Das historische Foto

Welche Straße ist hier zu sehen?

Welche Straße ist hier zu sehen?
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Welche Straße ist hier zu sehen?

Das historische Foto zeigte ein Gebäude, das 1926 in Reinshagen eingeweiht wurde.

Von Sven Schlickowey

Vor bald 50 Jahren, genauer: Im Jahr 1975, entstand unser neues Rätselbild. Erkennen Sie, welche Straße hier zu sehen ist? Schicken Sie die Lösung bis Donnerstag, 5. August, per E-Mail oder Post, gerne verbunden mit persönlichen Anekdoten an: RGA, Alleestraße 77-81, 42 853 Remscheid; E-Mail: redaktion@rga.de

Das historische Foto der vergangenen Woche: Zwei verschiedene Lösungen – und beide sind richtig

Remscheid. Zu unserem Fotorätsel aus der vergangenen Woche gab es zahlreiche Einsendungen, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen: Einige Einsender waren der Meinung, es handele sich Turnerheim des Reinshagener Turnerbundes, die anderen sahen darin das ehemalige Gästehaus der Stadt Remscheid. Und beide Gruppen hatten recht.

„Das Haus hat eine wechselhafte Geschichte“, schreibt uns dann auch Heinz-Jürgen Schmitz, der zu den wenigen gehörte, die gleich beide richtigen Lösungen parat hatten. „Es handelt sich um das rheinische Turnerheim am Schimmelbuschweg in Reinshagen“, weiß er zu berichten. Und: „Meiner Kenntnis nach wurde das im bergischen Stil gehaltene Schieferhaus von der Stadt Remscheid als Gästehaus genutzt.“

Turnheim, Gästehaus, Grundschule – dieses Haus hat wirklich eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

Über den ersten Teil der Geschichte dieses Hauses weiß Dieter Noss Bescheid: „Zu Ihrem Foto kann ich einiges beitragen“, leitet er seine Mail ein. Und liefert dann zahlreiche Fotos, auch vom Bau, und Auszüge aus der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des RTB. Demnach erwarb die hiesige Ortsgruppe der damaligen Deutschen Turnerschaft 1925 eine von der inzwischen abgerückten französischen Besatzungsmacht hinterlassene Pferdestallung mit dazugehörigen Mannschaftsgebäuden, die Stadt Remscheid überließ ihr das notwendige Grundstück. Und aus den abgebrochenen Gebäudeteilen entstand das „Kreisheim Edmund-Neuendorf-Haus“. Benannt nach einem deutschen Sport-Pädagogen, der später allerdings gemeinsame Sache mit den Nazis machte.

Für den Verein war das Gebäude eine große Sache, ist der Chronik noch zu entnehmen. Denn bis zur Einweihung am 2. Januar 1926, nach „langem Hoffen und Harren“, wie es dort heißt, hätten die Sportler ihren „kümmerlichen Turnbetrieb“ auf einer Wirtshauskegelbahn abhalten müssen. Was so oder so ähnlich in den Anfangstagen des Turnsports allerdings auch nicht ganz unüblich war.

„Turnrat Karl Grüber, Vorsitzender des Bergischen Turngaus von 1918 bis 1928, hatte sich unermüdlich für den Bau des Turnheims eingesetzt“, schreibt uns Karl Hermann Pleiß. Nach dem Krieg hätten die Remscheider Turner dann versucht, die Rheinische Turnschule in der Stadt anzusiedeln. „Doch der Rheinische Turnerbund entschied sich für Bergisch Gladbach.“ Entsprechend groß sei die Enttäuschung gewesen.

Ohne die Autos und die Feuerschutztreppe könnte man meinen, unser Fotograf habe „nur“ die alte Aufnahme koloriert: Das Gebäude hat sich kaum verändert.

Die Erinnerungen von Helmut Degenhardt reichen dagegen nicht ganz so weit zurück – und sind etwas positiver: Vor gut 55 Jahren habe er in dem Turnerheim schöne Karnevalsveranstaltungen mit den RTV-Leichtathleten und den RTB-Athleten gefeiert, schreibt er uns.

Eher an dem neueren Teil der Geschichte des gesuchten Gebäudes ist offensichtlich Helmut Schucht interessiert. „Abgebildet ist das ehemalige Gästehaus der Stadt in Reinshagen am Schimmelbuschweg“, nennt er die zweite richtige Lösung. „Die Stadt hatte das Anwesen für Gäste aus fremden Ländern, zum Beispiel aus der Partnerstadt Quimper.“ Die seien dort durch städtisches Personal verpflegt worden. Was Roland Benscheid nur bestätigen kann: „Bis in die 1980er-Jahre übernachteten dort unter anderem Jugendgruppen aus den Partnerstädten Remscheids“, schreibt er uns. Zudem weiß er: „Zuletzt interessierte sich 2007/2008 der Deutsche Pfadfinderbund an einem Mietvertrag für das Gebäude. Der scheiterte jedoch an den unerfüllbaren Brandschutzvorschriften.“

Schaffung eines zweiten Rettungswegs war zu teuer

Tatsächlich hatte es Anfang 2008 schon einen unterschriftsreifen Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Förderverein für den Deutschen Pfadfinderbund gegeben. Und auch der Stadtrat hatte der Vermietung bereits zugestimmt. Doch die Schaffung eines zweiten Rettungswegs war damals sowohl für den Besitzer, also die Stadt, also auch für die Pfadfinder als Mieter zu teuer, so dass aus dem Projekt nichts wurde.

Inzwischen verfügt das Gebäude über eine Feuerschutztreppe, die als zweiter Rettungsweg dient. Notwendig wurde das, weil in dem Haus inzwischen der offene Ganztag der Grundschule Reinshagen untergebracht ist. Etwa 125 Kinder in fünf Gruppen werden dort betreut. Der Träger der OGGS ist übrigens seit 2005 der Remscheider SV von 1897 – und der hat unter anderem die Bewegungsförderung der Kinder in den Mittelpunkt gerückt. Damit schließt sich nach bald 100 Jahren Bestehens des Hauses der Kreis.

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