Mein Blick auf die Woche

Der Kita-Streik trifft die Falschen zur falschen Zeit

rga Redaktion: Axel RichterFoto: Michael Sieber *** Local Caption ***
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Die Hauptleidtragenden der Pandemie waren und sind die Familien. Nach zwei Jahren mit Kita-Schließungen, Quarantänemaßnahmen und Betreuungskürzungen haben deshalb vor allem sie so etwas wie Solidarität verdient. Davon spricht jedoch niemand, meint RGA-Lokalchef Axel Richter.

Wieder war in dieser Woche viel von Solidarität die Rede. Eingefordert wird sie von der Gewerkschaft Verdi für die Erzieherinnen und Erziehern in den städtischen Kindergärten und -tagesstätten. Für die bundesweit 330 000 Beschäftigten in den kommunalen Sozial- und Erziehungsdiensten fordert Verdi mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Das ist nachvollziehbar. Dass viele Eltern nur noch genervt sind allerdings auch.

Zur Erinnerung: Gleich zu Beginn der Pandemie blieben die Einrichtungen über ganze neun Wochen geschlossen. Eltern, deren Beruf nicht als systemrelevant galt, mussten familieninterne Lösungen zur Betreuung des Nachwuchses finden, wobei die Großeltern nicht infrage kamen, weil die zur vulnerablen Gruppe zählten.

Viele Eltern versuchten deshalb, Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Für viele andere ging der Jahresurlaub drauf, was nichts daran änderte, dass sich die Kitas nach kurzer Wiederöffnung in die Sommerferien verabschiedeten. Allen Appellen des Jugendamtselternrates in Remscheid zum Trotz, die Schließungszeit mit Rücksicht auf die Belastungen der Eltern ein wenig zu verkürzen.

Auch in den folgenden Monaten brachen Betreuungszeiten weg. Immer wieder mussten Eltern infolge von Coronafällen in den Einrichtungen spontan improvisieren. Nun, da sich die Lage nach der Omikron-Welle einigermaßen zu stabilisieren beginnt, müssen sie das wieder tun, weil Verdi der Meinung ist, dass das Personal in den Kitas jetzt für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen streiken muss.

Noch einmal: Eltern mögen die Forderung nach mehr Anerkennung der Beschäftigten richtig finden. Denn natürlich haben die Erzieherinnen und Erzieher in den zurückliegenden Pandemiejahren eine gesellschaftlich wichtige Arbeit geleistet, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Gesundheit ihrer eigenen Familien haben sie Verantwortung für die Kleinsten übernommen, derweil die Ministerien nicht selten absurde Anweisungen beisteuerten.

Dennoch: Die Hauptleidtragenden der Pandemie waren und sind die Familien. Nach zwei Jahren mit Kita-Schließungen, Quarantänemaßnahmen und Betreuungskürzungen haben deshalb vor allem sie so etwas wie Solidarität verdient. Davon spricht jedoch niemand, auch Verdi nicht. Statt Solidarität wird den Familien deshalb das Gegenteil zuteil. Denn der Streik der Erzieherinnen und Erzieher trifft mit den Familien nicht nur die Falschen; er kommt auch zur falschen Zeit.

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