Respekt und Vielfalt

Viel Engagement: Das bieten die Bewohner vom Mollplatz 3

Sie heißen Besucher willkommen und stehen für Respekt und Vielfalt: Jana Kawina (Aids-Hilfe), Giovanni Faruggia (D.I.G., vorn) sowie Dela Kirchner (Landfrauen) und Jürgen Heuser (Awo, im Hintergrund). Foto: Roland Keusch
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Sie heißen Besucher willkommen und stehen für Respekt und Vielfalt: Jana Kawina (Aids-Hilfe), Giovanni Faruggia (D.I.G., vorn) sowie Dela Kirchner (Landfrauen) und Jürgen Heuser (Awo, im Hintergrund).
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Awo, Aids-Hilfe, Deutsch-Italienische Gesellschaft, Landfrauen und Eritrean Community öffnen hier die Tür.

Remscheid. Es ist wie eine große WG, das Haus Mollplatz 3 in Lennep. Direkt neben der Lebenshilfe-Werkstatt befindet sich das verschieferte Haus, das nicht nur auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken kann, sondern so einigen eine Heimat bietet. Hier hilft man sich, hier ist jeder willkommen. Wir erklären, wer hinter der grünen Holztür wohnt.

Die Awo: Der älteste Bewohner ist wohl die Awo. „Sicher schon seit rund 25 Jahren“, sagt Jürgen Heuser. Die Awo bietet im Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss einen Seniorentreff: dienstags und mittwochs ab 14 Uhr. Zudem gibt es jeden zweiten Samstag im Monat Bingo, jeden vierten Samstag Kaffee. „Auch der Seniorentreff Hardtpark ist jetzt hier“, erklärt Heuser. Zudem sei man BBZ, also Beratungs- und Begegnungszentrum. Daher gibt es hier regelmäßig Informationen zu Pflege-, Verbraucher- und Gesundheitsberatung. Ehrenamtler Jürgen Heuser ist hier zudem der Hausmeister: „Ich habe das ganze Haus gestrichen“, erzählt er. Im Dachgeschoss hat er seine Werkstatt.

Deutsch-Italienische Gesellschaft (D.I.G.) Remscheid: Sie ist 2018 eingezogen. Die D.I.G. fördere die italienische Sprache und Kultur, aber unterstütze vor allem die Integration der Landsleute in die deutsche Gesellschaft, erklärt der Vorsitzende und Gründer Giovanni Farruggia. „Wir helfen ihnen, hier anzukommen.“ Das Programm sieht Förderkurse für Kinder vor, die Schwierigkeiten in der deutschen Schule haben, zudem Deutschkurse – für Erwachsene und für Kinder. Außerdem gibt es im Mollplatz 3 auch einen Italienischkurs für Deutsche. Im Saal stehen dazu Laptop und TV bereit. Im ersten OG hat Farruggia sein Büro, im 2. OG gibt es eine Bibliothek samt Tischen und Stühlen. „2017 haben wir mehr als 1000 bilinguale Bücher aus einer Schule in Köln geholt“, erzählt der Vorsitzende. Etwa 5000 Italiener lebten in Remscheid, schätzt er, alle gut integriert. Dazu hat die D.I.G. vermutlich beigetragen. „Wir haben zum Beispiel Führungen durch die Lenneper Altstadt gemacht, nach Schloss Burg oder Altenberg. Sie sollen die Stadt nicht nur kennen- sondern auch lieben lernen. Denn sie werden hier bleiben.“ In der Küche kann sich Farruggia sehr gut ein literarisches Café vorstellen.

Aids-Hilfe Wuppertal: Sie trägt zwar die Nachbarstadt im Namen, ist aber auch für Remscheid zuständig: die Aids-Hilfe Wuppertal. Jana Kawina ist froh, 2021 eine neue Heimat im Mollplatz 3 gefunden zu haben. „Ich hatte anderthalb Jahre gar keine Räume, dann kam ich erst bei Giovanni im Büro unter.“ Nun hat die gelernte Ergotherapeutin und Krankenschwester, die in Südafrika in HIV-Projekten gearbeitet hat, einen eigenen Raum. „Weil Jürgen dankenswerterweise unters Dach gezogen ist“, erzählt sie. Die Bewohner helfen sich eben gegenseitig. Den Beratungsraum hat sie hübsch eingerichtet – schließlich geht es hier um intime Dinge. Anonym, vertraulich und kostenlos bietet Jana Kawina HIV-, Syphilis- und Hepatitis-C-Tests an – nach Termin. „Das Ergebnis des Schnelltests gibt es in zehn Minuten.“ Zudem berät sie Betroffene sowie Angehörige. Ein großer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die sexuelle Bildung. In Schulen und Flüchtlingsunterkünften klärt sie zu geschlechtlicher Vielfalt auf. Kontakt: Tel. (01 76) 34 55 19 33.

Eritrean Community in Remscheid: Sie ist erst vergangenes Jahr eingezogen. Der Verein unterstützt geflüchtete Menschen durch Übersetzungshilfen oder Begleitung im Alltag, kümmert sich um Kinder und unter anderem um die Säuberung der Alleestraße. Der interkulturelle Austausch sowie die soziale Teilhabe ist den Mitgliedern um den Vorsitzenden Dawit Kuflu wichtig.

Landfrauen: Seit Herbst ist der Remscheider Ortsverband der Landfrauen dabei. „Für uns ist es super, weil wir hier eine große Küche haben“, sagt die Vorsitzende Dela Kirchner. Wegen Corona konnte bis auf eine Adventsfeier bislang nichts stattfinden. Kommende Woche Freitag, 18. März, 15 Uhr, geht es aber wieder los. Am 1. April wird gebastelt. Wer mitmachen möchte, melde sich an: Tel. 69 04 90. Der Austausch untereinander sei super, sagt Kirchner. „Wir haben auch schon mal für die Senioren der Awo gebacken. Und mit der D.I.G. könnten wir zum Beispiel mal italienisch kochen. Es gibt 1000 Ideen.“ Zudem stehe ein Kinderumweltprojekt gemeinsam mit der Awo in der Warteschleife.

Stadt Remscheid: Daniela Krein und Daniel Schmidt von der altengerechten Quartiersentwicklung der Stadt haben im Haus ebenfalls ein Büro.

Historie

Das verschieferte Haus Mollplatz 3 war einst das Verwaltungsgebäude der Firma Mühlinghaus. Eine Plakette des Bergischen Geschichtsvereins erinnert an der Mauer an diesen markanten Punkt der einstigen Tuchmacherstadt. Die Textilfabrik, die am Ende Unterwäsche in die ganze Welt exportierte, befand sich nebenan, wo heute die Lebenshilfe-Werkstatt untergebracht ist.

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