Bebaut – aber ökologisch

Die Knusthöhe soll zur Remscheider Mustersiedlung werden

In Knusthöhe soll gebaut werden – aber ökologisch. Für CDU-Fraktionschef Markus Kötter (o.) ein „gelungener Konsens“, Grünen-Fraktionschef David Schichel (Grüne) lockt das nicht „hinter dem Ofen hervor“, seine Partei lehnt das Neubaugebiet weiter ab Foto: Michael Schütz/ Archivfotos: Roland Keusch
+
In Knusthöhe soll gebaut werden – aber ökologisch.

Durch die Zusammenarbeit der CDU mit SPD und FDP wird das Neubaugebiet immer wahrscheinlicher.

Von Sven Schlickowey

Für CDU-Fraktionschef Markus Kötter ein „gelungener Konsens“.

Remscheid. Das Neubaugebiet Knusthöhe wird wohl kommen. Und mit ihm Platz für zahlreiche Ein- und Zweifamilienhäuser und einige Mehrfamilienhäuser. Nachdem die Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP schon direkt nach der Kommunalwahl im Vorjahr festgestellt hatte, dass sie in diesem Punkt nicht übereinkommt, haben sich Sozialdemokraten und Liberale als Befürworter des Projekts einen neuen Partner gesucht – und in der CDU gefunden. Zusammen haben die drei Parteien eine satte Mehrheit im Stadtrat: 40 von 58 Sitzen.

Die Christdemokraten hatten zuvor bereits in der Bezirksvertretung Lennep ihre Zustimmung zu dem Neubaugebiet erklärt und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit in diesem Punkt signalisiert. Schließlich hätten SPD und FDP seiner Partei ein Gesprächsangebot gemacht, berichtet CDU-Fraktionschef Markus Kötter, der die „sehr angenehme Atmosphäre“ während der Verhandlungen lobt: „Es war ein tolles Gespräch, bei dem es zu keinem Zeitpunkt irgendwo geklemmt hat.“ So habe man recht schnell einen „rundum gelungenen Konsens“ gefunden.

Zusammengefasst ist der in einem gemeinsamen Antrag, der am Dienstag auch im Bauausschuss auf der Tagesordnung stand, dann aber vertagt wurde, weil andere Parteien noch Beratungsbedarf hatten. Vorgesehen ist darin, dass das Gebiet, das im Norden durch die Ring- und im Westen durch die Heinrich-Hertz-Straße eingefasst wird, zu einer „nachhaltigen und ökologischen Mustersiedlung“ entwickelt wird.

„Das sind ja die Themen der Zeit.“

Baudezernent Peter Heinze über die Vorgaben aus dem Antrag
Grünen-Fraktionschef David Schichel (Grüne) lockt das nicht „hinter dem Ofen hervor“. Seine Partei lehnt das Neubaugebiet weiter ab.

Die Bebauung dort soll unter anderem so geplant werden, dass Regenwasser vor Ort versickern kann, dazu nennt der Antrag begrünte Dächer und das Verbot sogenannter Steingärten als Beispiele. Zudem sind Vorgaben für eine möglichst umweltfreundliche Energieversorgung vorgesehen. Mögliche Mehrkosten dadurch will man durch Fördermittel vergünstigte Grundstückspreise ausgleichen.

„Wir erkennen die Notwendigkeit, nach dem neuesten ökologischen Standard zu bauen“, sagt Markus Kötter. Und das wolle man auch Familien mit normalem Einkommen ermöglichen. So könne eine Siedlung entstehen, die Vorbildcharakter habe. „Auch über Remscheid hinaus.“

Trotz des ökologischen Ansatzes wollen die Grünen, sonst Teil der Gestaltungsmehrheit, die Pläne nicht mittragen. Neuer Wohnraum sei im Bestand viel schneller zu schaffen, sagt Fraktionschef David Schichel, Und die im Antrag von SPD, CDU und FDP geforderte umweltfreundliche Bauweise komme ohnehin: „In ein paar Jahren wird es nichts anderes mehr geben, damit kann man uns nicht hinter dem Ofen hervorlocken.“

