Meine erste Platte

Von Deutschrock bis zu Latin und Jazz

Mit dem Erwachsenwerden änderte sich der Musikgeschmack von Anja Monheimius. „Ich habe viel Deutschrock und Progressive Rock gehört“, sagt die 54-Jährige. Dazu gehörte auch Musik von Nina Hagen. Foto: Uwe Rapp
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Mit dem Erwachsenwerden änderte sich der Musikgeschmack von Anja Monheimius. „Ich habe viel Deutschrock und Progressive Rock gehört“, sagt die 54-Jährige. Dazu gehörte auch Musik von Nina Hagen.

Die Musiksammlung von Anja Monheimius ist vielfältig – Ihre erste Platte war aber ein Märchen.

Von Uwe Rapp

Remscheid. Heute besuche ich Anja Monheimius (54), die mit ihrem Mann Volkmar in einem über 200 Jahre alten, schnuckeligen Bergischen Fachwerkhaus in einer Hofschaft wohnt. „Achte bitte auf deinen Kopf, die eine oder andere Türzarge ist ein bisschen niedrig“, warnt mich die Remscheiderin beim Betreten. Im kleinen Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee erzählt mir Anja, dass ihre erste Schallplatte eine Märchenplatte von „Die Hexe Schrumpeldei“ gewesen ist. „Die habe ich mir damals so oft angehört, bis ich sie auswendig konnte. Später habe ich sie dann meinen Kindern vorgespielt. Ich habe sie auch noch. In irgendeiner Kiste auf dem Speicher“, berichtet die Krankenpflegerin.

„Musikalisch habe ich mich immer weiter inspirieren lassen.“
Anja Monheimius

„Meine erste richtige Platte war eine Single von Dave Dundas, ,Jeans On‘. Meine zweite Single war von Kate Bush ,Wuthering Heights‘ . Die habe ich im Fernsehen bei Bio‘s Bahnhof gesehen und war hin und weg“, erzählt Anja. Mit dem Kassettenrekorder nahm Anja aus dem Radio natürlich auch Musik auf, zum Beispiel die „Mal Sondocks Hitparade im WDR“. „Man konnte sich nicht alles kaufen, so viel Taschengeld war nicht vorhanden. Also blieb nichts anderes übrig, als die Songs aus dem Radio aufzunehmen. Mittlerweile habe ich mir dann auch schon die ersten rockigen Singles gekauft. The Sweet, Slade, Alice Cooper, UFO – meistens bei Radio Weller oder im Kaufhof“. Mit dem Konfirmationsgeld kaufte sich Anja ihre erste eigene Kompaktanlage und ihre erste LP: „Out Of The Blue“ von Electric Light Orchestra. „Legendär waren unsere Schulfeten, wo auch mal etwas ruhigere Musik gespielt wurde und mit den Jungs Blues getanzt wurde. Ich erinnere mich an Songs von John Lennon wie ,Imagine‘, Barry Manilows ,Mandy‘ oder Terry Jacks ,Christina‘. Es konnte eng werden“, sagt Anja und schmunzelt.

Mit 16, zur Zeit der Ostermärsche, Protestsongs und des Erwachsenwerdens, änderte sich auch der Musikgeschmack von Anja. Besuche in den örtlichen Rockdiscos „Big Pub“ und „Getaway“ gehörten dazu. „Ich habe viel Deutschrock und Progressive Rock gehört. ,Illegal‘ und ,Rockpommels Land‘ von Grobschnitt, Genesis’ ,Second Out‘, Nina Hagen, Led Zeppelin, David Bowie, Prince, und so weiter und mit meinen Freundinnen haben wir immer die Texte übersetzt. Wenn keine Texte auf dem Innencover standen, haben wir ein kurzes Stück gehört, dann die Nadel von der Platte genommen, den Text aufgeschrieben und wieder weitergehört“. So war das damals, lächelt Anja.

Natürlich durften auch Livekonzerte nicht fehlen. Wobei Anja zwei in guter Erinnerung geblieben sind. 1989 10 Jahre BAP mit Udo Lindenberg und Pink Floyd 1990 in Berlin. „Eines meiner letzten Konzerte war Green & Symphonic Floyd in der Dortmunder Westfalenhalle. Das war großartig“, sagt Anja. „Musikalisch habe ich mich immer weiter inspirieren lassen. Ich bin in jungen Jahren sehr viel gereist. Ich war in Asien unterwegs, in Indien, in Südamerika, und durch meinen Mann, der einen spanischen Vater hat, bleibt das nicht aus.

Seit 30 Jahren lerne ich orientalischen Tanz, bei der ich ägyptische und libanesische Musik bevorzuge. Die ist sehr dynamisch mit vielen Tempowechsel. Dann höre ich Flamenco und Latin sowie sehr gerne traditionelle indische Musik. Da kann ich die Sampler ,Putomayo World Music‘ sehr empfehlen. Gerne höre ich in den letzten Jahren Soul, Funk und Jazz – zum Beispiel Julian und Roman Wasserfuhr oder aber 70er-Disco“, erzählt Anja.

Von musikalischem Stillstand ist bei der Familie Monheimius nichts zu spüren. Offen ist sie für alle Musikstile. Am Ende gibt mir Anja noch ein paar Tipps mit auf den Weg: Maxime „Grüne Papageien“, Almultahiat „Shibren“ und Sela Sue „Crazy Vibes“.

Gastautor

Uwe Rapp

Wer in Remscheid seine erste Schallplatte erstanden hat, der hat das mit großer Wahrscheinlichkeit bei Uwe Rapp getan. Der 65-Jährige verkaufte einst Musik im legendären Plattenladen Zack Zack. Heute legt er als Kult-DJ auf Partys und dienstags um 20 Uhr auf mvradio.de auf. Für unsere RGA-Serie „Meine erste Platte“ haben wir Uwe Rapp als Gastautor gewonnen. Er unterhält sich mit Remscheidern über ihre erste Platte.

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