RGA vor Ort

Die Filiale vereint Trasse, Museum und bergischen Kult

Generationenspaß im Deutschen Werkzeugmuseum: Bei der „Opa-Oma-Enkelshow“ gestalteten Oma Anja Kaschubiak und Opa Hubert-Jürgen Potthoff mit Paul (6, l.) und Moritz (7) kreative 3D-Bilder unter Anleitung von Museumspädagoge Markus Heip (2. v. r.).
+
Generationenspaß im Deutschen Werkzeugmuseum: Bei der „Opa-Oma-Enkelshow“ gestalteten Oma Anja Kaschubiak und Opa Hubert-Jürgen Potthoff mit Paul (6, l.) und Moritz (7) kreative 3D-Bilder unter Anleitung von Museumspädagoge Markus Heip (2. v. r.).
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Ob Pöhlsches‘Schieten, Beitel-Workshop oder Papiertheater: Der Hasten punktet mit Kultur-, Freizeit- und Gastronomieangeboten.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Der Hasten gehört zu Alt-Remscheid, führt aber ein Eigenleben. Die „Filiale“, wie der Stadtteil liebevoll genannt wird, beherbergt nicht nur das Historische Zentrum der gesamten Stadt, sondern auch eine Trasse: die Werkzeugtrasse. Das passt natürlich wiederum zum Werkzeugmuseum. Und auch mit der Gastronomie schließt sich wieder ein Kreis, auch wenn diese vielleicht nicht so üppig ausfällt wie in anderen Stadtteilen. Wir geben einen Überblick.

Kultur: An erster Stelle ist hier wohl das Historische Zentrum mit dem Deutschen Werkzeugmuseum, dem Stadtarchiv und dem Haus Cleff zu nennen. Alles konzentriert sich auf dem Hügel an der Hastener Straße/Cleffstraße. Ob Vorträge, Konzerte, Whisky- und Wein-Verkostungen oder Ferienworkshops für die Kleinen - beim Jahresprogramm des Deutschen Werkzeugmuseums ist wohl für jeden etwas dabei. Familien stehen dabei besonders im Blickpunkt, sagt Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht: „Familien und Kinder sind dabei besonders wichtig, weil sie sich gegenseitig befruchten. Beispiel: Kinder, die bei uns einen Ferienkurs zum Schnitzen absolviert haben und zu Hause davon erzählen, bringen darüber oft ihre Eltern ins Museum.“ Das Prinzip funktioniere in beide Richtungen. Übrigens: Der nächste Kurs ist ein ganz besonderer. Hier zeigt der neue Papierrestaurator Matthias Beil, wie Kinder eigene Papierbindearbeiten herstellen: 19. und 20. Juli, je 10 bis 13 Uhr. Anmeldung erbeten.
Dr. Andreas Walbrecht: „Wir sind schon das Museum der Zukunft“

Das Jahresprogramm ergänzt dabei die Dauerausstellung, die sich um Werkzeuge von der Antike bis zur heutigen Zeit dreht. Auch eine wechselnde Sonderausstellung gibt es. Die aktuelle heißt „Beitel - scharf und geschlagen“ und wurde verlängert. Sie ist noch bis Januar 2023 zu sehen. Danach kommt die Ausstellung zum Thema „Nahtlos Fahrrad fahren - Mannesmann und die nahtlosen Rohre“. Denn Mannesmann spielt auch hier eine große Rolle. Knackpunkt: Das Magazin des Museums platzt aus allen Nähten, es wird nun ein weiteres Lager nötig.

Die „bergische Perle des Hastens“, das Haus Cleff, nimmt bald die nächste Hürde: Aktuell wird der Bauantrag für den Innenausbau des denkmalgeschützten Rokokohauses eingereicht. Die Arbeiten an „Dach und Fach“ sind bereits fertig. Der Bauantrag für den Außenaufzug ist bereits genehmigt: Ab Montag beginnen die Fundamentierarbeiten.

Ein ganz besonderes Kleinod, das einmalig ist im Bergischen, verbirgt sich zudem in der Ackerstraße 14: Haases Papiertheater. Martin und Sieglinde Haase betreiben ihr Kellertheater samt angrenzendem Museum mit viel Herzblut. Erst vor Kurzem ist das Papiertheater in die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden. Aktuell bieten die Haases ein Sommertheater an. Der nächste Termin ist am Sonntag, 24. Juli, 18 Uhr, das bekannte Märchen der Brüder Grimm „Schneewittchen“. Anmeldung erforderlich. Während Sieglinde Haase spielt, sorgt ihr Mann Martin für Sound und Effekte und schreibt die Stücke.