4000 Wohnungen in Remscheid stehen leer: Parteien fordern Sanierung ungenutzter Immobilien statt Neubauprojekte

Als „sehr innovationsorientiert“ bezeichnet Baudezernent Peter Heinze die Vorgaben der Parteien für das Neubaugebiet: „Das sind ja die Themen der Zeit.“ Der überwiegende Teil davon sei auch über den Bebauungsplan regelbar. Dass das Verfahren dadurch in die Länge gezogen wird, glaubt der Dezernent nicht. Trotzdem wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis die Bagger rollen: „Ein Bebauungsplanverfahren kann bis zu drei Jahre dauern.“

Entstehen sollen in Knusthöhe überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser, nur direkt an der Ringstraße sieht der Antrag einige Mehrfamilienhäuser vor. Bei der Vergabe der Grundstücke, die überwiegend in Erbpacht geschehen soll, möchten die Antragssteller Familien mit Kindern bevorzugen. Die Erschließung ist über die Ringstraße vorgesehen, um bestehende Wohngebiete nicht zu belasten.

Pläne, die Knusthöhe zu bebauen, gibt es bereits seit rund 30 Jahren, ursprünglich war mal von 250 bis 300 Wohnungen die Rede. Dass es nun so viele werden, glaubt Markus Kötter nicht. Weil es nur weniger Mehrfamilienhäuser geben soll. Vor allem aber, weil man das Gebiet nicht zu sehr verdichten will: „Wir achten auf genügend Abstand zur bestehenden Wohnbebauung in diesem Bereich.“ | Standpunkt

Hintergrund

Die Knusthöhe hat ihren Namen vermutlich von einer Familie, die dort um 1800 lebte. Seit den frühen 1990er-Jahren wird darüber nachgedacht, in diesem Bereich Wohnhäuser zu bauen. Im Flächennutzungsplan ist die Knusthöhe als Wohngebiet ausgewiesen.

Standpunkt: Bloß kein Feigenblatt

Von Sven Schlickowey

-

Das Neubaugebiet Knusthöhe wird kommen. Am Ende kann sich auch Remscheid dem Druck nicht entziehen, viele Menschen wollen sich unbedingt ihren Wunsch vom Häuschen im Grünen verwirklichen. Geht das hier nicht, ziehen sie weg. Und mit ihnen ihre Kaufkraft und ihr Anteil an der Einkommenssteuer. Also haben SPD, CDU und FDP einen Kompromiss versucht: Bauen ja, aber mit einem ökologischen Gewissen dank grüner Dächer und Photovoltaik. Und damit das nicht nur was für Reiche ist, soll es einen Ausgleich für eventuelle Mehrkosten geben. Das erinnert ein wenig an den Ansatz, den es am Montag an dieser Stelle zu möglichen neuen Industriegebieten zu lesen gab. Und ist in diesem Konflikt vielleicht einer der ganzen wenigen Möglichkeiten, überhaupt einen Kompromiss hinzubekommen. Immer vorausgesetzt, der ökologische Ansatz ist kein Feigenblatt, sondern wird konsequent umgesetzt. Ist die Genehmigung für die Knusthöhe dereinst durch, wird den Kritikern des Neubaugebiets die Aufgabe zukommen, darauf zu achten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gebrauchtwagen werden auch in Remscheid zur Mangelware
Gebrauchtwagen werden auch in Remscheid zur Mangelware
Gebrauchtwagen werden auch in Remscheid zur Mangelware
„Gefahrenpotenzial“: Hasten hat noch einen weiteren Schandfleck
„Gefahrenpotenzial“: Hasten hat noch einen weiteren Schandfleck
„Gefahrenpotenzial“: Hasten hat noch einen weiteren Schandfleck
Corona: Fünfthöchste Inzidenz in Deutschland- Quarantänen für Kita-Gruppen und Klassen
Corona: Fünfthöchste Inzidenz in Deutschland- Quarantänen für Kita-Gruppen und Klassen
Corona: Fünfthöchste Inzidenz in Deutschland- Quarantänen für Kita-Gruppen und Klassen
Das DOC ist nicht an den Richtern in Leipzig gescheitert
Das DOC ist nicht an den Richtern in Leipzig gescheitert
Das DOC ist nicht an den Richtern in Leipzig gescheitert

Kommentare