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Michael Holtgraefe: Der Hastener war früher nicht so locker

Michael Holtgraefe übernahm vor 25 Jahren die Lotto-Filiale an der Hastener Straße und hat seine Entscheidung nie bereut. In seinem Laden gibt es auch Tabakwaren und Presseerzeugnisse.
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Michael Holtgraefe übernahm vor 25 Jahren die Lotto-Filiale an der Hastener Straße und hat seine Entscheidung nie bereut. In seinem Laden gibt es auch Tabakwaren und Presseerzeugnisse.

Michael Holtgraefe hat seinen Umzug vom Ruhrgebiet nach Remscheid nicht bereut.

Von Peter Klohs

Remscheid. Weit und breit ist keine andere Lotto- und Toto-Annahmestelle zu sehen, die auch noch Tabakwaren und Presseerzeugnisse verkauft. Michael Holtgraefe weiß den Standort seines Geschäftes an der Hastener Straße zu schätzen. „Ich bin nicht umsonst seit 25 Jahren hier“, sagt er augenzwinkernd und wendet sich einer Kundin zu, die ein nicht sehr handlich aussehendes Paket in den Händen trägt. Eine Partnerfiliale der Deutschen Post betreut er auch noch an gleicher Adresse.

Alle Teile der Stadtteilserie

Holtgraefe ist kein bergischer Junge, er stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor 59 Jahren wurde er in Mülheim an der Ruhr geboren. Er arbeitete lange Jahre als Elektroanlageninstallateur bei Mannesmann. „Aber die ständigen Wechselschichten haben mich krank gemacht, was Magengeschwüre zur Folge hatte. Ich hörte mit diesem Job auf.“

Woher die Überlegung kam, dass das Lottogeschäft doch ein bodenständiges Gewerbe sei, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Auf jeden Fall bewarb sich Holtgraefe bei der Lotto-Gesellschaft in NRW. „Die sagten mir dann, dass in Mülheim keine Filiale zu übernehmen war. Aber in Remscheid, da kannst du arbeiten. Ich habe mir den Laden angesehen und fand den Standort von Anfang an attraktiv.“ Gespräche mit der ehemaligen Inhaberin überzeugten ihn außerdem. Er kontaktierte die Lotto-Bezirksleitung, investierte seine von Mannesmann erhaltene Abfindung in die Inneneinrichtung und übernahm die Filiale im Jahre 1997.

Hasten: Der Stadtteil ist mit den Jahren toleranter geworden

„Der Wechsel vom Ruhrgebiet ins Bergische hat mir nichts ausgemacht“, berichtet Holtgraefe. „Ich war ungebunden, hatte keine Kinder und fühlte mich hier sofort wohl.“ Außerdem lernte er schnell, dass seine Entscheidung für das Lotto-Genre eine gute war. „Lotto, Zeitschriften und Tabak gehen immer.“

Er selbst hat sich nicht so deutlich geändert wie die Bewohner des Stadtteils, findet er. „Die Hastener waren früher nicht so locker wie heutzutage. Manche, auch alteingesessene Stammkunden, haben den Laden nie wieder betreten, als sie mich als ‚neues Gesicht‘ ausmachten. Das würde heute wahrscheinlich ganz anders ablaufen. Der Stadtteil ist toleranter geworden.“

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Aber auch in Remscheid musste er der Arbeit Tribut zollen. Im Frühling 2021 erlitt Michael Holtgraefe einen Herzinfarkt. „Hier im Laden“, berichtet er, „bei der Arbeit.“ Das führte dazu, dass er sein Leben und seine Arbeitszeiten überdenken musste. Statt eines mehr als zwölfstündigen Tages inklusive Pausen, hat er jetzt von 8 bis 17 ohne Pause geöffnet. Dazu kommt, dass ihm die Arbeit durch die modernen Hilfsmittel schon etwas leichter fällt. „Die Elektronik ist für uns eine spürbare Erleichterung. Die Zeitersparnis alleine durch das Scannen der Paketaufkleber ist enorm. Für mich und meine vier Mitarbeitenden sind Computer in den letzten Jahren enorm wichtige Helfer geworden.“

Michael Holtgraefe möchte am Hasten nur eins ändern

Wenn man sich denn so wohl fühlt, möchte man etwas ändern im Hasten? „Ach ja“, seufzt er. „Es gibt schon diverse Leerstände im Stadtteil. Wenn die zu beheben wären, dann wäre das schon schön.“

Nicht Corona sorgt ihn. „Wir sind relativ gut durch die Pandemie gekommen, die ja noch nicht ausgestanden ist. Wir mussten auch nicht schließen. Was mich wirklich sorgt, sind die zur Zeit explodierenden Heizkosten. Das betrifft nicht mich alleine, sondern alle kleineren Geschäfte. Und wir können die Preise nicht einfach erhöhen wie ein Restaurant oder ein Supermarkt. Tabak, Zeitschriften, Lotto – das sind alles Festpreise, die zwingend vorgeschrieben sind.“

Michael Holtgraefe weiß nicht, wie lange er das Geschäft weiter führen möchte. „Das 30-jährige Jubiläum würde ich hier am Hasten gerne noch mitnehmen. Dann bin ich 48 Jahre berufstätig. Das sollte dann reichen.“

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