Mein Leben als Papa

Die Welt da draußen spielt verrückt – und wir hocken zu Hause

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den RGA-Geschäftsstellen, im Buchhandel und im Internet.bergisch-bestes.de
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„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den RGA-Geschäftsstellen, im Buchhandel und im Internet.bergisch-bestes.de

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Meine Oma Ilse, Gott hab sie selig, war eine Meisterin darin, komplexe Zusammenhänge auf einfachste Weise zusammenzufassen. Die vergangenen zwei Corona-Jahre und jetzt Russlands Krieg gegen die Ukraine hätte sie ganz sicher und immer wieder auf zwei Wörter heruntergebrochen – und mit „Dulle Welt!“ kommentiert. Diese „dulle Welt“, die aus den Fugen geraten scheint, mit Kindern und in Quarantäne zu erleben, macht alles noch ein bisschen bizarrer. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, die Zeit zu Hause für die Jungs so angenehm wie möglich zu gestalten. Große Langeweile und Auseinandersetzungen, die über das normale Maß hinausgingen, gab es nicht. Michel war über die unverhoffte Kindergarten-Pause und die zusätzlichen Spieleinheiten mit dem Rest der Familie sogar ziemlich glücklich. Hannes vermisste seine Freunde da schon mehr, verbesserte dafür aber seine Fertigkeiten an der Wii-Konsole enorm.

So sehr wir in unserer Blase lebten, ganz draußen lassen konnten wir die echte Welt nicht. Da waren zum Beispiel die ständigen Corona-Tests, die nicht nur mir mittlerweile – im wahrsten Sinne des Wortes – tierisch zum Hals raushängen. Der besorgte Blick, ob sich der zweite Strich immer noch verfärbt, macht auch was mit Kindern. Und lässt sie Fragen stellen: „Warum dürfen wir nicht raus?“

Dann kamen die Stürme. Die immerhin einen Grund lieferten, gar nicht raus zu wollen. Und die unser Trampolin im Garten mitrissen und zerstörten. Viel schlimmer für Hannes: Als er mitansehen musste, wie drei große Bäume im Garten der Nachbarn nach den Stürmen gefällt werden mussten, flossen bei ihm dicke Tränen.

Da verwunderte es nicht, dass mich der sensible Hannes, dem abends traditionell viele Gedanken durch den Kopf gehen, kurz vor dem Einschlafen auf den Krieg ansprach. Aktiv hatte ich ihn nicht darauf angesprochen, er musste wohl mitbekommen haben, dass Mama und Papa sich den ganzen Tag darüber unterhalten und informiert hatten. Kinder in Hannes’ und Michels Alter mögen das Leid und die Gefahren, die von einem Krieg ausgehen, vielleicht noch nicht einschätzen können – die Gefühlslagen ihrer Eltern dagegen schon. Auch unausgesprochen nehmen sie unterschwellig deren Sorgen wahr.

„Wie soll ich kindgerecht erklären, was mir noch keiner erklären kann?“

Ich versuchte, ihm kindgerecht zu erklären, was mir noch keiner erklären kann – und Hannes kombinierte gleich ziemlich gut. Er erinnerte sich sofort an „den bösen Mann, der Gift genommen und sich selbst umgebracht hat, als Deutschland den Krieg verloren hat“. Darüber hatte er mit der Mama schon einmal gesprochen.

Für diesen Moment reichte ihm das Gespräch über diesen „doofen Krieg“. Mal sehen, wann es zu weiteren Gesprächen kommt. Bis dahin versuche ich, das umzusetzen, was Experten raten: Ruhe auszustrahlen und für die Kinder der Fels in der Brandung zu sein.

Zum Ende der Quarantäne sollen die Jungs ihr Leben jetzt endlich aber auch mal wieder ganz normal genießen dürfen. Dass sie danach lechzen, zeigte sich bereits: Wie Kühe, die nach einem langen Winter wieder auf die Weide dürfen, stürzten sie sich am ersten Tag ihrer wiedererlangten Freiheit in den Garten. Fuhren Bobbycar, spielten Fußball, schaukelten, säten Gemüse aus, matschten im Dreck, planschten mit Wasser – und wollten gar nicht mehr rein.

Am Montag geht es für Hannes und Michel dann auch zurück in den Kindergarten. Als Ninja und Pirat. Denn dort wird Karneval gefeiert. „Dolle Tage“ in einer „dullen Welt“ tun den Kindern in dieser Zeit sicher gut.

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