Versorgung

Die Stadt Remscheid stellt komplett auf Ökostrom um

Bei Stadtverwaltung und Technischen Betrieben kommt ab dem Jahreswechsel nur noch Ökostrom aus den Steckdosen. Symbolbild: wey
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Bei Stadtverwaltung und Technischen Betrieben kommt ab dem Jahreswechsel nur noch Ökostrom aus den Steckdosen.

Durch den Umstieg spart die Stadt annähernd 4000 Tonnen CO2 ein. Die Mehrkosten für den Ökostrom sind gering.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Mehr als 7000 Megawattstunden Strom verbraucht die Remscheider Stadtverwaltung inklusive der Technischen Betriebe (TBR) pro Jahr für ihre Gebäude und anderen Liegenschaften. Etwa so viel wie 2000 durchschnittliche Privathaushalte. Ab dem kommenden Jahr soll das weitgehend CO2-neutral passieren, die Stadt stellt zum 1. Januar komplett auf Ökostrom um. Das werde rund 4000 Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich sparen, hat die Verwaltung ausgerechnet. Und das bei überschaubaren Mehrkosten.

Strom-Lieferant der Stadt bleiben die EWR. Die Stadtwerketochter hatte sich in einer Ausschreibung durchgesetzt und mit der Stadt einen Vertrag über drei Jahre Laufzeit mit der Option zur Verlängerung um ein weiteres Jahr abgeschlossen. Die Mehrkosten für den Ökostrom im Vergleich zu konventionellen Strom gibt die Verwaltung in einer Vorlage mit 68 Cent je Megawattstunde an – also nur 0,068 Cent je Kilowattstunde. Nimmt man den Durchschnittsverbrauch der Jahre 2017 bis 2019 als Grundlage, kostet die Umstellung der Stadt also keine 5000 Euro jährlich zusätzlich.

Klaus Zehrtner, Pressesprecher der Stadtwerke, will zwar keine Vertragsdetails kommentieren und kann daher die Höhe der Mehrkosten nicht bestätigen, spricht aber von einem „sehr, sehr fairen Preis“ und einer guten Entscheidung für die Stadt und ihre Bürger. Dass der Öko-Zuschlag vergleichsweise gering ausfalle, habe auch mit der Laufzeit des Vertrags und der vereinbarten Abnahmemenge zu tun. Vor allem aber mit dem Zeitpunkt der Verhandlungen. Der neue Vertrag wurde nämlich bereits im März abgeschlossen – danach stiegen die Energiepreise kräftig an. „Da hat die Stadt wohl alles richtig gemacht“, sagt Zehrtner.

Als Ökostrom gelte ausschließlich elektrische Energie aus Wasser- und Windkraft, Biomasse, Solartechnik und Geothermie, heißt es von der Verwaltung. Weil dabei so gut wie keine CO2-Emission entsteht, reduziere man den Ausstoß des Treibhausgases mit der Umstellung um mehr als 4000 Tonnen pro Jahr. „Dies entspricht etwa 31 Prozent der gesamten energiebedingten CO2-Emissionen der städtischen Liegenschaften“, steht in der Vorlage. Strom ist der zweitwichtigste Energieträger für städtische Gebäude.

Die meiste Energie wird in den kommunalen Liegenschaften in Form von Erdgas verbraucht, durchschnittlich mehr als 31 000 Megawattstunden pro Jahr, überwiegend zum Heizen, die zusammen für fast 8000 Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich sind. Auch das Erdgas bezieht die Stadt als Bestandteil des neuen Liefervertrags in den kommenden Jahren von den EWR, bei dessen Verbrennung entsteht aber weiterhin Kohlenstoffdioxid.

Zurück geht der Umstieg auf Ökostrom unter anderem auf einen Antrag der Grünen vom Juli 2019. Darin taucht unter anderem die Forderung auf: „Die Stadt Remscheid verzichtet bei der Versorgung ihrer Gebäude mittelfristig auf fossile Energieträger.“ Entsprechend freue man sich, dass es nun zumindest beim Strom soweit ist, sagt Grünen-Fraktionschef David Schichel: „Damit kommen wir unserem Ziel, die Stadtverwaltung bis 2030 klimaneutral zu machen, ein riesiges Stück näher.“ Anfang des kommenden Jahres stehe dann mit dem Beschluss der Nachhaltigkeitsstrategie der „nächste Meilenstein“ an.

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