RGA vor Ort

Der Rosenhügel blüht auf: Gemeinsam für ein schönes Quartier

Marion Noisten leitet als hauptamtliche städtische Kraft das Stadtteilbüro, Stephanstraße 2. Hier berät sie die Quartiersbewohner. Foto: Doro Siewert
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Marion Noisten leitet als hauptamtliche städtische Kraft das Stadtteilbüro, Stephanstraße 2. Hier berät sie die Quartiersbewohner.

Viele Nationen leben hier friedlich zusammen. Der Bürgerverein setzt auf die direkte Ansprache.

Von Melissa Wienzek

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Remscheid. 4000 Einwohner von der Bismarckstraße bis zum Zentralpunkt und von der Burger Straße bis runter zum Papenberg zählt der Rosenhügel, das Quartier im Süden Remscheids, in dem zahlreiche Nationen und Generationen auf engem Raum zusammenleben. 40 Prozent sind türkischstämmig, zudem leben hier auch viele Italiener oder Osteuropäer. 2015 fanden zudem durch die Flüchtlingswelle auch weitere Nationen auf dem Rosenhügel ein neues Zuhause. Galt das Quartier in der Vergangenheit als schwieriges Viertel, blüht er in den letzten Jahren mehr und mehr auf.

Remscheid: Nachbarn wachsen enger zusammen

Der Dünger, der das Pflänzchen wachsen ließ, war das NRW-Programm „Soziale Stadt“. Durch öffentliche Mittel wurden Fassaden erneuert, ein Spielehaus für Kinder errichtet und gemeinsam mit den Bewohnern Projekte umgesetzt, um das Arbeiten, Leben und Wohnen im Stadtteil attraktiver zu gestalten. Die Fläche rund um das ehemalige Konsumgebäude wurde zum Beispiel zu einer vielgenutzten Freizeitfläche – den Konsumterrassen. Gerade die baulichen Veränderungen gaben dem Rosenhügel neuen Schub – und trugen so auch zur Imageverbesserung bei. Dadurch wuchsen auch die Nachbarn enger zusammen. „Heute hört man hier bei vielen: ,He, dich kenne ich doch aus dem Bus‘“, erzählt Marion Noisten (62). Sie leitet als hauptamtliche städtische Kraft mit einer halben Stelle das Stadtteilbüro an zentraler Stelle, der Stephanstraße 2, direkt neben der Bushaltestelle. unterstützt wird sie von Emine Uzun.

Marion Noisten erklärt, auf was es in einem Quartier wie dem Rosenhügel ankommt: „Wenn ich einen Menschen kenne, gehe ich ganz anders mit ihm um.“ Statt Vorurteilen oder anonymem Tür-an-Tür-Wohnen werden hier alle Bewohnerinnen und Bewohner direkt angesprochen – egal, woher sie stammen. Und zur Not findet sich jemand, der übersetzt. Berührungsängste gibt es hier nicht. „Mit den Senioren machen wir jeden ersten und dritten Dienstag im Monat Sport auf den Konsumterrassen. An einem Tag fing es an zu regnen, wir suchten dann Schutz im Parkhaus, in dem sich gerade Jugendliche tummelten.“ Was passierte? Die Senioren spielten gemeinsam mit den Jugendlichen Fußball und tanzten gemeinsam zu Hip-Hop aus dem mobilen Lautsprecher.

Ein wichtiger Baustein des Miteinanders ist auch der Bürgerverein. 2009 gegründet, hat er heute rund 100 Mitglieder. Vorsitzender ist der Ur-Rosenhügler Manfred Saure. Der Verein bringt zum einen eine Stadtteilzeitung in einer Auflage von 2500 Stück heraus und verteilt sie im Ort. „Sie ist ein wichtiger Baustein, um Kontakt zu den Anwohnern zu halten. Sie finanziert sich durch Anzeigen, erwirtschaftet sogar ein kleines Plus. Dadurch wird dann wiederum der Stadtteilkalender finanziert“, erklärt Noisten. Der Bürgerverein gestaltet zum anderen Veranstaltungen wie einen Adventsnachmittag, ein Sport- und Spielefest, ein Lichterfest.

„Einem Ratsuchenden zu sagen ,Wegen Corona hast du jetzt Pech gehabt‘, geht gar nicht.“

Marion Noisten

In Coronazeiten fiel vieles flach. Dennoch wollte der Verein Kontakt zu den Rosenhügelern halten. So spendierte er Kindergartenkindern nicht nur kostenlos Eiscreme („Das war schön, 70 Kinder, die sich nicht entscheiden konnten am Eiswagen“), sondern überraschte die Nachbarn zu Weihnachten und Ostern auch an der Haustür. Vor allem Mitmachwettbewerbe standen und stehen weiter im Mittelpunkt des Kontakthaltens: Unter dem Titel „Omi backt“ wurden Rezepte gesammelt, die in einem Büchlein veröffentlicht werden sollen. Zudem wurde das schönste Adventsfenster gesucht. Und was wäre der Rosenhügel ohne einen Blumenschmuckwettbewerb? Die schönsten Fotos wurden prämiert: Die Einsender erhielten – natürlich passend – Gutscheine vom Gartenmarkt Kremer.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist das Stadtteilbüro, Stephanstraße 2, das es seit Dezember 2004 gibt und das auch ein BBZ 50+ für Senioren ist. Seit 2012 ist der Bürgerverein der Mieter der barrierefreien Räume. Hier finden nicht nur Sprachkurse und das Bildungscafé statt, sondern auch Beratungen. „Es geht vor allem um das Thema Jobcenter, um Anträge und Formulare“, sagt Noisten. Viele hätten zudem Schulden, Senioren bräuchten Rat, gerade während Corona. 2019 beriet Noisten 366 Mal, 2020 waren es 651 Beratungen. Und jetzt sind es schon 450. Noisten ist wichtig, dass auch in Pandemiezeiten jemand da ist, natürlich unter gängigen Sicherheitsbedingungen. „Einem Ratsuchenden zu sagen ,Wegen Corona hast du jetzt Pech gehabt‘, geht gar nicht“, sagt sie. Auch die Schreibwerkstatt trifft sich hier, die engen Kontakt zum WTT pflegt.

Aber natürlich gibt es auch in diesem Viertel ein Problem: Müll. „Das ist ein leidliches Thema“, sagt Noisten. Sperrmüll wurde einfach neben dem Büro an den Altglascontainern abgestellt. Also hingen Marion Noisten und Emine Uzun Plakate auf und ließen Zettel mit den Nummern von Ordnungsamt und TBR verteilen. Mit Erfolg: Seitdem gibt es weniger Müll im Viertel.

Der Name

Warum heißt es eigentlich Rosenhügel? Marion Noisten klärt auf: „Eigentlich hat der Rosenhügel mit Rosen nichts zu tun. Im Ursprung hieß er ,Rossenhügel‘ von ,Ross‘, da hier die Pferdewagen durchfuhren.“ Mit der Zeit fiel das zweite ,s‘ unter den Tisch, und das Logo des Quartiers wurde die rote Rose, die auf allem prangt.

Alle Teile der RGA-Stadtteilserie finden Sie hier. 

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