Mein Blick auf die Woche

Kommentar: Die Energiewende darf nicht auch noch scheitern

axel.richter@rga.de
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Auf die S 7 ist kein Verlass, auf die Busse ebenfalls nicht. Spricht da einer noch von Verkehrswende?, fragt RGA-Lokalchef Axel Richter. Und was ist, wenn uns die Energiewende ebenfalls misslingt? Dann freut sich Putin.

Busfahrer können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Für Lokführer gilt das nicht minder. Es muss also keiner für Vias Rail arbeiten. Mit Krankheitsausfällen und Urlaubsansprüchen, die noch aus der Zeit von Abellio stammen, sorgt das dafür, dass die Züge der
S 7 nur noch gelegentlich von Remscheid nach Wuppertal und Solingen fahren.

Wer nicht auf den Gleisen stehengelassen werden möchte, weil auch auf den Notfahrplan nur selten Verlass ist, steigt deshalb um aufs Auto. Übrigens auch überzeugte Bahnfahrer, die seit Jahren mit der S 7 unterwegs und deshalb einiges Leid gewohnt sind.

Mal ehrlich: Spricht da einer noch von Verkehrswende? Doch wenn wir nicht aufpassen, ergeht es uns mit der Energiewende nicht anders. Mit verheerenden Folgen.

Remscheid wird zur Solarstadt, hatte die Rathaus-Ampel nach der siegreichen Kommunalwahl 2020 angekündigt. Die Idee war und ist gut: Jeder Bürger und jede Bürgerin zahlt in einen Fonds ein, aus dem Photovoltaik-Anlagen für die Dächer städtischer Gebäude finanziert werden. Bei der Idee ist es geblieben.

Die Stadtwerke-Tochter Energie und Wasser für Remscheid rückte derweil zu acht potenziellen Freiflächen für Photovoltaik aus. Davon blieben zwei übrig. Alle anderen scheiterten aus Umwelt- oder Wirtschaftlichkeitsgründen. Immerhin machen SPD, FDP und Grüne jetzt Druck für Photovoltaik auf dem Hang der Deponie an der Solinger Straße. Daraus könnte also etwas werden. Wenn sich nicht doch noch Bedenkenträger finden. Oder eine Bürgerinitiative.

Die Unternehmen im Bergischen Land waren und sind schneller als Politik und Verwaltung, wenn es um Energieeinsparung geht. Schließlich liegen geringe Produktionskosten nicht erst seit dem Ukraine-Krieg in ihrem ureigenen Interesse. Das Problem ist: Aus statischen Gründen wäre eine Photovoltaik-Anlage nur auf wenigen Firmendächern genehmigungsfähig.

Das lässt sich vor dem Hintergrund von Katastrophen wie der von Bad Reichenhall 2006 nachvollziehen. Dort war eine Eishalle unter großer Schneelast zusammengestürzt. 15 Menschen starben. Nicht nachvollziehen lässt es sich, wenn Unternehmen aufgrund von bürokratischen Hemmnissen davon abgehalten werden, einen Teil des Stroms selbst zu produzieren, den sie verbrauchen.

Das gibt´s nicht? Gibt´s doch, denn ab einer bestimmten Größe und Spitzenleistung gelten unter anderem komplizierte Ausschreibungs- und sonstige Verfahren, die die Unternehmer frustriert abwinken lassen.

Putins Krieg hat die Preise für Energie explodieren lassen. Die Remscheider Werkzeugindustrie leidet darunter wie kaum eine andere Wirtschaftsbranche und droht, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. In einer solchen Situation, in der Unternehmen und Arbeitsplätze und damit Wohlstand und Gesundheit auf dem Spiel stehen, muss etwas möglich gemacht werden. Und nicht verzögert und verhindert. Das gilt für Friedenszeiten. Das gilt für Kriegszeiten aber noch viel mehr. Die Energiewende muss gelingen. Heute mehr als jemals zuvor.

Als hätte Opa Heiligabend den Weihnachtsbaum verbrannt: Tannenhof rodet Obstwiese vor Obstwiesenfest.

Alle drei Städte machen die Heimat wieder schön: Die Bergischen räumen mit dem Abfall auf.

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