Jubiläum

Die Burger Seilbahn ist seit 70 Jahren in Betrieb

Stefan Irlenbusch, hier mit Hund Bruno an der Bergstation, schwelgte in Erinnerungen an die Geschichte der Seilbahn.
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Stefan Irlenbusch, hier mit Hund Bruno an der Bergstation, schwelgte in Erinnerungen an die Geschichte der Seilbahn.

Betreiber Stefan Irlenbusch wirft einen Blick zurück in die Geschichte der Seilbahn.

Von Kristin Dowe

Von der Bergstation von Schloss Burg aus sieht Stefan Irlenbusch versonnen den Gondeln nach, die auch heute wieder in gemächlichem Tempo den Hang auf- und abgleiten. „Wir sind ein Betrieb, der immer in Bewegung ist“, sagt Irlenbusch, dessen Eltern die Seilbahn 1986 von der Remscheider Industriellenfamilie Backhaus übernahmen. Hans Irlenbusch, Burgs letzter Stadtdirektor, hatte sich zur Aufgabe gemacht, den in den 80er Jahren ins Stocken geratenen Tourismus in Burg wieder in Schwung zu bringen.

In diesem Jahr hätte Familie Irlenbusch eigentlich einen runden Geburtstag zu feiern gehabt: Die Seilbahn ist nunmehr seit 70 Jahren in Betrieb. Am 31. Mai 1952 wurde sie öffentlichkeitswirksam als erste Personenseilbahn in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Gegen große Feierlichkeiten haben Stefan Irlenbusch und seine Familie sich dennoch entschieden. Priorität habe gehabt, nach der langen Durststrecke durch die Corona-Pandemie den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Ohne die staatlichen Programme wären wir jetzt nicht mehr da“, ist er überzeugt.

Auch das Hochwasser im Juli 2021 hatte dem Betrieb schwer zugesetzt – so war in der Talstation das Kassenhäuschen überflutet und die dortige Stützmauer unterspült worden, der Zaun auf der Wupperinsel war zudem umgestürzt. Deshalb war die Seilbahn einige Zeit gesperrt. „Die Stütze wird noch in diesem Monat gestrichen“, kündigt Irlenbusch an. Großer Andrang herrsche vor allem an Sonn- und Feiertagen. „Wir hoffen, dass wir uns in den Ferien in etwa wieder auf dem Niveau vor Corona einpendeln werden.“

Seilbahn in Burg: Besitzer hat viele Anekdoten aus 36 Jahren

Zwar war er damals noch ein Kind, doch erinnert der Burger sich noch gut daran, dass seine Eltern bei der Übernahme 1986 viel Zeit und Geld investierten, um die Seilbahn wieder zu einem gefragten Ausflugsziel zu machen. So wurden Kabel verlegt, die charakteristischen Holzverkleidungen an Berg- und Talstation verbaut und die Schriftzüge an den Stationen installiert. „Bevor die Seilbahn 1952 in Betrieb ging, war auch das Genehmigungsverfahren sehr aufwendig“, weiß Irlenbusch. „Immerhin haben wir zwei Hausnummern, das gesamte Seilbahngelände erstreckt sich über die Wupper, einen Parkplatz, eine Straße und einen Wanderweg.“

Die Bergstation, wo sich früher ein Pfarrgarten befand, musste unterirdisch gebaut werden, damit die Fassade des Schlosses nicht verstellt wird. Bis heute befindet sich dort eine über 300 Jahre alte Linde, die es beim Bau der Seilbahn zu schützen galt. Für die Pflege des Baumes als Naturdenkmal ist die Stadt Solingen verantwortlich.

Mit den Anekdoten aus 36 Jahren, die seine Familie nun die Geschicke des Seilbahnbetriebs lenkt, könnte Stefan Irlenbusch Bücher füllen. Immer wieder komme es hoch über dem Wupperhang auch zu Heiratsanträgen, erzählt er schmunzelnd. „Dann wird zum Beispiel von der Bergstation aus ein Transparent heruntergelassen und die ganze Station liegt voll mit Rosenblättern. Nein sagen wird für die Braut dort oben wohl schwierig!“

Seilbahn in Burg: Auch Daniela Katzenberger und Harald Krassnitzer fuhren mit

Auch viele Stars und Sternchen haben schon in Burg eine Fahrt gewagt – unter anderem Comedian Ralf Schmitz, Schauspieler Harald Krassnitzer, CDU-Politiker Jürgen Rüttgers oder auch Reality-Show-Darstellerin Daniela Katzenberger. Im August 2013 sei es einmal zu einem Stromausfall gekommen, erinnert sich der Solinger. „Eine Überlandleitung war beschädigt. Da wir aber über ein betriebseigenes Notstromaggregat verfügen, konnten wir die Seilbahn relativ problemlos vorsichtig leerfahren.“ Sicherheitsprobleme habe es in der Geschichte seiner Familie bislang keine gegeben, ein Unfall blieb seit der Übernahme 1986 aus.

Überhaupt wird für die maximale Sicherheit der Fahrgäste viel Aufwand betrieben. Einmal im Jahr muss das Team einem Sachverständigen das Szenario einer Evakuierung vorführen sowie alle zwei Jahre das Seil magnetinduktiv überprüfen lassen. Zudem wird die Seilbahn regelmäßig gewartet. Gab es früher nur eine Gegensprechanlage, haben die Mitarbeiter das Geschehen auf der Seilbahn heute per Videoüberwachung bestens im Blick. Bauliche Ersatzteile seien auf dem Markt manchmal schwer verfügbar und fielen schon in die Kategorie Spezialbedarf, so Irlenbusch. „Wir sind eine der kürzesten und zugleich steilsten Seilbahnen Deutschlands mit einer unterirdischen Bergstation – und damit ein Unikat.“

Buch

Ein ganzes Kapitel hat die Historikerin Dr. Beate Battenfeld der Seilbahn Burg in ihrem Buch „Beiträge zur Geschichte der Stadt Solingen“, herausgegeben vom Bergischen Geschichtsverein, gewidmet. Interessierte können sich an den Bergischen Geschichtsverein (Tel. 3 82 89 66) oder das Stadtarchiv (Tel. 290 36 31) wenden. E-Mail: bgv@bgv-solingen.de

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