Stadt plant Ausbau des Schulgebäudes

Die ersten Studenten in Remscheid feiern ihren Abschluss

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Ausbau angedacht: Gebäudemanager Thomas Judt auf dem riesigen Spitzboden der Schule Honsberg, wo die RFH unterrichtet.
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Produktionstechniker am RFH-Standort Honsberg erlangen ihren Bachelor.

Remscheid. Im Sommer schließt der erste Jahrgang, der in Remscheid Produktionstechnik studiert, mit einem Bachelor ab. Ein gutes Dutzend wird einen historischen Abschluss feiern. Stadtverwaltung und vor allem die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH) sind gewillt, einen gebührenden Rahmen zu finden, wenn die ersten Absolventen in der jungen Hochschulstadt Remscheid nach vier Jahren bleibende Fußabdrücke hinterlassen.

Begonnen hatten die Studenten im Wintersemester 2018 in den Räumlichkeiten des BZI der Remscheider Metall- und Elektroindustrie, um ein Jahr später zum Honsberg zu wechseln, in das Gemäuer der altehrwürdigen Grundschule. Erleben konnten sie ihren Studienstandort in der Martinstraße nur bei Gastspielen. Denn kurz nach dem Umzug kamen Corona und die digitalen Vorlesungen. „Nur die ein oder andere Veranstaltung fand in Präsenz statt“, erklärt Professor Dr. Alexander Pollack, RFH-Studiengangleiter Remscheid.

Gleichwohl waren die rund 40 Studenten, die hier berufsbegleitend in Betriebswirtschaftslehre und Produktionstechnik unterwegs sind, nicht gram, dass sie die meisten Lerninhalte per Bildschirm aufnehmen konnten. Selbst wenn die meisten von ihnen aus dem Bergischen kommen, bedeutet die gesparte An- und Abfahrt für die Berufstätigen eine deutliche Zeitersparnis. „Viele sind durch den Online-Unterricht flexibler in ihren Arbeitszeitmodellen geworden“, beobachtet Pollack.

Studierende und Dozenten an der RFH müssen während der Pandemie kreativ denken

Digitalität wird an der Hochschule auch nach der Pandemie eine wichtige Rolle spielen

Mancher kann sich in seinem Büro ausklinken, um am Bildschirm seine universitäre Bildung voranzutreiben. Perspektivisch heißt dies: Wenn Covid-19 überstanden ist, wird die digitale Stoffvermittlung an der RFH an Gewicht gewinnen. „Letztenendes ist dies praktisch für den Austausch unter unseren Studenten. Wer zum Beispiel nicht weiterkommt mit seiner Bachelorarbeit, konferiert eben mit einem Kommilitonen. Per Zoom abklären, nimmt weniger Zeit in Anspruch als sich ins Auto zu setzen“, stellt Pollack fest. Dies gilt auch für das Gespräch mit den Dozenten, insgesamt 20 sind es für beide Studiengänge.

Ohnehin sind ein Trumpf des RFH-Gedankens in Remscheid die kleinen Gruppen und dass die Lehrenden stets persönlich ansprechbar sind. Derzeit sind alle berufs- oder ausbildungsbegleitend am Standort Remscheid eingeschrieben. 396 Euro kostet die monatliche Gebühr, die in den meisten Fällen von den Arbeitgebern übernommen wird.

Studierende an der RFH.

Corona hat den geplanten Ausbau des Studienstandorts nicht begünstigt. Der dritte Studiengang Wirtschaftsinformatik wurde zurückgestellt. Auch ist die überschaubare Zahl von 40 Studenten steigerungsfähig. Dabei sieht Pollack keinen Druck, auf eine bestimmte Studentenquote zu kommen. Der Standort selber kostet die RFH nicht viel. Die Stadt, die den Wirtschaftsstandort durch eine Hochschule attraktiver machen will und dem Fachkräftemangel mit dualen Studienangeboten begegnen möchte, beschränkt die Miete auf einen symbolischen Betrag, nur die Gebäudebewirtschaftung mit Energiekosten obliegt der RFH.

Die nutzt den Pavillon sowie das Erdgeschoss im Hauptgebäude und kommt mit dem Raumangebot momentan bestens aus. Die oberen Stockwerke bleiben gesperrt, sie müssen renoviert, vor allem brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Dies wird geschehen, kündigen Kämmerer Sven Wiertz und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz an.

Es entspricht der städtischen Politik, nach vielen Jahren des Stillstandes mehr in die Substanz eigener Immobilien zu stecken. Gerade in der Grundschule Honsberg lohnt sich dies. „Das Gebäude ist zu wertvoll, um halb leer zu stehen.“ Mast-Weisz empfindet es als ein prägendes architektonisches Element für den Stadtteil. Ein Schatz im Haus wird rausgeputzt, kündigt der OB nach einer Ortsbesichtigung kürzlich an: „Das begehbare Spitzdach ist noch nicht ausgebaut. Es ist fantastisch.“ Komplett hergerichtet, könnte das Gebäude zur Bildungsstätte mit multifunktionaler Nutzung werden.

Hintergrund

Von ihrer Vision einer „Open Access University“, die den direkten Austausch mit der Gesellschaft ermöglicht und integrativer Bestandteil des Viertels sein soll, ist die RFH noch weit entfernt, wird aber langfristig von dem aufstrebenden Arbeiterviertel Honsberg profitieren, das – gefördert unter anderem mit Millioneninvest von der Montag Stiftung, Gewag und der Stadt – noch einmal einen Schub mit dem „Honswerk“ und dem Projekt Wohnen, Arbeiten, Lernen und Freizeit in der benachbarten Siemens- und Halskestraße erhalten wird.

Standpunkt: Spannende Perspektiven

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Remscheid wird nicht Münster, Heidelberg oder Bamberg werden. Uni-Städte mit Wohn- und Verweilqualität sehen anders aus. Es wäre vermessen zu glauben, dass der Honsberg mit fortschreitender Quartierentwicklung zu einem hippen Viertel wird mit Studenten, die nebenan in der Fachhochschule ihre Abschlüsse anstreben. Wer an der RFH seinen Bachelor macht, ist berufsbegleitend unterwegs, verwurzelt in einem bergischen Unternehmen, das sich die Weiterqualifizierung seines Mitarbeiters etwas kosten lässt. Mit 40 Studenten ist der RFH-Standort noch kein Erfolgsmodell, jedoch ein Mosaikstein, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten und Studienwilligen ein „akademisches Abenteuer“ vor Ort zu ermöglichen. Das prächtige Gebäude der alten Schule Honsberg bietet nicht nur Platz für mehr Studenten. Ausgebaut und saniert, könnte die Immobilie an der Ecke Martin-/Siemensstraße eine spannende Bildungsstätte mit vielfältiger Nutzung werden. Eins ist dafür unabdingbar: Die Stadt muss Geld in die Hand nehmen und die Schule in der Vielzahl der Gebäudemaßnahmen weit oben in der Prioritätenliste ansiedeln.

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