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Das plant die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall

Hans Heinz Schumacher und seine Mitstreiter planen weitere Aktionen, damit die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Remscheid nicht in Vergessenheit gerät. Archivfoto: Michael Schütz
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Hans Heinz Schumacher und seine Mitstreiter planen weitere Aktionen, damit die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Remscheid nicht in Vergessenheit gerät.

Der Verein der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall hat im kommenden Jahr viel vor.

Von Peter Klohs

Remscheid. Der seit einigen Jahren in Remscheid tätige Verein der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall hat sich in der Vergangenheit sehr eindringlich dafür eingesetzt, dass die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten (1933 bis 1945) auch in Remscheid nicht vergessen wird. Zu den Mitbegründern des Vereins gehört der ehemalige Direktor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, Hans Heinz Schumacher, der heute als Vorstand des Vereins tätig ist. Viele bemerkenswerte Aktionen haben er und seine Kolleginnen und Kollegen bereits in die Wege geleitet und durchgeführt. Weitere werden folgen. Hans Heinz Schumacher gab nun einige der Pläne der Gedenk- und Bildungsstätte bekannt.

„Sehr berührt hat uns vor wenigen Wochen der Besuch des Remscheiders Karl Braun, der zwei Bücher aus der Häftlingsbibliothek im KZ Buchenwald in unseren Räumlichkeiten an den Leiter der Gedenkstätte Buchenwald zurückgab. Die Schilderungen von Karl Braun haben uns alle tief bewegt“, sagt Schumacher. „Und das ist der Grund, warum wir Herrn Braun in so viele bergische Schulen wie möglich einladen wollen. Er soll den Schülerinnen und Schülern über die Realität in den grausamen Jahren Bericht erstatten.“

Die Idee eines Gedenkbuches ist auf einem guten Weg

Die Idee eines Gedenkbuches, das an die Opfer des Nationalsozialismus in Remscheid erinnern soll, ist auf einem guten Weg. Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse der GHS Hackenberg haben eine Zusammenarbeit mit dem Pferdestall aufgenommen. „Wir haben bisher etwa 3000 Namen gesammelt, die in dieses Gedenkbuch eingetragen werden sollen“, berichtet Hans Heinz Schumacher.

Ein großes Projekt des Vereins ist die Aufstellung eines Denkmales am Blaffertsberg, von wo aus die dort ansässigen Sinti und Roma in die Vernichtung nach Auschwitz deportiert wurden. „Dazu laufen die Planungen“, erzählt Schumacher. „Fragen nach der Statik des Denkmals müssen geklärt, das Fundament muss gebaut werden. Zu diesem Thema hat uns das Leibniz-Gymnasium Hilfe und Zusammenarbeit angeboten. Schülerinnen und Schüler haben das Denkmal mitgestaltet und werden es nach der Aufstellung pflegen. Unsere Planungen gehen davon aus, dass wir das Denkmal am Jahrestag der Deportationen, Anfang März 2022, einweihen können. Wenn alles gut geht, planen wir gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Albert-Einstein-Schule ein zweites Denkmal, das am Gründerhammer errichtet werden soll. Aber diese Planung ist noch am Anfang.“

Die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall unterhält freundschaftliche Beziehungen zum israelischen Künstler Gad Frank, der hochbetagt in einem israelischen Kibuzz lebt, seine harschen Ansichten über Deutschland im Laufe eines persönlichen Besuchs revidierte und auf den Besuch von Hans Heinz Schumacher wartet. „Die Reise nach Israel ist schon lange geplant“, weiß der Vorsitzende des Vereins, „ist aber in den heutigen Zeiten nur schwer zu realisieren. Die Frage, ob wir die Kunst Gad Franks in einer besonderen Ausstellung würdigen wollen, ist noch nicht zu beantworten. Das ist auch eine Frage der Zeit. Gad Frank ist 91 Jahre alt.“

Auch die Zukunft der Räumlichkeiten des Pferdestalls beschäftigt die Mitglieder stark. Die Räume in der direkten Nachbarschaft des Polizeipräsidiums am Quimperplatz gehören dem Land NRW, das diese der Polizei vermietet hat. „Wir arbeiten daran, dass das Land das Gebäude des Pferdestalls der Stadt Remscheid übereignet“, gibt Schumacher Einblick in die Geschehnisse. „Das wäre die größte Garantie dafür, die Gedenk- und Bildungsstätte weiterhin betreiben und moderat modernisieren zu können. Was wir dringend benötigen, ist eine Heizung im Gebäude.“

Aus der Präambel des Vereins

„Der Verein dient der Erinnerungskultur im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Remscheid. Er hat das Ziel, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, an ihr Leiden und Sterben durch Verfolgung und Inhaftierung zu pflegen und das Lernen aus der Geschichte am historischen Ort zu ermöglichen.“ Gründungsmitglied des Vereins Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall war unter anderem die jüdische Kultusgemeinde Wuppertal.

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