Die Woche

Betrügern zum Trotz: Der Staat musste ins Risiko gehen

axel.richter @rga.de
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Aus dem aktuellen Verhalten der Maskenträger spricht sehr viel Solidarität. Corona bot allerdings auch reichlich Gelegenheit für unsolidarisches Verhalten

Von Axel Richter

Die Maskenpflicht in der Remscheider Innenstadt ist vorläufig Geschichte. Seit Mittwoch dürfen die Menschen sich wieder ohne Mund-Nasen-Schutz zwischen Hauptbahnhof und Rathaus bewegen. Dennoch tragen viele die Maske weiter. Sei es aus Gewohnheit. Oder sei es aus Verantwortung, schließlich ist Corona trotz sinkender Inzidenzwerten nicht verschwunden.

Glaubt man aktuellen Umfragen, so will annähernd die Hälfte der Deutschen auch in Zukunft eine Maske zum Schutz vor Krankheiten tragen. Dass sie damit nicht falsch liegen, zeigt der Rückgang anderer Infektionskrankheiten. So ist die Grippesaison 20/21 nahezu ausgefallen. An der Grippe und ihren Folgeerkrankungen wie einer Lungenentzündung starben übrigens in früheren Jahren bis zu 40 Menschen im Bergischen Land.

Ob und wie viele Remscheider auch „nach Corona“ weiterhin Maske tragen, bleibt abzuwarten. Festzuhalten bleibt: Aus dem aktuellen Verhalten der Maskenträger spricht sehr viel Solidarität.

Corona bot allerdings auch reichlich Gelegenheit für unsolidarisches Verhalten. Die Soforthilfen im Frühjahr 2020 und der Aufbau einer Schnelltest-Infrastruktur sind dafür gute Beispiele. Betrüger nahmen die Hilfen des Staates als Einladung dankend an.

Das gilt insbesondere für den aktuellen Fall. Nicht nur stellte das Land jedem, der ein Bürgertest-Zentrum aufmachen wollte, satte Gewinne in Aussicht. Es sorgte auch für eine großzügige Förderung. Und es verzichtete darauf, irgendwen mit der Kontrolle zu beauftragen, was die Betreiber denn zur Abrechnung bringen würden. Mit dem Teststäbchen in der Hand ließ sich so bald ein Vermögen anhäufen. Erst recht, wenn man es mit den Zahlen nicht so genau nahm.

Waren die Soforthilfen und die Schnelltestzentren deshalb ein Fehler?

Nein, das waren sie nicht. Die Finanzhilfen haben die Folgen der Wirtschaftskrise in vielen Branchen abgefedert. Und die Testzentren leisten einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen das Virus. Dafür musste der Staat ins Risiko gehen. Alles andere hätte zu lange gedauert und deshalb Existenzen und Menschenleben gekostet. Die Folge: Die gesamtwirtschaftlichen Verluste wären weit höher ausgefallen als die Schäden, die heute aufgrund von Betrugsfällen bei den Finanzhilfen und Testzentren zu erwarten sind.

Nicht die Sofortmaßnahmen des Staates sind deshalb das Problem. Sondern Menschen, die Notlagen wie die Corona-Pandemie für sich ausnutzen, anstatt sich wie andere in Solidarität zu üben.

TOP: Am Bahnhof: Remscheid baut und investiert in Bildung.

FLOP: Am Bahnhof: Chaoten lassen sich nicht aus Parkhaus vertreiben.

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