Mahnmal soll errichtet werden

Denkmal soll an Sinti-Schicksal erinnern

„Ich will meinen Enkeln ersparen, was ich als Kind von acht Jahren hören musste“: Bluma Meinhardt im Pferdestall. Foto: Roland Keusch
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„Ich will meinen Enkeln ersparen, was ich als Kind von acht Jahren hören musste“: Bluma Meinhardt im Pferdestall.

Pferdestall-Verein will die tragische Geschichte der Sinti vom Blaffertsberg aufarbeiten.

Von Andreas Weber

Remscheid. Das große Verdienst des jungen Vereins Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall ist es nicht nur, lokale Geschichte über die Opfer des Nationalsozialismus spannend aufzubereiten. Die Mitglieder haben es vor allem geschafft, vertrauensvollen Kontakt zu noch lebenden Zeitzeugen herzustellen. Der Jude Siegmund Freund zählt dazu, die Sintezza Bluma Meinhardt ebenso. Die Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“, die am 11. September im Pferdestall eröffnet wurde, soll nur der Auftakt zu einer bleibenden Erinnerungskultur an die Zigeuner in Remscheid sein, von denen viele im KZ umkamen. Stolpersteine und ein Denkmal plant der Pferdestall-Verein.

Zigeuner? Der Begriff gilt in Deutschland als politisch unkorrekt, für Bluma Meinhardt ist er allerdings ein „Ehrenname“, wie sie bei der festlichen Ausstellungseröffnung betonte: „Dieser Name gehört zu unserem Erbgut.“ Die seit 40 Jahren in den Niederlanden beheimatete Schriftstellerin hat einen Großteil ihrer Familie in Auschwitz verloren, nachdem diese aus dem Lager am Blaffertsberg 1943 deportiert worden waren. Es war neben dem Gründerhammer eines von zweien in Remscheid, in dem Zigeuner lebten. Blumas Großmutter und sieben ihrer Kinder starben in der Gaskammer, während der Opa vor dem Eingang Musik spielen musste.

„Von den TBR haben wir grünes Licht für Stolpersteine und ein Denkmal.“ 

Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins

Bluma Meinhardt wurde 1961 in dem Lager am Blaffertsberg geboren. Heute erinnert nichts mehr daran, die Lichtung ist von Wald bedeckt. Doch an den ehemaligen Behausungen, ein paar Meter entfernt von der Klausener Straße soll für die Verfolgten ein Mahnmal errichtet werden. Wer neben dem Haus mit der Nummer 123 in den Wanderweg im Wald spaziert, erreicht schnell eine Gabelung, an der die Gedenkstätte entstehen könnte. Als Eigentümer des Gebietes „Großes Holz“ sind die Technischen Betriebe (TBR) erster Ansprechpartner für eine Genehmigung. „Von denen haben wir nach einem Ortstermin grünes Licht sowohl für Stolpersteine wie Denkmal bekommen“, freut sich Vereinsvorsitzender Hans Heinz Schumacher.

Die Stolpersteine für die Großmutter und deren Kinder sollen an der Einmündung zu dem Waldpfad entstehen. „Das könnte relativ schnell gehen. Denn vom Materialwert wären die Stolpersteine mit je 95 Euro auch nicht zu teuer.“ Der Verein hofft, diese vielleicht bis zum 2. März 2021 verlegen lassen zu können, dem Jahrestag der Deportation der Remscheider Zigeuner nach Auschwitz.

Das Denkmal wird mehr Zeit brauchen. Eine Bildhauerin ist jedoch gefunden. Ayla Corstanje-Uncu, eine holländische Freundin von Bluma Meinhardt, wäre bereit, es in Angriff zu nehmen. Die Künstlerin aus Ramsdonksveer, spezialisiert auf „Gypsy-Art“ hat Sinti-Wurzeln, ihr Vater war im KZ. „Es wäre eine große Ehre für mich, ein Monument zu kreieren“, erklärte Corstanje-Uncu bei der Ausstellungseröffnung dem RGA. Noch ist unklar, aus welchem Material dieses sein wird und welche Größe und Form es haben wird. „Das hängt davon ab, wie viel Geld wir an Spenden akquirieren werden“, erklärt Hans-Heinz Schumacher. Spender sind willkommen, um dieses Projekt voranzutreiben. Denkbar wäre, dass das Leibniz-Gymnasium später die Patenschaft für die Pflege des Denkmals übernimmt.

Als Bluma Meinhardt einen Tag vor Beginn der Ausstellung der Stelle einen Besuch abstattete, wo sie ihr erstes Lebensjahr verbrachte, fand sich ein 10er-Geschichtskurs des Leibniz ein, um Meinhardts bitteren Familiengeschichte zu lauschen. Über Jahrzehnte blieb sie Deutschland fern, wollte nie wieder zurückkehren. Inspiriert durch das Engagement des Pferdestall-Vereins und dessen vielen jungen Unterstützern, ist sie nun festen Willens, die Aufklärungsarbeit, die sie in den Niederlanden begonnen hat, in ihrem Geburtsland voranzutreiben.

Bei ihrer Rede im Pferdestall versprach Meinhardt symbolisch, das Feuer, das an den Lagerplätzen der Zigeuner immer eine zentrale Rolle spielte, wieder anzuzünden und vor Schülern über die Diskriminierung zu sprechen, die ihrem Volk bis weit nach dem 2. Weltkrieg widerfuhr.

Ausstellung noch bis März 2021

Die Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“ (vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) wird bis mindestens März 2021 im Pferdestall am Quimperplatz zu sehen sein. Wer sie besuchen möchte, melde sich per Facebook oder Mail. Führungen werden organisiert.

info@gub-pferdestall.de

Es war eine Ausstellungseröffnung, bei dem so manchem der 60 Gäste und am Schluss der Zeitzeugin Tränen in den Augen standen. Der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall beschäftigt sich mit dem Schicksal der Sinti und Roma. Eigene lokale Recherchen von Andrea Blesius und Klaus Blumberg ergänzen die Dokumentation „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“ des Zentralrates der Sinti und Roma.

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