Lennep

Kein verkaufsoffener Sonntag: Die Einzelhändler sind tief enttäuscht

Auch Nicole Hof und Heidi Kewerhoff vom Geschäft „Die Schatzkiste“ hatten schon alles vorbereitet.
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Auch Nicole Hof und Heidi Kewerhoff vom Geschäft „Die Schatzkiste“ hatten schon alles vorbereitet.
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Am 4. September dürfen die Händler in Lennep nicht öffnen. Die Nachricht bekamen sie keine 70 Stunden vorher. Kritik an Verdi und der Verwaltung ist groß.

Von Frank Michalczak und Sven Schlickowey

Remscheid. Am Donnerstag um kurz vor 16 Uhr am Nachmittag kam die Meldung: Der verkaufsoffene Sonntag in Lennep, der keine 70 Stunden später hätte beginnen sollen, findet nicht statt. Einmal mehr hat die Gewerkschaft Verdi mit einer Klage Erfolg. Diesmal wegen eines Verfahrensfehlers, wie Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke einräumte. Der Stadtrat hätte grünes Licht geben müssen. Der Eilbeschluss im Haupt- und Finanzausschuss reichte nicht aus.

Ein harter Schlag für den mehrheitlich inhabergeführten Einzelhandel in der ehemaligen Kreisstadt. „Ein weiterer Sargnagel“ und „einen Alptraum“ nennt zum Beispiel Karin Scheidemann die Absage. Beinah auf den Tag genau seit 25 Jahren befindet sich ihr Geschäft „Kunterbunt“ in der Altstadt, auf den verkaufsoffenen Sonntag habe sie sich sehr gefreut: „Das ist für uns immer ein Fest.“ Die Vorbereitungen dafür seien bereits abgeschlossen gewesen. „Natürlich sind wir jetzt tierisch enttäuscht.“

Auch weil so ein verkaufsoffener Sonntag das nach Corona dringend benötigte Geld in die Kassen gespült hätte. „Ein halber Wochenumsatz wäre das auf jeden Fall gewesen“, sagt Karin Scheidemann. Fast noch wichtiger sei aber der Marketingeffekt: „An so einem Tag entdecken uns viele Menschen, die uns vorher noch nie gesehen haben. Das ist für uns die beste Werbung.“

Auch das Team der Schatzkiste wenige Meter weiter hätte sich gefreut, den Laden neuen Besuchern zeigen zu können, vor allem die vergrößerte Abteilung für nachhaltige Mode. „Wir haben die ganze Woche umgeräumt“, berichtet Peter Kewerhoff, der Ehemann einer der beiden Inhaberinnen. Ihn ärgere die „Abgebrühtheit“, mit der Verdi solche Veranstaltungen kurz vor Beginn unterbindet: „Das schadet vor allem den kleinen Geschäften.“

Ralf engel bewertet Absage des verkaufsoffenen Sonntags als „behördliches Versagen“

Deutliche Worte findet auch Ralf Engel. Der Geschäftsführer des Handelsverbands NRW, Geschäftsstelle Wuppertal, sieht den verkaufsoffenen Sonntag in Lennep von „Klassenkampf und behördlichem Versagen“ torpediert. Dass die Gewerkschaft jede Gelegenheit nutze, selbst nach Corona ein besonderes Einkaufserlebnis zunichtezumachen, sei hinlänglich bekannt. Das Fehlverhalten der Stadt dokumentiere darüber hinaus eine „bemerkenswerte Respektlosigkeit“ gegenüber den Lenneper Bürgern, der Geschäftswelt sowie den Mitarbeitenden. „Wir haben Gesprächsbedarf“, erklärt Engel mit Blick auf die Stadtverwaltung.

Reden würde auch Bärbel Beck gerne – mit der Gewerkschaft: „Mir ist kein Verdi-Vertreter bekannt, der das Gespräch mit Händlern vor Ort gesucht hätte“, sagt die Inhaberin vom Modehaus Johann. Und betont: „Ich stehe dafür zur Verfügung.“ Sie habe sich auf den Sonntag gefreut, betont Beck: „Es ist Altstadtfest, das Wetter spielt mit, es wäre nach langer Zeit endlich wieder alles perfekt gewesen.“

Verdi ist klar gegen verkaufsoffene Sonntage

Verdi macht hingegen noch einmal deutlich, dass die Gewerkschaft verkaufsoffene Sonntage grundsätzlich ablehnt. Dies sei der Wille der Mitglieder, betont Stephanie Peifer, Geschäftsführerin des Bezirks Düssel-Rhein-Wupper. Auch den fehlenden Umsatz für die Geschäfte lässt sie als Argument nicht gelten, dieser werde nur auf Kosten der Nachbargemeinden gemacht: „Wegen eines verkaufsoffenen Sonntags hat niemand einen Euro mehr in der Tasche. Die Umsätze sollen nur umverteilt werden.“

Vor allem aber gehe es darum, Sonntagsarbeit zu verhindern, sagt Peifer: „Wir tun alles dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen am Sonntag nicht arbeiten müssen.“ Schließlich sei der Sonntag für die Mitarbeiter im Einzelhandel der einzig freie Tag der Woche.

Modehändlerin Beck ist sich sicher, dass ihre Mitarbeiter nichts gehen den verkaufsoffenen Sonntag gehabt hätten: „Die haben sich gefreut, unsere Kunden nach der Corona-Zeit wiederzusehen.“ Auch in der Schatzkiste gebe es keinen, der die Sonntagsarbeit abgelehnt hätte, sagt Peter Kewerhoff. Es war nämlich gar nicht geplant, jemanden einzusetzen. Die Inhaberinnen wollten den Tag mit der Hilfe ihrer Männer bestreiten.

Altstadtfest Lennep

Das Lenneper Altstadtfest selber ist natürlich von der Verdi-Klage nicht betroffen. An diesem Samstag und Sonntag gibt es ab 11 Uhr Trödel in der Berliner-, Wetterauer- und Schwelmer Straße, das Bühnenprogramm startet am heutigen Samstag um 14.30 Uhr. Am Sonntag lädt die ev. Kirchengemeinde um 10 Uhr zum Gottesdienst, ab 11.30 Uhr präsentieren sich die Vereine. Um 17 Uhr beginnt die Versteigerung zugunsten der Kirchturmbeleuchtung.

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