Pandemie

Deshalb ist Pirna ein Corona-Hotspot

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Die Partnerstadt kämpft verzweifelt gegen die Pandemie: Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt bei 557,4.

Von Axel Richter

Remscheid/ Pirna. Als die Lenneperin Thea Jüttner zur Feier von 30 Jahren deutscher Einheit in die sächsische Kreisstadt Pirna reiste, stand Remscheid mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 bundesweit in den Schlagzeilen. Die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins hatte sich deshalb vorsorglich einem Coronatest unterzogen und das negative Ergebnis den Pirnaern übermittelt. Die Sachsen zeigten sich davon wenig beeindruckt. Mit Covid-19 hatten sie bis dahin wenig zu tun. Das hat sich allerdings geändert.

282 Todesfälle wies das Robert-Koch-Institut gestern für den mit 246 000 Einwohnern dünn besiedelten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aus. Und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 557,4. Besonders betroffen sind die 48 Alten- und Pflegeheime. In mindestens 31 grassiert das Virus. Die Krankenhäuser arbeiten längst am Rande ihrer Aufnahmekapazitäten. Wie auch in den benachbarten Kreisen.

Warum ist ausgerechnet Sachsen zum Hotspot der Pandemie geworden? Stadtsprecher Thomas Gockel, den der RGA in Vertretung des parteilosen Oberbürgermeisters Klaus-Peter Hanke erreichte, sieht eine Mischung verschiedener Faktoren. Da ist die Nähe zu Tschechien, das bereits seit dem Sommer stark von Sars-CoV-2 betroffen ist.

Die Menschen fahren rüber zum Einkaufen, Tanken, Zigarettenholen. „Das Virus hatte es leicht, sich zu verbreiten“, sagt Gockel. Und dann waren die Menschen unvorsichtig. „Wir sind vergleichsweise sanft durch die erste Welle gekommen. Dass das Virus gefährlich ist, musste erst einmal in den Köpfen ankommen.“

„Solche Parteien gibt es ja leider auch bei uns.“
Thea Jüttner Partnerschaftskomitee

Das scheint der Fall zu sein. Jedenfalls gehen nur noch weniger Pirnaer zu jenen Querdenker-Demos, die in geschichtsanmaßenderweise in Montagsdemonstrationen durch die Stadt zogen. Haben sie auch ihnen die hohen Zahlen zu verdanken? Oder ist es Zufall, dass dort, wo viele Menschen Parteien wie die AfD wählen, die Infektionszahlen besonders hoch sind?

Dem Pirnaer Thomas Gockel ist diese Erklärung zu einfach. Die Remscheiderin Thea Jüttner, selbst Mitglied der CDU, sieht allerdings einen Zusammenhang. Doch die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees gibt als letzte den Besser-Wessi. „Solche Parteien gibt es ja leider auch bei uns“, sagt die Lenneperin. „Ich hoffe jetzt nur, dass es den Coronaleugnern nicht gelingt, das Impfen in Misskredit zu bringen“, sagt Thea Jüttner. Denn nur damit gehe es am Ende, sei es in Remscheid oder in Pirna, für alle wieder bergauf.

Pirna

Die Stadt an der Elbe zählt annähernd 40 000 Einwohner und ist seit 1990 Partnerstadt von Remscheid. Die Partnerschaft wird von beiden Seiten gepflegt. Die Lenneperin Thea Jüttner lädt in jedem Jahr zu Busreisen in die Kreisstadt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ein.

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