Neue Serie

Die Kräuterfrau weiß genau, was da wächst

Stefanie Barzen in ihrem Garten. Noch kann sie den Meisenring in den knospenden Zierjohannisbeerenstrauch hängen. Die Diplom-Biologin aus Lüttringhausen wirbt in der Naturschule Grund und als „Wupper-Tell“ für die Schönheiten und den Erhalt der Natur. Foto: Roland Keusch
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Stefanie Barzen in ihrem Garten. Noch kann sie den Meisenring in den knospenden Zierjohannisbeerenstrauch hängen. Die Diplom-Biologin aus Lüttringhausen wirbt in der Naturschule Grund und als „Wupper-Tell“ für die Schönheiten und den Erhalt der Natur.

Der RGA und die Naturschule Grund zeigen Pflanzen und Besonderheiten am Wegesrand.

Von Axel Richter

Remscheid. Stefanie Barzen weiß genau, was am Wegesrand wächst. Und die Diplom-Biologin aus Lüttringhausen weiß auch, wofür es gut ist. Denn viele Pflanzen, die an diesen Tagen noch zaghaft ihre Blätter und Blüten an die Erdoberfläche treiben, sind alles andere als lästiges Unkraut, sondern im Gegenteil für allerhand nutze. So ist die Brennnessel die wahrscheinlich verkannteste Heilpflanze überhaupt.

Was wächst denn da am Wegesrand?, fragt der RGA deshalb ab heute immer Samstags und lässt Stefanie Barzen antworten. Seit annähernd 20 Jahren ist sie an der Natur-Schule Grund als Umweltpädagogin aktiv und möchte die Menschen die Schönheiten vor ihrer Haustür erleben, beziehungsweise, so formuliert sie es, „die Natur lieben lassen“.

In der Pandemie ist das nicht eben einfacher geworden. Besuche von Kindergartengruppen und Schulklassen in der Naturschule dürfen nicht stattfinden. Jörg Liesendahl, Leiter der Umweltbildungseinrichtung in Grund, hat die Bildungsarbeit seiner Einrichtung deshalb weitgehend ins Internet verlegt. Mit Erfolg: Die Freunde und Fans, die den Biologen auf den unterschiedlichen Plattformen folgen, haben sich seit Beginn der Krise vor einem Jahr auf 1600 nahezu vervierfacht.

Gerade haben seine Mitarbeiter, die in Grund ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, 30 verschiedene Schmetterlinge online gestellt. Dazu die charakteristischen Gartenvögel des Bergischen Landes. Wer mag, klickt sich rein, um Tiere und Pflanzen zu identifizieren oder auch zu erfahren, wie sich der frisch gepflanzte Apfelbaum beschneiden und pflegen lässt. Denn gepflegt werden müssen sie, sonst sterben manche Sorten vorzeitig ab.

Stefanie Barzen, die auch als Natur- und Landschaftsführerin „Wupper-Tell“ durch das Tal zwischen Remscheid und Solingen führt, ist derweil die Kräuterfrau der Naturschule Grund. Jörg Liesendahl gerät über seine umweltpädagogische Honorarkraft beinahe ins Schwärmen: „Sie verfügt über ein riesiges Kräuterwissen - sei es über die Giersch, den Ackerschachtelhalm oder das Gänseblümchen.“

Das eignet sich übrigens sowohl für einen Salat als auch für einen zwar eher geschmacksneutralen aber vitaminreichen Snack im Vorbeigehen. In der neuen RGA-Serie „Was wächst denn da am Wegesrand?“ macht das Allerweltsblümchen deshalb den Auftakt. Die Fortsetzung folgt nächsten Samstag. Viele weitere Informationen über die heimische Tier- und Pflanzenwelt gibt es unter www.naturschule-grund.de

Das Gänseblümchen, von Wissenschaftlern „Bellis perennis“ genannt, trägt sein Aussehen bereits in seinem lateinischen Namen: bellus = schön. Seine Laubblätter wachsen in einer dicht am Boden anliegenden Blattrosette. Da Gänse auf ihren Weiden diese Blättchen mit ihren Schnäbeln nur schwer zu fassen kriegen, bleiben die Rosetten stehen; daher der Name „Gänseblümchen“.

Was aussieht wie eine einzige Blüte, ist in Wahrheit ein Blütenkörbchen aus über 100 äußeren Zungen- und inneren Röhrenblüten. Das Gänseblümchen richtet sich tagsüber nach der Sonne (Heliotropismus) und geht nachts schlafen. Seine Gäste sind hauptsächlich Fliegen, aber auch Bienen, Hummeln und Schwebfliegen.

Das Gänseblümchen ist ein Hustenlöser.

Die komplett behaarte Pflanze lädt zum Fühlen ein und hat auch für den Geschmackssinn etwas zu bieten: Frisch von der Wiese schmecken Blüten und Knospen. Verwendet werden können sie und auch die jungen Laubblätter in Salaten, Gemüse oder Kräuterquark. Knospen dienen, eingelegt in Estragonessig, als Kapernersatz. Die Blütenköpfe sind eine hübsche Deko auf Süßspeisen. Die Pflanze ist reich an Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen und enthält die Vitamine A und C. Ihr Gehalt an Saponinen macht sie zu einem geeigneten Hustenlöser.

Der Basteltipp: Zum nächsten Spaziergang ein kleines, verschließbares Gefäß mitnehmen, das zuvor mit etwas „Mehlpampe“ (wenig Mehl mit einigen Tropfen Wasser zu einer zähen, klebrigen Masse verrührt) gefüllt wurde. Ein komplett stielloses Gänseblümchen mit dieser Masse bestreichen und auf das Ohrläppchen kleben ergibt einen attraktiven Ohrschmuck!

Sie waren schon im Anflug, da ließ der Eisregen über dem Bergischen Land sie noch einmal nach Süden abdrehen. Jetzt aber haben die Kraniche erneut Kurs Richtung Nordosten genommen.

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