Ausstellung

Demenz: Kunst stärkt das Selbstwertgefühl

Stellen Kunst demenzkranker Menschen im Johannes-Schmiesing-Haus in Hasten vor: Elisabeth Strack und Pfarrer Siegfried Landau.
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Stellen Kunst demenzkranker Menschen im Johannes-Schmiesing-Haus in Hasten vor: Elisabeth Strack und Pfarrer Siegfried Landau.
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Wegweisende Ausstellung im Gemeindezentrum in Hasten.

Von Andreas Weber

Remscheid. Eine ungewöhnliche und wegweisende Ausstellung präsentiert die evangelische Kirchengemeinde in Hasten. Vom 29. Januar bis 4. Juni wird in der Begegnungsstätte des Gemeindehauses vielfältige Kunst Demenzkranker gezeigt. Elf Altenpflegeeinrichtungen aus Remscheid, Wuppertal und Solingen sind mit den Werken ihrer Gäste und Bewohner vertreten. Kuratiert werden sie von Elisabeth Strack.

Seit 2017 widmet sich die Leiterin der Tagespflege im Diakoniecentrum Hohenhagen Kunstprojekten. Zu sehen, was sie geschaffen haben, mache die älteren Menschen stolz, schenke ihnen Würde, gebe ihnen Selbstwertgefühl. „Die Ergebnisse sind fantastisch“, schwärmt Strack und bestätigen sie in der Annahme, dass Kunst, Musik und Bewegung Erkrankten einen positiven Schub geben.

Wie die Eco Prints (Pflanzendrucke), deren Entstehungsprozess Elisabeth Strack und Dorothea Schauf am Hohenhagen angeleitet haben. Zunächst sammelten die Tagespflege-Gäste Blätter, legten diese auf Aquarellpapier, rollten dieses ein, ließen es in zwei Stunden in schwarzem Tee kochen, danach wurden die Blätter abgenommen, das Papier getrocknet und gepresst. Die spannenden Resultate hängen jetzt unter der Überschrift „Blätter der Erinnerung“ an einer mit braunem Stoff verkleideten Wand im Johannes-Schmiesing-Haus.

Bei der Eröffnung kommenden Sonntag, 11.30 Uhr, sind unterschiedliche kreative Ansätze zu sehen: Tonarbeiten, Fotocollagen, Mobilé, Ölkreide-Zeichnungen sowie eine mit bunten Scherben verzierte Skulptur aus einem Kanalrohr. Ein Hingucker sind sechs Bilder aus der Einrichtung „Schwelmer Tor“ in Lennep, in denen Demente in Fotos und Bild die Quintessenz ihres Lebens skizziert haben: tanzen, lesen, malen, Handball, Afrika-Reisen und Arbeit lauten die Schlagworte.

Die Idee zu einer Ausstellung kam vom bergischen Regionalbüro Alter, Pflege, Demenz. Dessen Mitarbeiterinnen Christine Ullerich und Susanne Bäcker gaben den Anstoß und trugen am Ende eine Ausstellung zusammen, die im Spätherbst in Bergisch Gladbach gezeigt wurde. „Jedoch waren die Werke nur für drei Stunden aufgehängt. Deshalb habe ich mit meinem Schwager Siegfried Landau überlegt, alles längerfristig zum Hasten zu holen.“ Landau war sofort bereit. „Der künstlerische Ausdruck der Demenzkranken offenbart vielfach ein faszinierendes Innenleben“, zollt der Pfarrer in der Kirchengemeinde den Exponaten Respekt.

Theaterstück nach dem Buch „Der alte König in seinem Exil“

Ziel in Hasten soll es sein, das Tabu-Thema aus seiner dunklen Ecke zu holen, öffentlich buchstäblich ein anderes Bild zu zeichnen und um Verständnis zu werben. „Wir müssen die Isolation von demenzkranken Menschen überwinden“, meint Landau. „Und die Vorurteile, die dahinterstehen, aufbrechen“, fügt Strack hinzu. Die Werkschau könnte der Ort sein, wo Pflegeeinrichtungen ins Gespräch kommen zu Fragen über künstlerische Projekte für Demente.

Die Hastener Gemeinde wird in jedem Fall dranbleiben. Am 24. März (20 Uhr) zeigt sie im Gemeindesaal ein Theaterstück von dem Wuppertaler Schauspieler und Psychotherapeuten Dieter Marenz, der Arno Geigers Bestseller „Der alte König in seinem Exil“ in ein Ein-Personen-Stück umgeschrieben hat, in dem Marenz wechselweise in der Rolle des dementen Vaters wie dessen Sohn schlüpft, mit Dialogen, die ebenso traurig, nachdenklich wie komisch sind.

Die Ausstellung

„Blätter der Erinnerung“, Kunst Demenzkranker, wird am 29. Januar, 10.30 Uhr, mit dem Gottesdienstvon Pfarrer Landau in derPauluskirche eröffnet. Die Ausstellung beginnt um 11.30 Uhr im Gemeindehaus, Büchelstraße 47.

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