Fehlbetrag

Bergische Symphoniker: „Die Städte lassen uns nicht im Stich“

Der Geschäftsführer und „sein“ Orchester: Stefan Schreiner vor einem Foto der Bergischen Symphoniker. Foto: Christian Beier
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Der Geschäftsführer und „sein“ Orchester: Stefan Schreiner vor einem Foto der Bergischen Symphoniker.
  • Melissa Wienzek
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Stefan Schreiner, Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker, erklärt die Bilanz des Geschäftsjahrs 2019/2020.

Remscheid. Minus 3.618.793,61 Euro – diese Zahl steht unterm Strich nach der Spielzeit 2019/2020 der Bergischen Symphoniker. Einnahmen von knapp 1,8 Millionen Euro stehen Aufwendungen von etwa 5,4 Millionen Euro gegenüber, darunter die Personalkosten mit mehr als 3,7 Millionen Euro als größten Posten. Der daraus resultierende Fehlbetrag in Höhe von 3,6 Millionen Euro liegt sogar etwas besser als in der Vorsaison. 2018/2019 verzeichnete die Orchester GmbH eine Unterdeckung von exakt 3.695.164,72 Euro. Am Donnerstag soll der Remscheider Hauptausschuss den Jahresabschluss absegnen. Wir erklären den Hintergrund der Zahlen.

Wie erklärt sich der geringere Fehlbetrag der Saison 2019/2020?

Durch die Pandemie. Die Saison 2019/2020 des Orchesters war von Corona geprägt. „Wir waren ab Mai 2020 bis in den Sommer hinein in Kurzarbeit, so erklärt sich der Wert“, erklärt Stefan Schreiner, Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker. Auch jetzt befindet sich das Orchester in Kurzarbeit – vorläufig bis zum 31. Juli. Das Prozedere: Die Orchester GmbH tritt zuerst in Vorleistung und holt sich das Kurzarbeitergeld anschließend bei der Bundesagentur für Arbeit wieder zurück – wie jeder andere Betrieb auch. „Wir gehören aber nicht zu den Unternehmen, die durch die Kurzarbeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Und wir kommen auch nicht in wirtschaftlich schlechte Zeiten“, betont Schreiner. Das helfe dem Orchester: „Die Musikerinnen und Musiker akzeptieren die Kurzarbeit und die damit verbundenen Nachteile – das hilft uns sehr.“

Wie viele Beschäftigte haben die Bergischen Symphoniker?

Es sind derzeit 75 Beschäftigte auf 66 Stellen.

Wie wird der Fehlbetrag gedeckt?

Durch den Betriebskostenzuschuss der Städte, erklärt Schreiner. Remscheid und Solingen überweisen jährlich insgesamt 3,8 Millionen Euro an das gemeinsame Orchester – jeder anteilig die Hälfte. „Die Städte stehen zu ihrem Wort und lassen uns nicht im Stich, dafür sind wir sehr dankbar“, sagt der Symphoniker-Geschäftsführer. Die Zahlungen der beiden bergischen Schwesterstädte seien auch in Coronazeiten unverändert geflossen. Mit dem Fehlbetrag von 3,6 Millionen Euro liegt die Gesellschaft übrigens über ihrem Planansatz in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Also: Dem Orchester geht es gut – und es wird auch weiter spielen. Wann, das hängt von den Inzidenzwerten ab, nicht von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Woraus setzen sich die Einnahmen der Symphoniker zusammen?

In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung gibt es neben Umsatzerlösen in Höhe von rund 737 000 Euro, das dürften vor allem Einnahmen aus Ticketverkäufen sein, auch mehr als eine Million Euro „sonstige betriebliche Erträge“. Hier hatten die Symphoniker Glück: Der traditionelle Gastauftritt im Divertissementchen in Köln war abgespielt, bevor Corona zuschlug und für einen Lockdown sorgte. So konnten die Symphoniker immerhin etwas erwirtschaften, da es sonst kaum Konzerte gab.

Wie geht die Planung für die nächste Spielzeit weiter?

„Wir haben für 21/22 auch ein Corona-Programm aufgestellt. Wir haben uns bei der Planung darauf eingerichtet, mindestens bis Weihnachten unter Coronabedingungen zu spielen“, sagt Schreiner. Bedeutet: mit weniger Musikern auf der Bühne, da Abstände eingehalten werden müssen. Aufstocken könne man jederzeit. Künstlerisch sei die Pandemie „ein absolutes Desaster“: „Wir können uns ja nur noch über das Internet zeigen.“ Dennoch steckten alle Symphoniker auch viel Herzblut und Leidenschaft in die digitalen Angebote. „Und es ist alles selbst gemacht. Darauf sind wir wahnsinnig stolz.“

Online

So geht es weiter: Nachdem das Videoprojekt „Peter und der Wolf“ fast 30 000 Mal auf Youtube angeklickt wurde, wird nun auch das nächste Familienkonzert mit Malte Arkona als Video eingespielt. Aufgenommen wird im Solinger Theater und Konzerthaus. „Als Ersatz für die Schulmusiken machen wir zudem Schulpadlets und schicken diese Videos an Remscheider und Solinger Schulen zum Download. Sie können diese dann im Unterricht einsetzen“, erklärt Stefan Schreiner.

bergischesymphoniker.de

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