Pöhlsches'Schieten ist die bergische Boule-Variante.

Freizeit: Oberhalb der Hastener Straße nahe der „Schönen Aussicht“ beginnen der Stadtpark mit dem Bereich „in den Sümpfen“ sowie der Edelhoff-Park. Hier kann man nicht nur Kraft tanken, zur Ruhe kommen, spazieren gehen und die wunderschöne Natur genießen, sondern auch eine bergische Kult-Sportart spielen: das Pöhlsches Schieten. Dabei handelt es sich um eine traditionelle bergische Sportart, die wohl Ende des 19. Jahrhunderts von hiesigen Feilenhauern entwickelt wurde. Vor etwas mehr als 30 Jahren wurde das Spiel wiederentdeckt. Dabei versuchen die Teilnehmer, mit Metallscheiben einen Pfahl zu treffen.

Wer mitspielen will, hat in den nächsten Wochen Gelegenheit dazu, organisiert vom Alt-Remscheider Bezirksbürgermeister Otto Mähler: Kommende Woche Mittwoch, 20. Juli, 14.30 Uhr, Carl-Wiesemann-Platz, ehe am 3. August der Pokal des Oberbürgermeisters ausgespielt wird. „Einfach vorbeikommen und mitmachen, Gäste sind immer herzlich willkommen“, sagt Mähler. Eine Führung durch den Stadtpark samt Pöhlsches’Schieten bietet Gästeführer Daniel Sieper übrigens wieder am 4. September an.

Die Werkzeugtrasse verbindet den Hauptbahnhof mit Hasten.

Der Hasten hat zudem eine eigene Trasse: die Werkzeugtrasse, die den Hasten mit dem Remscheider Hauptbahnhof verbindet. Die alte Bahntrasse wurde im Zeuge der Regionale 2006 zum drei Meter breiten Rad- und Wanderweg sowie zur „Trasse des Werkzeugs“ umgestaltet. Zahlreiche metallverarbeitende Betriebe befanden sich einst entlang der Trasse. Weitere Unternehmen, die noch heute an der Strecke liegen, spiegeln das aktuelle wirtschaftliche Profil der Stadt Remscheid wider.

Tipp: Einfach mal mit dem Rad drüberfahren, es gibt hier viel zu sehen. Knackpunkt ist jedoch der Zugang zur Trasse: Dass dieser an der Hastener Straße 45 versteckt liegt und nicht herausgeputzt wird, bleibt den Bezirkspolitikern ein Dorn im Auge.

Zudem laden vor allem die Wege in der Gerstau und in Morsbach zum Wandern in der Natur ein. Das Ortsbild wird noch immer von zahlreichen, zumeist verschieferten Fachwerkhäusern geprägt – vor allem auf Büchel. Daneben gibt es etliche Fabrikantenvillen. Ein Spaziergang lohnt sich.
Gelpetal: Wanderweg bleibt weiter gesperrt

Gastronomie: Diese konzentriert sich vor allem rund um das Zentrum, entlang der Hastener Straße. Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Deutschen Werkzeugmuseums, schwört auf Il Camino - Pizza wie Pasta seien hier gleichermaßen gut. Il Camino sorgt übrigens auch bei Veranstaltungen des Museums für die kulinarischen italienischen Genüsse. Nur ein paar Meter weiter oben befindet sich Sicilia in Bocca. Hier gibt es zum Beispiel auch Arancini, also gefüllte Reisbällchen, das selbst gebackene Fladenbrot Pani Cunzatu oder das typische sizilianische Gebäck Cannoli: frittierte Teigrollen gefüllt mit Ricotta-Creme.

Wer gern Schnitzel, Steak, Pommes oder Balkanspezialitäten isst, der ist im Hastener Stübchen von Dragana Blagojevic richtig aufgehoben. Palatschinken, Cevapcici und Djuvecreis machen Lust auf Urlaub. Das Ladenlokal wurde zuletzt renoviert. Übrigens: Hier gibt es auch zwei Kegelbahnen und einen Außenbereich. Hochzeitspaare feiern hier gern. Auf der Büchelstraße befindet sich die Hastener Pizzeria, dort gibt es ebenfalls Pizza und Pasta - allerdings eien riesige Auswahl an verschiedenen Sorten.

Die Serie

.

Mit diesem Serienteil geht die Stadtteilserie über den Hasten heute zu Ende. Am Montag geht es dann mit Remscheids kleinstem Stadtteil, dem Südbezirk, weiter. Bis Samstag dreht sich dann hier alles um Bauen, Wohnen, Einkaufen, Kultur und Freizeit. Alle Teile der Stadtteilserie gibt es hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?

Kommentare