungen in Remscheid ein Fragezeichen.

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