90 Prozent Umsatz verloren

Deiters-Filiale in Remscheid soll Corona überleben

Farbtupfer auf der unteren Allee: Die Deiters-Filiale ist wie die übrigen 30 Läden des Unternehmens geschlossen.
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Farbtupfer auf der unteren Allee: Die Deiters-Filiale ist wie die übrigen 30 Läden des Unternehmens geschlossen.

Seit 2018 ist der Kostümriese auf der Alleestraße. Im Lockdown hat die Firma 90 Prozent ihres Umsatzes verloren.

Von Axel Richter

Geschäftsführer Björn Lindert hofft auf ein baldiges Ende des Lockdowns.

Remscheid. Karneval ist gelaufen, für Deiters auf der Alleestraße haben die tollen Tage gar nicht erst begonnen. Wie alle 31 Kostümshops, die das Unternehmen betreibt, ist die Filiale in den Allee-Arkaden im Lockdown geschlossen. Nach Feiern war dort in dieser Session keinem zumute, denn die Wirtschaftskrise infolge von Corona trifft Deiters doppelt hart. Am Standort auf der Allee, den die Firma im Juli 2018 eröffnete, hält sie dennoch fest. In der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Björn Lindert, Geschäftsführer der Deiters GmbH in Frechen bei Köln, spricht gleichwohl von einer Vollkatastrophe. Die trifft das Familienunternehmen ausgerechnet in dem Jahr, in dem es sein 100-jähriges Bestehen feiert. „Andere Bekleidungsgeschäfte beklagen einen Umsatzrückgang von 25 oder 30 Prozent“, sagt Lindert: „Bei uns ist der Umsatz im Wirtschaftsjahr von April bis Ende Januar um 90 Prozent eingebrochen.“

„Es wäre schön, die Einkaufsstraße hätte für Familien mehr zu bieten.“

Björn Lindert, Deiters GmbH

In der Kostümbranche konnte schließlich nicht einmal das Online-Geschäft die Verluste im Lockdown verringern. „Weil es keine Anlässe gab“, sagt Lindert. Zwar konnte das Unternehmen das Karnevalsgeschäft 2020 mitnehmen, denn Corona wurde in Deutschland erst nach den tollen Tagen ernstgenommen. Dann aber machten die Geschäfte in der ersten Coronawelle dicht und im Spätsommer wieder auf.

Mottopartys, Oktoberfeste und Halloween-Partys fielen aus. Die Nachfrage nach Kostümen blieb entsprechend gering und kam mit dem zweiten Lockdown vollends zum Erliegen. 70 Prozent seines Geschäfts macht Deiters in der närrischen Zeit vom 11.11. bis Aschermittwoch. Nicht in dieser Session.

Das Gros der rund 300 Mitarbeiter, die das Unternehmen beschäftigt, sind in Kurzarbeit. „Wir sind hier nicht im High-Class-Verdienst“, weiß Geschäftsführer Lindert. Das Familienunternehmen stockt die Gehälter deshalb auf. „Und wir haben noch keinen unserer Mitarbeiter entlassen.“

Wie lange das noch geht? Deiters hofft auf weiter sinkende Infektionszahlen, auf eine raschere Impfung der Bevölkerung, ein Ende des Lockdowns. Dass im Sommer wieder gefeiert werden darf. Und natürlich auf die Karnevalssession 2021/22. Die Lager in Frechen sind so voll wie nie. „Und den Vorteil haben wir ja immerhin“, sagt Björn Lindert: „Unsere Ware wird nicht schlecht.“

Den Schritt nach Remscheid hat das seit Jahren expandierende Unternehmen übrigens nicht bereut. Vor Corona machte Deiters auf der Alleestraße gute Geschäfte. Das allerdings nicht wegen, sondern trotz des Standorts. Der Kostümriese lebt nicht von Laufkundschaft. Zu den Jeckenausrüstern kommen die Menschen gezielt. Manchmal gruppenweise oder aber die Mutter mit der Tochter oder mit der besten Freundin. Der Einkauf wird zum Verkleidungshappening.

Dennoch wünscht sich der Filialist eine belebtere Alleestraße. „Das Umfeld ist nicht gerade spektakulär“, sagt Björn Lindert. „Es wäre schön, die Einkaufsstraße hätte für Familien mehr zu bieten. Ein paar Cafés und etwas für Kinder.“ Denn so viel steht fest: Deiters will auf der Allee bleiben. Auch wenn Karneval dieses Jahr gelaufen ist.

Kostüm-Riese

Die Firma Deiters wurde vor 100 Jahren in Köln gegründet. Heute ist das Unternehmen der größte deutsche Händler von Karnevalskostümen mit 31 Filialen in ganz Deutschland. Zu seinen Konkurrenten gehört Karnevalswierts mit Sitz im niederländischen Heerlen.

Die Corona-Pandemie überstrahlt derzeit alles. Doch das wird nicht so bleiben. „Wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt normalisiert, kommt das Fachkräfteproblem zurück“, ist Martin Klebe sicher. Deshalb rät der Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal Arbeitgebern wie -nehmern gleichermaßen, sich über Weiterbildung Gedanken zu machen.

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