Karneval

Die Karawane zieht weiter: Jecke aus Remscheid flüchten nach Köln

Wann wird’s mal wieder richtig Karneval? Die Remscheider Jecken, hier an Altweiber 2020, hoffen auf die Session 2022/23. Foto: Roland Keusch
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Wann wird’s mal wieder richtig Karneval? Die Remscheider Jecken, hier an Altweiber 2020, hoffen auf die Session 2022/23.

Lenneper Karnevalsgesellschaft feiert zum Teil in der Domstadt – Ein Ersatz für den eigenen Rosenmontagszug ist das aber nicht.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Irgendwie erfüllt sich Gunther Brockmann in den anstehenden Tagen einen Traum. Als Karnevalist schafft er es zu den jecken Tagen endlich mal in die rheinische Hochburg des Karnevals. „Wir werden keine kleinen Ersatzveranstaltungen in Remscheid machen“, sagt der Vorsitzende der Lenneper Karnevalsgesellschaft (LKG), deren Rosenmontagszug und die anschließende Feier erneut der Pandemie zum Opfer fallen. „Aber wir werden im kleinen Kreis die Chance nutzen, an Karneval mal nach Köln zu fahren.“ Das hat sich Brockmann schon länger mal gewünscht.

Aber ihn erfüllt das letztlich nicht: Zu groß ist der Schmerz darüber, dass im zweiten Jahr in Folge nicht in Remscheid gefeiert werden kann – und schon gar nicht so, wie man es gewohnt ist. „Der Ausflug nach Köln federt das emotional nicht ab. Es steht auch in unserer Satzung, dass wir das Brauchtum in Remscheid fördern wollen. Ein richtiger Ersatz ist es also nicht, wir wollen in Lennep feiern.“

„Wir müssen sehen, dass wir Karneval wieder an den Start bekommen.“

Gunther Brockmann

Darauf hat Brockmann allerdings große Hoffnung: Was den kommenden „Elften im Elften“, also den Beginn der nächsten Karnevalsession, betrifft – und vor allem auch schon viel früher, was den anstehenden Sommer im Lennep betrifft.

Doch erst einmal wird es in Remscheid in den kommenden Tagen ruhig zugehen, wo sonst ab Weiberfastnacht, diesmal am 24. Februar, die Post abginge. Bei der KG Rot-Blaue Funken Remscheid wäre normalerweise sogar schon seit Tagen Hochbetrieb: Ehe mit „Altweiber“ die heiße Phase beginnt, ist die Garde in den Wochen zuvor nämlich immer in Altenheimen & Co. zu Gast. Aber diesmal: alles abgesagt. „Auch alle sonstigen Auftritte“, sagt der Vorsitzende Holger Fischer. 19 Tänzerinnen und Tänzer gibt es, insgesamt rund 30 Mitglieder – und seit zwei Jahren bitteren Stillstand. „Das Training läuft aber normal weiter“, sagt Fischer – in der Hoffnung auf Auftritte in der nächsten Session. Denn nach dem harten Lockdown samt Trainingsverbot hatte man festgestellt, wie sehr die Beweglichkeit gelitten hatte. Aktuell treibt Fischer eher die finanzielle Situation des Vereins um, der keine Einnahmen generieren kann, sowie die Sorge, dass sich die Tänzerinnen andere Sportarten suchen könnten, wenn weiterhin keine Auftritte in Sicht sind.

Ungewohnte Ruhe vermelden auch die Kneipen und Bars, in denen sonst Karnevalsstimmung aufkommt. Lothar Clemm (Grüne Gans) teilt dem RGA mit: „Bei uns wird es dieses Jahr keine öffentliche Veranstaltung geben.“ An Altweiber gibt es eine geschlossene Gesellschaft, am Karnevalssamstag ist der Laden für eine private Feier gebucht – und an Rosenmontag wird ganz normal geöffnet. Die Funken wollen eventuell am Karnevalssamstag unter sich im Bürgerhaus Süd, wo auch trainiert wird, feiern.

Brockmann & Co. werden sich derweil in der für Karneval ausgewiesenen Brauchtumszone der Domstadt umtun. In Gedanken ist man aber in Lennep: „Wir müssen sehen, dass wir Karneval wieder an den Start bekommen“, sagt Brockmann. Zwar halte sich die Mitgliederstärke von 70 während der Pandemie konstant. Ob aber wirklich alle wieder helfen, wenn endlich der nächste Rosenmontagszug ansteht, und ob die in Remscheid eben nicht ganz so jecke Stadtgesellschaft den Karneval nicht vergisst, das treibt Brockmann um. Schon am 11. November wollen er und seine Mitstreiter wieder „alles, was dann unter den Regeln möglich ist“ veranstalten: „Dabei kann ich nur an alle appellieren: Wer anständig feiern will, soll sich impfen lassen.“

Hintergrund

Feste: Der „Lenneper Sommer“ soll 2022 definitiv stattfinden. „Da halte ich mich an unseren Bundesgesundheitsminister, der gesagt hat, dass uns ein super Sommer bevorsteht“, sagt Brockmann.

Vorgespräche: Unlängst hat eine Sitzung dazu mit dem Ordnungsamt stattgefunden. Man habe über die Planungen informiert, so Brockmann, der fest auf den gewohnten Rahmen baut.

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