Die Woche in Remscheid

Ernst Moritz Arndt ist unserer Stadtgesellschaft zuzumuten

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Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium soll umbenannt werden. Sinnträchtig ist das nicht, meint RGA-Lokalchef Axel Richter. Denn so verliert sich ein Stück Remscheider Geschichte. Sich kritisch mit dem Namensgeber auseinanderzusetzen ist hingegen sinnvoll.

Remscheid. Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) war Nationalist und Freiheitskämpfer. Franzosen und Juden waren ihm verhasst als Vertreter und Stützen des feudal-absolutistischen Systems, das er bekämpfte. Arndt wollte den freiheitlichen Rechts- und deutschen Nationalstaat. In europäischen Dimensionen dachte er nicht.

Vor allem seiner teils ätzenden antisemitischen Gedichte wegen käme heute vermutlich keine Stadt mehr auf den Gedanken, Arndts Namen auf ein Schulgebäude zu schreiben. Ist es deshalb aber auch richtig und sinnträchtig, seinen Namen, dort, wo er seit Jahrzehnten steht, zu überstreichen? Nein, das ist es nicht. Eine historisch belastete Person wie Ernst Moritz Arndt ist einer selbstbewussten demokratischen Stadtgesellschaft nicht nur zuzumuten; sie ist ihrem Demokratieverständnis auch förderlich.

Der strittige Schulnamen gibt einen guten Anlass ab, sich kritisch mit Arndt und dem Geschichtsbild seiner Zeit auseinanderzusetzen. Wer dagegen den öffentlichen Raum bereinigt von allen symbolischen Zeichen, die nicht unseren heutigen Maßstäben von Ethik und Moral entsprechen, der erreicht das Gegenteil. Er verdrängt Geschichte.

Auch ein „guter“ Schulname bewirkt nichts anderes: Emma Herwegh (1817-1904) mag aus Sicht der Schulkonferenz heute die bessere Namenspatronin sein. Am Ende verdrängt sie ein Stück Remscheider Geschichte, mit der es sich zu beschäftigen lohnt.

Zudem: Wer unsere Schulen, Straßen und Plätze von allen historischen Zumutungen bereinigen möchte, der ist ganz schnell auch bei Freiherr vom Stein angelangt, bei Richard Wagner, Otto von Bismarck, Paul von Hindenburg und bei den diversen Wilhelmen und Friederichen. Konsequenterweise wären dann auch sie von Schildern zu tilgen und ihre Standbilder und Reiterdenkmale zu schleifen, wie sie heute in allen größeren Städten stehen.

Doch nicht ein solcher Säuberungsfuror, sondern nur die Beschäftigung mit den einschlägig kontaminierten Persönlichkeiten steht für einen souveränen Umgang mit Geschichte. Das muss auch und im Vergleich mit anderen vielleicht sogar erst recht für Ernst Moritz Arndt gelten, der übrigens nichts dafür konnte, dass die Nazis ihn 1937, mehr als 70 Jahre nach seinem Tod, zum „Vorkämpfer für das Dritte Reich“ erklärten und das ehemalige Realgymnasium in Remscheid nach ihm benannten.

Der Wunsch der Schulkonferenz nach einem anderen, besseren Namen ist deshalb verständlich. Aus Sicht des Historikers ist eine Umbenennung dagegen nicht nur falsch, sondern schädlich. Weil sie geschichtliche Realitäten einebnet und für nachfolgende Generationen unkenntlich macht.

TOP: Klimaschutzpreis: Remscheid hat die Vereinten Nationen zu Gast.

FLOP: Fehlentscheidung: Naturschützer stimmen gegen einen neuen Begräbniswald.

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