Karriere

Mit Demut ihren Lebenstraum als Schauspielerin erfüllt

Hat ihren Weg als Schauspielerin gefunden: Julie Weber (25) aus Bergisch Born. Foto: Saschko Bach
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Hat ihren Weg als Schauspielerin gefunden: Julie Weber (25) aus Bergisch Born.
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Julie Weber aus Bergisch Born hat ihre Entscheidung für die TV- und Filmwelt nie bereut – Momentan ist sie in Prag Co-Produzentin eines Kurzfilms.

Von Andreas Weber

Remscheid. Heute sind alle stolz auf sie. Vor allem ihre Eltern. Gerade arbeitet die 25-Jährige als Co-Producerin in Prag an einem ambitionierten, internationalen Kurzfilm. „Destination Paradise“ greift das Leid illegaler Immigranten in Europa auf. Als Julie Weber 2013 ihr Abitur machte, blies ihr kräftiger Gegenwind von vielen Seiten entgegen. Lehrerin oder Schauspielerin? Die Bergisch Bornerin wählte den unsicheren Weg.

Die Entscheidung hatte sie sich nicht leicht gemacht und Statistiken studiert, wie es um Chancen und Auskommen in der Theater- und Filmbranche bestellt ist. Julie las Zahlen, die nicht ermunternd waren. „Trotz aller Warnungen aus meinem Umfeld habe ich am Filmset schnell gemerkt: Das ist es, was ich will. Hier kann ich frei atmen.“ Julie Weber fand früh Gefallen daran, vor Kameras zu stehen. Alles begann im Literaturkurs der Stufe 10 bei Lehrer Lars Klein am Gymnasium Wermelskirchen. „Wir haben einen Kurzfilm gedreht, in dem ich die Hauptrolle übernehmen durfte. Das hat richtig Spaß gemacht.“

Fortan ließ sie die Faszination Schauspiel nicht los. Auf Facebook las sie etwas über „Shopping Queen mit Kindern“, meldete sich, hörte relativ schnell von der Produktionsfirma Constantin Entertainment, die für die Sat-1-Episodenserie „Schicksale – und plötzlich ist alles anders“ ein junges Mädchen suchte. „Mit 17 Jahren bin ich für vier Drehtage allein nach München geflogen.“ Das verdiente Geld reichte, um sich ihren ersten Wagen, einen Opel Corsa, zu kaufen. „Von da an hatte ich Blut geleckt“, sagt Julie.

Groß geworden ist sie als Nadine Julie Weber. Den Vornamen tauschte sie später auf Anraten, weil das französisch angehauchte Julie in der Branche mehr Flair verströmt als Nadine. Der Junge, der bei „Schicksale“ ihren großen Bruder spielte, war auf einer Schauspielschule. Er riet ihr, das Handwerk von der Pike auf zu lernen. In ihrer Findungsphase wurde Julie Weber dabei positiv von Lehrer Andreas Frömmel unterstützt.

Die zweijährige Ausbildung zur staatlich anerkannten Schauspielerin an der Film Acting School Cologne nennt Julie Weber einen prägenden Reifeprozess. „Ich habe in Köln schonungslos gespiegelt bekommen, wo ich als Mensch stehe, jeden Tag über mich selbst gelernt.“ Die 12 000 Euro Schulbeitrag von 2014 bis 2016 erwiesen sich als wohl investiert. „Selbst wenn ich nie einen Job als Schauspielerin bekommen hätte, wäre es jeden Cent wert gewesen.“ Maximal würde es einer aus ihrer 15-köpfigen Klasse schaffen, wurde ihr damals von der Schule knallhart eröffnet. „Und ich wusste, dass sie mich damit nicht meinen“, stellt sie rückblickend fest.

Die Demut, mit der sich Julie Weber in den Berufsmarkt tastete, ist bis heute geblieben. Dankbarkeit kam hinzu. Denn für die Remscheiderin fügte sich alles fast nahtlos. Anfang 2017 war sie in mehreren großen Film-Datenbanken präsent, kam bei der Schauspielagentur Liem unter, drehte vier Monate am Stück für die RTL-2-Serie „Abschlussklasse“.

In 15 Folgen spielte sie in einer Hauptrolle die Schülerin Laura Schmitt. „Da wusste ich, was es heißt, eine hart arbeitende Schauspielerin zu sein. Es war super anstrengend, aber toll. Für mich hätte es ewig so weitergehen können.“ Ende 2018 zog sie nach Prag. Die Hauptstadt Tschechiens wurde neben Köln zu ihrem zweiten Wohnsitz. Prag ist Drehort für viele deutsche Produktionen, gerade für Plots, die im 2. Weltkrieg spielen. Zwischendurch ging es nach Amsterdam, wo Julie Weber eine Mini-Rolle in der deutschen Komödie „Misfit“ bekam. „Es waren nur ein paar Sätze, die ich hatte, aber die Tatsache, an meinem ersten Kinofilm teilzunehmen, bedeutete mir unendlich viel.“

„Meine Ausbildung war jeden Cent wert.“ Julie Weber, Schauspielerin

In ihrer Vita einen prominenten Platz erhielt die zweite Staffel der Sky-Produktion von „Das Boot“. Dort spielte sie die Sekretärin von Kriminalrat Hagen Forster. „Es war eine Riesenehre an der Seite von Tom Wlaschiha drehen zu dürfen.“ Die Freude darüber ist Julie Weber beim Telefonat mit dem RGA anzuhören. Für sie war es ein Meilenstein, „weg vom Schülerinnen-Mäuschen-Image, hin zur seriösen Schauspielerin“, betont sie. In Prag ist Julie Weber geblieben – trotz Pandemie, die der „Goldenen Stadt“ derzeit einen Inzidenzwert von 500 beschert.

Das Projekt, das sie derzeit beschäftigt, riefen Freunde in Prag ins Leben. Es heißt „Destination Paradise“ und greift in einem 20-minütigen Kurzfilm die Flüchtlingsproblematik anhand eines indischen Immigranten auf, der auf einer Farm an der tschechisch-deutschen Grenze festsitzt und von einem besseren Leben in London träumt. Das Crowdfunding läuft, im Januar 2021 soll gedreht werden, ab April der fertige Film auf die Festivals gehen, wenn Corona es zulässt. In einer internationalen Crew ist Julie Weber Co-Produzentin und erlebt Film von der anderen Seite. Dass sie mittlerweile als Produzentin für zwei weitere Filme angefragt wurde, macht nicht nur Julie total stolz, auch die einst skeptischen Eltern.

Crowdfunding

Momentan ist Julie Weber in ihrer zweiten Wahlheimat Prag Co-Producerin des Kurzfilms „Destination Paradise“ (Regisseur: Eshaan Rajadhyaksha), für den das Crowdfunding läuft. Wer zur Realisierung der Einwanderer-Geschichte finanziell beitragen will, lese die Details auf den Facebook- und Instagram-Seiten von Destination-Paradise-Film.

Mit Jonas Dassler hat Remscheid einen weiteren erfolgreichen Schauspieler hervorgebracht. Er Wurde 2018 als "Bester Nachwuchsdarsteller" mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

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