Die Klarinette wird zum Mikrofon seiner Seele

Beeindruckend: „Mozart meets Klezmer“ im Teo Otto Theater mit den Symphonikern und dem Klarinettisten Helmut Eisel. Foto: Michael Schütz
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Beeindruckend: „Mozart meets Klezmer“ im Teo Otto Theater mit den Symphonikern und dem Klarinettisten Helmut Eisel.

Mozart und Klezmer: Bergische Symphoniker und Solist Helmut Eisel beeindrucken im Theater

Von Monika Meurs

Mozart und Klezmer – wie passt das zusammen? „Sehr gut“, so der einhellige Tenor der Zuhörer der „Nacht der Kultur“ am Samstag im Teo Otto Theater in Remscheid. Die beiden Musik-Stile wurden um Jazz ergänzt. Das Publikum war voller Erwartung, was passieren würde, schnell von den Darbietungen der Akteure beeindruckt. Die Ausgangsfrage konnte eindeutig mit „Ja, das geht!“ beantwortet werden.

Den Beweis einer solchen musikalisch fruchtbaren Verbindung bewiesen die Protagonisten der „Nacht der Kultur“, die unter dem Titel „Mozart meets Klezmer“ stand. Damit wurde eine ungewöhnliche Konstellation versprochen. Die Bergischen Symphoniker unter Leitung von Dirigent Daniel Huppert, eines der vielbeachtesten Orchester im Lande, und Solist Helmut Eisel, Klarinettist von Weltruhm, ließen die Verbindung unterschiedlichster Musikrichtungen zum Klangerlebnis werden.

Mehr als 200 Zuhörer wurden Zeugen dieser geglückten Verschmelzung. Stücke von Mozart, Max Bruch und Arrangements von Helmut Eisel kamen zu Gehör, gingen ins Herz. Und kamen an – nach dem Leitfaden von Eisel: „Die Klarinette ist das Mikrofon meiner Seele. Ich lege den Klang meiner innersten Stimme in mein Instrument.“ Melancholische Töne trafen auf Lebensfreude, laute auf leise, freche und verschmitzte auf selbstironische. Diese vermischten sich und hinterließen das Gefühl, dass Musik ein immer wieder neu erfundenes Sprachrohr ohne Worte sein kann.

Das Publikum war verzaubert vom Zusammenspiel, oft wippten die Füße der Zuhörer im Takt. Standing Ovations waren am Schluss der Lohn der eindrucksvollen Darbietung.

Helmut Eisel (86) hat eine bemerkenswerte Vita: Angefangen als Diplom-Mathematiker und Unternehmensberater, widmete er sich durch seine Freundschaft zu Giora Feidman, der musikalisch auch für den Film „Schindlers Liste“ tätig war sowie für den Papst spielte, seit 1993 nur noch der Musik. Seitdem ist er als Konzertant in fast allen europäischen Ländern unterwegs, inszeniert Performances, komponiert, vermittelt in Workshops allen Generationen seinen Flow.

In Kombination mit einem herausragenden Orchester wohnte diesem Konzert ein erfrischendes Moment bei. Nämlich, dass man sich auch mal selbst nicht so ernst nehmen sollte. Nicht nur aufgrund der spürbaren Spielfreude und sympathischen Seitenblicke auf das Leben fand sich jeder der Zuhörer auf galante Weise wieder. Im Anschluss des Konzertes sagte Eisel mit einem Augenzwinkern dem RGA: „Ich bin froh, dass keiner direkt gegangen ist.“

Damit spielte der charismatische Musiker auf das an, was er zu schaffen imstande ist: „Spürt das Leben. Ich lebe das Spüren.“ Davon zeugten die Äußerungen der Zuhörer. „Das war ein Ohrenschmaus, sowas habe ich lange nicht mehr gehört“, so Heidi Scharwüchte. Nuri Tirit und Lilija Velten schlossen sich an: „Respekt davor, wie sehr man Musik verkörpern kann, das alles über Stunden ganz ohne Noten. Hut ab.“

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