Initiativen im Integrationsrat

Denkmal soll an Zuwanderung in Remscheid erinnern

Vor dem Wolfsburger Hauptbahnhof erinnert das Standbild „l'emigrante“ an die italienischen Zuwanderer.
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Vor dem Wolfsburger Hauptbahnhof erinnert das Standbild „l'emigrante“ an die italienischen Zuwanderer.

Die Interkulturelle Liste der SPD möchte einen Pfad der neuen Heimat, der Bundesverband spanischer sozialer und kultureller Vereine ein Denkmal. Diese beiden Ideen ließen sich kombinieren.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. In Remscheid gibt es derzeit zwei Initiativen, mit Installationen im Stadtgebiet die Leistung von Zuwanderern zu würdigen. Die Interkulturelle Liste der SPD regt an, auf einem „Pfad der neuen Heimat“ Anlaufstellen und Treffpunkte von Gastarbeitern mit Hinweistafeln zu versehen. Der in Remscheid ansässige Bundesverband spanischer sozialer und kultureller Vereine schlägt vor, ein „Denkmal zur Geschichte der Zuwanderung in Remscheid“ zu errichten.

Zwei Vorschläge, die „ganz viel Ähnlichkeit“ haben und sich „sicherlich verbinden ließen“, wie Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz meint. Dass im öffentlichen Raum an Migranten erinnert wird, sei absolut gerechtfertigt, betont er: „Ohne Zuwanderung wäre Remscheid keine Großstadt mehr, ohne Zuwanderung würde weder unsere Industrie, noch die Verwaltung oder ein anderer Bereich laufen.“

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Während es Denkmäler für Einwanderer in Ländern wie Kanada, Australien oder auch den USA schon seit Jahrzehnten gibt, wird das Thema in Deutschland erst seit kurzem diskutiert. In Berlin hat Sevim Aydins, für die SPD im Abgeordnetenhaus, ein „Gastarbeiterdenkmal“ ins Gespräch gebracht. In Essen gibt es bereits erste Entwürfe und auch in Dortmund gibt es etwa seit Ende des vergangenen Jahres Gespräche dazu.

Wolfsburg, eine der wenigen deutschen Großstädte mit einem ähnlich hohen Anteil an Industriearbeitsplätzen wie Remscheid, ist schon einen Schritt weiter. Dort erinnert seit 2004 das Standbild „l´emigrante“ an die italienischen Gastarbeiter, die hier seit 1962 lebten und arbeiteten. Seit 2010 steht das Denkmal vor dem Hauptbahnhof.

Wo ein Remscheider Denkmal stehen könnte und wie es dann aussieht, sei derzeit noch völlig unklar, sagt Oberbürgermeister Mast-Weisz. Mit den Planungen beginne die Verwaltung, wenn die Politik sie damit beauftrage. „Mal sehen, was uns dazu einfällt.“ Denkbar sei zum Beispiel, dass ein Künstler oder eine Künstlerin mit Migrationshintergrund den Entwurf erstelle.

Erstmals auf der politischen Tagesordnung stehen die Initiativen bei der Sitzung Integrationsrat am Donnerstag.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Längst überfällig

sven.schlickowey@rga.de

Denkmäler gibt es so einige. Für Politiker, für Komponisten, für Dichter oder auch für Forscher. Im Berliner Volkspark Rehberge stehen zwei Ringer, im Münchener Bezirk Thalkirchen ein Isarflößer, in Hamburg eine Zitronenverkäuferin und in Philadelphia sogar Rocky Balboa - obwohl der ja bekanntlich nur eine Filmfigur ist. Denkmäler für Einwanderer haben in Deutschland dagegen noch Seltenheitswert.

Obwohl ihre Bedeutung für dieses Land, nicht zuletzt die der sogenannten Gastarbeiter für den wirtschaftlichen Aufschwung der 1960er- und 70er-Jahre, ja unbestritten ist. Deutschland ist nun mal ein Einwanderungsland, auch wenn sich Teile der Politik dieser Erkenntnis beharrlich verweigern. Die Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zu uns kamen und dann unsere Nachbarn wurden, im öffentlichen Raum zu würdigen, ist längst überfällig. Gerade in Remscheid, einer Stadt mit Menschen aus über 120 Nationen.

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