Die Woche in Remscheid

Der EMA-Streit hat ein Ende - das ist das einzig Gute

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Aus dem EMA wird das EMMA. Gottseidank. Damit sollte der Dauerstreit um den Namensgeber des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums beendet sein. Das ist aber auch das einzig Gute an der Entscheidung, findet RGA-Lokalchef Axel Richter.

Remscheid. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium erhält einen neuen Namen. Die seit dem Ende der 80er-Jahre immer wieder neu entfachte Diskussion um den deutschnationalen Dichter als Namensgeber sollte damit ein Ende finden und die große Innenstadtschule sich endlich wieder anderen, manche sagen wichtigeren Themen zuwenden. Das ist das Gute an der Entscheidung, die die Politiker in dieser Woche getroffen haben. Allerdings ist es auch das einzig Gute daran.

Noch einmal: Der Wunsch der Schulkonferenz nach einem anderen, besseren Namenspatron ist nachvollziehbar. Jugendlichen, die sich intensiv mit den Schicksalen jüdischer Schülerinnen und Schüler im Nationalsozialismus beschäftigen, ist es schwer zu vermitteln, dass ihre Schule nach einem benannt ist, der sich selbst in ätzenden antisemitischen Gedichten ergossen hat. Das gilt einerseits.

Andererseits, auch davon war an dieser Stelle bereits die Rede, ist mit Blick auf unsere demokratische Stadtgesellschaft wenig bis nichts von dem Versuch zu halten, geschichtliche Realitäten vergessen zu machen, indem man Namen von Gebäuden oder Straßenschildern tilgt.

Jede größere Stadt hat eine Straße, die nach dem Freiherrn vom Stein benannt ist. Der schrieb nicht nur die Biografie von Ernst Moritz Arndt; er teilte auch ausdrücklich seinen Hass auf die Franzosen. Jede größere Stadt hat eine Bismarckstraße, jede größere Stadt hat eine Stauffenbergstraße. Auch das waren ambivalente Namengeber. Was übrigens auch für Emma Herwegh gilt, nach der die Schule in Zukunft heißen wird - also EMMA statt EMA.

Bei näherer Betrachtung ist mutmaßlich keine historische Persönlichkeit über jeden Zweifel erhaben. Gerade deshalb lohnt es, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wie ist ihr Denken und Werk vor dem geschichtlichen Hintergrund zu bewerten, in dem sie gelebt haben?

Die Schulgemeinde des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums hat sich solche Fragen oft gestellt. Die nachwachsenden Schüler-Generationen werden das hoffentlich ebenso oft tun, denn in der Auseinandersetzung mit den einschlägig kontaminierten Persönlichkeiten unserer Geschichte liegt eine große Chance für das Demokratie- und Geschichtsverständnis. Den öffentlichen Raum von allen Namensgebern zu bereinigen, die nicht unseren heutigen Vorstellungen von Ethik und Moral entsprechen, ist dagegen kontraproduktiv. Und dient am Ende nur den Antidemokraten von heute, die sich als Bewahrer und Opfer linker Sprachideologen stilisieren.

Deshalb bleibt es dabei: Mit der Entscheidung für die Umbenennung endet der Namensstreit. Das ist aber auch das einzig Gute daran. Zu hoffen bleibt, dass der neue Name in Remscheid bald die nötige Akzeptanz findet. Und zu hoffen bleibt auch, dass die Gräben sich schließen lassen, die der unselige Streit zwischen der Schule und dem Förderverein der Freunde und Ehemaligen gerisssen hat. Zum Wohl der dann hoffentlich wieder zur Ruhe kommenden großen Innenstadtschule.

TOP St. Martin reitet wieder: Kitas und Schulen knüpfen an die schöne Tradition an.

FLOP Kein Anschluss unter dieser Nummer: Ärzte gehen nicht ans Telefon.

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