Die Woche in Remscheid

Jetzt muss gelten: Bußgeld statt Bratwurst

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Die Diskussionen von heute um die G-Frage erinnern RGA-Lokalchef Axel Richter an eine Debatte, die 1976 die Republik spaltete. Aus heutiger Sicht ein bizarrer Glaubenskrieg, aus dem wir allerdings mindestens zwei wichtige Dinge lernen sollten.

Remscheid. Die G-Frage spaltet die Nation. Und das nicht zum ersten Mal. 1976 war es die Einführung der Gurt-Pflicht, die Millionen Deutschen aufbegehren ließ. Obwohl die lebensrettende Funktion angesichts von mehr als 21 000 Verkehrstoten pro Jahr eine nicht zu leugnende Tatsache war, machten Horrorgeschichten die Runde, man könne nach einem Unfall im Auto ertrinken oder verbrennen.

Zugleich fürchteten Männer um ihre Männlichkeit und Frauen um ihren Busen. Alle Appelle halfen nicht. Erst mit der Einführung eines Bußgeldes von 40 Mark wurde das Tragen des Sicherheitsgurts zur Selbstverständlichkeit. Mit dem Ergebnis, dass heute nur noch knapp ein Zehntel der Verkehrstoten von damals zu beklagen sind - bei einer Vervielfachung des Autoverkehrs.

Doch vernunftbegabt und für Tatsachen empfänglich waren die Gurtmuffel von damals ebenso wenig wie die Impfgegner von heute. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während der unangeschnallte Autofahrer beim Aufprall auf die berstende Lenksäule und Flug durch die splitternde Windschutzscheibe nur sein eigenes Leben beendet, gefährdet der ungeimpfte Egomane auch das Leben seiner Mitmenschen und trägt ganz nebenbei dazu bei, dass im Falle neuer Lockdowns eine ganze Volkswirtschaft in den Ruin zu stürzen droht.

Können wir aus 1976 lernen? Ja. Denn beim Geld hört die Freiheitsliebe auf. Wo freundliche Appelle nicht fruchten, müssen mit der Impflicht deshalb strafbewehrte Gesetze die Menschen zur Vernunft bringen. Langsam reift die Einsicht auch den Politikern. In den 70er Jahren gab es davon allerdings noch solche, die Kurs halten konnten und nicht schlingernd durch die Landschaft kurvten. Heute hingegen wird abgewogen und bedacht, bis nach beinahe zwei Jahren katastrophalen Krisenmanagements auch der letzte Rest staatlicher Autorität verloren geht.

Und so hören wir sie schon rufen, die Ungeimpften-Versteher, wie sie vor Hass und Hetze und einer Spaltung der Gesellschaft warnen. Dabei ist die längst gespalten. Gespalten wird sie allerdings nicht von jenen, die sich in Solidarität impfen lassen, sondern von jenen, die aus Egoismus und / oder Gleichgültigkeit das nicht tun und stattdessen mit kruden Thesen der Pandemie weiteren Vorschub leisten.

Es wird Zeit, dass die Mehrheit das erkennt und sich von der Minderheit nicht länger auf der Nase herumtanzen lässt. Appelle und absurde Lockangebote hat es genug gegeben. Bußgeld statt Bratwurst muss jetzt gelten.

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