Rathausplatz

Die Tiefgarage wird zur Großbaustelle

Das Wasser sammelt sich in der Decke der Tiefgarage. „Sie ist nass“, erklärt die Park Service Remscheid GmbH.
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Das Wasser sammelt sich in der Decke der Tiefgarage. „Sie ist nass“, erklärt die Park Service Remscheid GmbH.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Rathausplatz: Fläche ist vollgesogen wie ein nasser Schwamm – Veranstaltungen sollen dennoch möglich sein.

Remscheid. Wie ein Schwamm hat die Decke das eindringende Wasser aufgesogen. So nass ist das Material, dass ihr Eigengewicht um ein Vielfaches angestiegen ist. Das hat Folgen und wird auf Dauer zur Gefahr. Spätestens 2024 soll die Decke der Tiefgarage am Rathaus, deren Oberfläche zugleich den Theodor-Heuss-Platz bildet, saniert werden. Der Innenstadt droht damit eine Großbaustelle. Und die zumindest zeit- und teilweise Schließung der mit 400 Stellplätzen größten Parkgarage Remscheids.

Was genau damit auf die Autofahrer, die Markthändler und alle Remscheider zukommt, die den Platz vor dem Rathaus für die verschiedensten Veranstaltungen aufsuchen, sei noch nicht absehbar, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD). Nur so viel sei sicher: „Es wird teuer werden.“

60 Jahre alt ist der größte Teil der Tiefgarage, vor mehr als 50 Jahren wurde sie um einen Anbau erweitert, der im Kalten Krieg auch als Schutzbunker diente. Im Frühsommer vergangenen Jahres schlugen dann parkende Autofahrer Alarm: Wasser drang durch die Decke, und das nicht nur tröpfchenweise. Statiker ließen Löcher graben, um der Quelle auf den Grund zu gehen. Vergebens.

Durch das Drainagengitter soll das Oberflächenwasser abgeführt werden. Doch das funktioniert nicht mehr.

„Wir wissen, wo das Wasser austritt“, sagt Armin Freund, Prokurist der Park Service Remscheid GmbH. „Aber keiner kann uns sagen, wo es eindringt. Die Drainage und Ableitung funktionieren nicht mehr.“ Wahrscheinlich sei deshalb eine Komplettsanierung.

Bevor die Bagger anrücken, halten in diesem Jahr zunächst erneut die Gutachter Einzug. Schon seit dem Sommer untersuchen sie in Abständen die Risse in der Decke. „Davon geht keine Gefahr aus“, versichert Armin Freund. Allerdings dürfen Lkw oder Veranstaltungsbühnen, die auf dem Theodor-Heuss-Platz zum Einsatz kommen, nicht schwerer als neun Tonnen sein. Zuvor galt ein Maximalgewicht von zwölf Tonnen.

„Es ist ärgerlich. Aber in der Situation liegt auch eine Chance.“

Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister

Der Wochenmarkt ist deshalb nicht gefährdet. Für den Fall, dass der Rathausplatz von Schnee geräumt werden muss, sucht die Stadt gerade nach einem Dienstleister mit leichten Räumfahrzeugen. Was aber ist mit den Konzerten und Partys, die im Sommer dort stattfinden?

Sie sollen stattfinden. Das allerdings ohne dabei ein Risiko für die Gäste einzugehen. Was im laufenden Jahr wo aufgebaut werden darf und wie viele Menschen auf den Platz dürfen – auch darüber entscheiden demnächst Gutachter. Sie sollen der Park Service Remscheid als Betreiber der Garage und Tochterunternehmen der Stadtwerke auch empfehlen, was im kommenden Jahr zu tun ist, um die Garage und den Platz zu sanieren.

Für die Stadt Remscheid kommt die Baustelle angesichts steigender Baukosten in jedem Fall zur Unzeit. „Es ist ärgerlich“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. „Aber in der Situation liegt auch eine Chance.“

Wie der Friedrich-Ebert-Platz und die Alleestraße ist auch der Platz vor dem Rathaus Teil eines Konzepts zur Sanierung der Remscheider Innenstadt. Das heißt, der heute von vielen Remscheidern als Betonwüste empfundene Theodor-Heuss-Platz soll sich ohnehin verändern.

Das dürfte mit dem Pflaster anfangen. Die Steine, die heute auf der nassen Tiefgaragendecke liegen, gibt es nicht mehr. Die längst geplante Sanierung des Löwen verschiebt sich dagegen auf unbestimmte Zeit. Ein Riss, durch den das Wasser in die Tiefgarage plätschert, liegt am Sockel des Standbildes.  

Tiefgarage und Bunker

Die Tiefgarage am Rathaus ist stark frequentiert. Viele Remscheider, die auf dem Stadtkegel arbeiten, haben darin einen Parkplatz gemietet. Angesteuert wird die Garage zudem von Einkäufern, Besuchern des Rathauses sowie des Theo Otto Theaters oder der Stadtsparkasse. Die mehr als 60 Jahre alte Garage wurde 1969 und 1970 um einen Betonbau erweitert. In Friedenszeiten dient er zum Parken. Im Kriegsfall sollte er als Bunker genutzt werden. Ausgelegt war dieser Schutzraum für bis zu 1655 Menschen.

Standpunkt von Axel Richter: Schön wär’s

axel.richter@rga.de

Wo viel Regen vom Himmel fällt, hat sich das Flachdach häufig als die zweitbeste Lösung erwiesen. Nicht wenige Bungalowbewohner im Bergischen ließen deshalb später ein Spitzdach draufsetzen. Weil sie es leid waren, alle paar Jahre wahlweise Eimer aufzustellen oder neue Schweißbahnen zu verlegen. Insofern grenzt es beinahe schon an ein Wunder, dass die Decke der Tiefgarage am Rathaus, die zugleich den Theodor-Heuss-Platz bildet, so lange dicht gehalten hat.

Schön war es dort freilich nie. Dabei ist der Theodor-Heuss-Platz, wenngleich etwas zugig, eigentlich ideal für urbanes Leben, wie es in anderen Städten selbstverständlich ist.

Was fehlt, ist ein größeres Angebot an Cafés, Bistros, Kneipen. An Außengastronomie, vielleicht durchsetzt mit ein bisschen Grün und dem Löwen als geschichtsträchtigem Denkmal. Das Rathaus bietet dazu eine schöne Kulisse. Vielleicht ändert sich mit der zwangsläufigen Sanierung ja etwas zum Besseren. Schön wär’s.

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