Namenswechsel

Das EMA wird künftig EMMA heißen

Das EMA wir in Emma-Herwegh Gymnasium umbenannt.
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Das EMA wir in Emma-Herwegh Gymnasium umbenannt.

Ernst Moritz Arndt verschwindet vom Schulgebäude. Emma Herwegh ist die neue Namensgeberin.

Von Axel Richter

Remscheid. Aus EMA wird EMMA. Einstimmig bei einer Enthaltung von Waltraud Bodenstedt (W.i.R.) haben sich die Mitglieder des Schulausschusses am Mittwoch für Emma Herwegh als neue Namensgeberin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums ausgesprochen. Am Donnerstag dürfte der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates abschließend nicht anders entscheiden.

Damit soll die seit Jahren schwelende und immer wieder neu aufflammende Namensdebatte ihr Ende nehmen. Das hofft jedenfalls der Oberbürgermeister: „Ich möchte nicht, dass wir in ein paar Jahren neu darüber diskutieren“, erklärt Burkhard Mast-Weisz (SPD).

Wie schon Ende der 80er- und Mitte der 2000er-Jahre hatte die Schulkonferenz die Diskussion angestoßen. Der Freiheitskämpfer und Dichter Ernst Moritz Arndt, der von 1769 bis 1860 lebte, ist wegen franzosen- und judenfeindlicher Äußerungen umstritten. Die Schule, die nach ihm benannt ist, engagiert sich aber stark in der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit in der Zeit des Dritten Reiches. Unter anderem geht die Gedenkstätte Pferdestall für die Opfer des Nationalsozialismus in Remscheid auf das Engagement der Schüler- und Lehrerschaft zurück. Deshalb soll der Name Ernst Moritz Arndt vom Schulgebäude verschwinden. In Emma Herwegh fand die Schulkonferenz eine aus ihrer Sicht besser geeignete Namensgeberin. Sie lebte von 1817 bis 1904 und kämpfte für Frauen- und Freiheitsrechte.

SPD, Grüne, FDP, Linkspartei und CDU stellten sich Anfang September im Schulausschuss hinter die Forderung. Damit stand die Mehrheit für eine Umbenennung, die der Schulträger, also die Stadt Remscheid, zu treffen hat. Später, als eine öffentliche Diskussion entflammte, kamen der CDU Zweifel. Es habe intensive interne Diskussionen gegeben, wie CDU-Fraktionschef Markus Kötter im Vorfeld der entscheidenden Gremien-Sitzungen diese Woche festhielt.

Zwei Fraktionsmitglieder, die noch 2006 gegen eine Umbenennung stimmten, sind Kai Kaltwasser, Vorsitzender des Schulausschusses, und Karl Heinz Humpert, Vorsitzender des Kulturausschusses. Kaltwasser besuchte einst selbst das EMA und bekam die erste Namensdebatte Ende der 80er Jahre als Schüler mit. Damals, sagt er, wurde Ernst Moritz Arndt kurzerhand zum Vordenker der Nazis erklärt.

„Jetzt hat man einen Namen gefunden, der von vielen Bürgern belächelt wird.“

Karl Heinz Humpert (CDU)

Die heutige Schülergeneration argumentiere anders. „Sie setzt ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus und Nationalsozialismus und will nicht mit jemandem in Bezug stehen, der sich selbst antisemitisch geäußert hat.“ Das habe ihn überzeugt, sagt Kaltwasser.

Karl Heinz Humpert, einst Lehrer an einer anderen Schule, überzeugt das nicht. „Die Nazis haben sich auf Ernst Moritz Arndt berufen. Die Männer des 20. Juli aber auch“, sagt er. Schon das zeige seine Bedeutung für die deutsche Geschichte.

„Arndt ist eine historische Figur, die man in ihrer Zeit sehen muss“, sagt Humpert: „Ich hätte mir deshalb gewünscht, die Schule hätte ihren Namen behalten und die Schülerinnen und Schüler würden sich inhaltlich mit ihm auseinander. Und wenn es nicht anders geht, hätte man vielleicht einen echten Cut machen müssen“, sagt Humpert: „Jetzt heißt die Schule weiter EMMA, wenn auch mit zwei M. Aber man hat einen Namen gefunden, der von vielen Bürgern eher belächelt wird, weil die wenigsten mit Emma Herwegh etwas anzufangen wissen.“

Und dann sind noch diejenigen, die aus alter Verbundenheit ihrer EMA mit einem M nachtrauern. Doch auch Dr. Johannes Luckhaus, Vorsitzender der Freunde und Ehemaligen, konnte die CDU-Fraktion in der Namensdiskussion nicht auf seine Seite ziehen. Am Ende schlossen sich Karl Heinz Humpert und andere Gegner der Mehrheitsmeinung an.

Zerwürfnis

Der Namensstreit hat Wunden geschlagen. Schon zuvor hatte es Differenzen zwischen Schulleitung und Fördervereinsvorstand gegeben, mittlerweile haben sich beide nicht mehr viel zu sagen. Karl Heinz Humpert wirbt für eine Versöhnung: „Das sind Remscheider, die an ihrer alten Penne hängen“, sagt er über den Verein der Freunde und Ehemaligen. „Die Schule sollte auf sie zugehen.“

Standpunkt: Rückkehr zum Alltag

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Am Donnerstag lädt das EMA zum Pressegespräch. Es geht um den Ausbau der individuellen Lernförderung. Ein Thema, das für das steht, was ein Gymnasium auszeichnet. Die Schulentwicklung wird vorangetrieben. Davon werden Schüler und Pädagogen profitieren. Und nicht von der Diskussion um den Schulnamen, die am Ende die Züge eines verbissen geführten Glaubenskrieges annahm. Diese zerrte über zwei Monate an den Nerven aller Beteiligten, die einen langen demokratischen Prozess gegangen waren, sich aus triftigen Gründen intensiv Gedanken über einen Neuanfang ohne Ernst Moritz Arndt gemacht hatten. Ein paar Stunden nach dem Pressegespräch wird der Hauptausschuss einen Schlussstrich unter die Namensdebatte ziehen und mit überwältigender Mehrheit politisch das Engagement derjenigen unterstützen, die im Hier und Jetzt Schule mit Leben füllen. Danach kann das EMMA zum Alltag zurückkehren und störende Nebengeräusche ausblenden. Das ist gut so. Denn der Ruf des Gymnasiums hängt nicht davon ab, ob es ein zweites „M“ an der Gebäudefassade und im Briefkopf hinzubekommt.

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