Immobilienpreise steigen weiter

Der Traum vom Eigenheim in Remscheid wird immer teurer

Baugrund, hier das ehemalige Krankenhausgelände in Lennep im Jahr 2018, ist in Remscheid knapp. Auch das trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach Wohneigentum derzeit das Angebot übersteigt. Und die Preise weiter steigen. Archivfoto: Roland Keusch
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Baugrund, hier das ehemalige Krankenhausgelände in Lennep im Jahr 2018, ist in Remscheid knapp. Auch das trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach Wohneigentum derzeit das Angebot übersteigt. Und die Preise weiter steigen.

Trotz Pandemie sind die Immobilienpreise in Remscheid 2020 wieder gestiegen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Pandemie hin, Krise her – auch 2020 kannten die Immobilienpreise in Remscheid nur eine Richtung: aufwärts. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen im Schnitt um 14 Prozent zum Vorjahr, die für unbebauten Baugrund um 15, Doppelhaushälften und Reihenhäuser legten um sieben Prozent zu. Das zeigt der aktuelle Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte.

„Da werden zum Teil Preise aufgerufen, da wird einem schwindelig“, sagt Denis Semicic, Geschäftsführer des Ausschusses. In seinem Büro im Rathaus laufen Kopien aller Notarverträge zu Immobiliengeschäften in Remscheid zusammen. Daraus erstellt der Gutachterausschuss, dem Architekten, Makler, Vermessungsingenieure und andere Fachleute angehören, jedes Jahr eine Übersicht. Die Zahlen für 2020 basieren also auf tatsächlichen Verkäufen, genau 1166 Stück an der Zahl.

„Die bleiben jetzt lieber in Remscheid, da bekommt man noch etwas für sein Geld.“

Bianka Nau über Kapitalanleger

An einigen davon war Bianka Nau vom Immobiliencenter der Stadtsparkasse beteiligt. Auch sie bestätigt: „Die Preise sind überall ordentlich gestiegen.“ Habe es früher bestimmte Lagen oder besonders gefragte Objektarten gegeben, die sich gut entwickelten, seien seit ein paar Jahren Anstiege in allen Bereichen zu beobachten: „Wenn wir früher eine Zwei-Raum-Wohnung angeboten haben, hat sich keiner gemeldet.“ Inzwischen fänden sich auch dafür Interessenten.

„Es sind auch Geschäftsfelder entstanden, die es so vor einigen Jahren in Remscheid noch gar nicht gegeben hat“, sagt Nau. Die Eigentumswohnung als Kapitalanlage zum Beispiel sei vor einem Jahrzehnt noch eher ein Phänomen der Metropolen gewesen. Doch die seien für „normale“ Anleger längst zu teuer geworden, vermutet die Immobilienmaklerin: „Die bleiben jetzt lieber in Remscheid, da bekommt man noch etwas für sein Geld.“

So verstärkt sich in Remscheid eine Entwicklung, die seit Jahren bundesweit zu beobachten ist: Beim derzeitigen Minuszins gibt es auf der Bank kaum Rendite, während Kredite so günstig sind wie noch nie. So fließt viel Geld in den Immobilienmarkt – und mit der Nachfrage steigen die Preise. Die gestiegenen Baustoff-Preise dürften diese Entwicklung zusätzlich anheizen.

Deswegen erwartet der Gutachterausschuss auch für 2021 einen weiteren Anstieg. Eine Eigentumswohnung, die 2010 noch 100.000 Euro gekostet hat, hätte 2020 laut Statistik schon 141.000 gekostet, berichtet Denis Semicic. Für 2021 rechne man mit 165.000 Euro.

Dass die Entwicklung dazu führt, dass sich die Durchschnittsfamilie bald ihren Traum vom Eigenheim nicht mehr erfüllen kann, glaubt Maklerin Bianka Nau allerdings nicht. Dank der niedrigen Zinsen sei eine Finanzierung nach wie vor günstig. Und die Preise in Remscheid weiterhin moderat.

Ein Problem sei da eher das Angebot: „Das ist deutlich geringer als die Zahl der Interessenten.“ Die Sparkasse zum Beispiel bewerbe viele Objekte gar nicht öffentlich, sondern stelle sie erst vorgemerkten Kunden vor – und verkaufe sie meist so auch, sagt Nau: „Letztes Jahr habe ich doch mal eine Wohnung ins Netz gestellt und hatte vom einen auf den anderen Tag 69 Anfragen.“

Übrigens zunehmend auch aus anderen Städten. Laut Grundstücksmarktbericht kamen 2020 rund 40 Prozent aller Käufer Remscheider Immobilien nicht aus Remscheid. Sondern überwiegend aus Wuppertal, aber auch aus Düsseldorf und Köln. „Früher zog nur nach Remscheid, wer hier arbeitete“, sagt Bianka Nau. Inzwischen kämen immer mehr, um hier ihren Traum von der eigenen Immobilie zu verwirklichen. Und das nicht nur wegen der vergleichsweise günstigen Preise, wie die Maklerin betont: „Remscheid ist doch auch eine schöne Stadt.“

Hintergrund

1166 Käufe für zusammen rund 264 Millionen Euro erfasst der Remscheider Grundstücksmarktbericht für 2020. In mehr als ein Viertel aller Fälle (28,8 Prozent) handelte es sich dabei um sogenannten individuellen Wohnungsbau, wohinter sich vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser verbergen. Solche Objekte kämen meist aus persönlichen Gründen wie neuer Job, Familienzuwachs oder Scheidung auf den Markt, berichten Experten. Klassische Renditeobjekte würden hingegen kaum gehandelt.

Standpunkt: Aus der Traum

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@rga.de

Remscheid liegt im Trend. Die steigenden Preise für Wohneigentum in den Rheinmetropolen lassen auch die Immobilienpreise in Remscheid immer stärker steigen. Für die Stadt ist das ein schöner Mitnahmeeffekt, wenn da nicht das leidige Thema Bauland wäre. Auch in Remscheid sieht es in diesem Punkt seit Jahren nicht mehr gut aus. Die Zeiten, in denen neue Wohngebiete auf der grünen Wiese entstehen, sind vorbei. Und das ist gut so. Die Versiegelung von immer mehr Landschaft ist angesichts des Klimawandels längst zu einem No-Go geworden. Was bleibt, das sind zumindest die vorhandenen innerstädtischen Brachflächen. Sie können und müssen entwickelt werden. Doch das wird den Höhenflug der Immobilienpreise nicht stoppen. Im Gegenteil. Hier funktioniert das Gesetz von Angebot und Nachfrage perfekt. Die Knappheit bestimmt den Preis. Da sich daran auch künftig nichts ändern wird, steigen die Preise für Wohneigentum weiter. Trotz niedriger Zinsen ist das für immer mehr Kaufwillige eine bittere Pille, die für sie den Traum vom Eigenheim platzen lässt. Schade.

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