RGA vor Ort

Der Falsche staubte den Hauptgewinn ab

Irrtümlich wurde der Falsche stolzer Carrerabahn-Besitzer: Stefan Koch (l.) und Stephan Kohn nehmen es mit Humor. Foto: Doro Siewert
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Irrtümlich wurde der Falsche stolzer Carrerabahn-Besitzer: Stefan Koch (l.) und Stephan Kohn nehmen es mit Humor.
  • Andreas Weber
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Nach 51 Jahren findet die irre Verwechselung bei einem Spielzeug-Wettbewerb einen persönlichen Abschluss.

Remscheid-Hasten. Eigentlich wollte Stephan Kohn den Mann, der am 6. Juli 1970 seinen Hauptgewinn beim Lego-Bauwettbewerb im Spielwarenhaus Ernst Hock mitgenommen hatte, 2020 endlich persönlich kennenlernen. 50 Jahre nach dieser irren Verwechslungsgeschichte, dachte Kohn, sei ein guter Zeitpunkt, sich mit Stefan Koch erstmals zu treffen. Damals hatte die abhandengekommene Carrera-Bahn für etwas Missstimmung gesorgt.

2020 setzten sich die mittlerweile gestandenen Unternehmer dann doch nicht zusammen. Denn Stefan Koch kämpfte um sein Leben. Der Malermeister gehörte drei Tage nach seinem 59. Geburtstag Mitte März zu den ersten Covid-19-Intensivpatienten, lag mehrere Monate in der Wuppertaler Helios-Klinik im Koma und kehrte erst Mitte Oktober im Rollstuhl sitzend nach Hause zu seiner Familie und ganz langsam in ein normales Leben zurück.

Fast ein Jahr später lächeln sich die beiden Hastener, die nur ein paar Hundert Meter entfernt an der Büchelstraße und in Büchel ihren Wohnsitz bzw. Betrieb haben, in Kohns britischem Landhaus-Küchenstudio an und feixen. „Im RGA stand damals: Dreister Dieb klaut krankem Jungen 1. Preis“, weiß Stephan Kohn.

Von Stehlen kann keine Rede sein, kontert Koch. Es war der 6. Juli 1970, Preisverleihung bei Hock auf der Alleestraße 50, dem Spielwarengeschäft in Remscheid, ein Paradies für Kinder auf zwei Etagen. „Der Innenhof war bei der Siegerehrung voll mit jungen Teilnehmern. Und dann wurde als Hauptgewinner Stephan Kohn ausgerufen. Nur weil sich niemand meldete, bin ich nach vorne gegangen. Zum einen Stefan, zum anderen hören sich Koch und Kohn sehr ähnlich an.“ Das akustische Missverständnis bescherte Koch die damals bei Jugendlichen hochbegehrten Carrera-Flitzer.

„Ich lag zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus“, erinnert sich Kohn. Beim Lego-Bauwettbewerb hatte der Siebenjährige aus der Damaschkestraße die Wuppertaler Schwebebahn mit Elektrifizierung nachgebaut. „Das war der Grundstein meiner Ingenieurskarriere“, meint Kohn. Den verdienten Lohn seines ebenso fantasievollen wie technisch anspruchsvollen Frühwerks staubte jedoch versehentlich ein anderer ab.

Die Lok war mir lieber. Mit Carrera hatte ich nichts am Hut.

Stephan Kohn

Irgendwie kam die Sache wenig später doch ans Licht. Kochs Vater Günter, um Ausgleich und Gerechtigkeit bemüht, schaffte die Peinlichkeit aus der Welt, indem er Stephan eine schwarze Lok für seine Miniaturbahn zukommen ließ. „Ehrlich gesagt, die war mir auch viel lieber. Mit Carrera hatte ich nichts am Hut.“ Zumindest die Urkunde hat Kohn bis heute nicht weggeworfen.

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So waren am Ende beide happy. Die Carrera-Bahn steht noch heute bei Koch aufgebaut und erweitert im Keller. Der Senior kommt allerdings selten dazu, Gas zu geben: „Und die Jugend hat leider kein Interesse mehr an so was.“

Stephan Kohn erhielt zwar als Steppke seine Lok, erfuhr aber nicht, wer einst an seiner statt den Hauptgewinn nach Hause getragen hatte. „Meine Mutter hat mir das nie erzählt“, berichtet Kohn. Bis der Zufall wieder Regie führte. Beide waren längst erwachsen, als Kohn die ganze Wahrheit erfuhr: „Ich saß mit der Mutter von Stefan Koch beim Essen im Restaurant Luisenhof, als ich auf diese Geschichte zu sprechen kam und sie mir erklärte: Das war mein Sohn.“ Stefan Koch, der den 135 Jahre alten Malerbetrieb A. und G. Koch in der vierten Generation und mit 50 Mitarbeitern führt, räumt ein, dass die Auszeichnung damals für Kohn völlig in Ordnung ging. „Ich hatte ein Eck-Familienhaus eingereicht, das bestimmt nicht die Qualität des Lego-Baus hatte, der Stephan den verdienten Sieg bescherte.“

Serie

Eine Woche lang hat der RGA im Rahmen seiner Stadteilserie Geschichten vom Hasten präsentiert. Die Reihe aus dem Ortsteil schließt morgen mit einem Gespräch mit dem evangelischen Pfarrer Siegfried Landau, der über die Vorzüge des Hasten, die Auswirkungen der Flutkatastrophe und die Digitalisierung der Gottesdienste in seiner Gemeinde in der Pandemie spricht.

Alle bisherigen Folgen der RGA-Stadtteilserie 2021 finden Sie hier.

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