Gastronomie

Darum bleiben Restaurants in Remscheid manchmal dicht

Abibälle, Hochzeiten, Firmen-Events: Markus Kärst hat derzeit so viele Catering-Aufträge, dass sein Restaurant zu bleibt. Anderen Anbietern geht es kaum anders, sie berichten zum Teil aber auch schon von ersten Absagen aufgrund der unsicheren Lage.
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Abibälle, Hochzeiten, Firmen-Events: Markus Kärst hat derzeit so viele Catering-Aufträge, dass sein Restaurant zu bleibt. Anderen Anbietern geht es kaum anders, sie berichten zum Teil aber auch schon von ersten Absagen aufgrund der unsicheren Lage.

Hohe Nachfrage nach Catering sorgt für Lokalschließungen, die unsichere Lage für erste Absagen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ob Hochzeit, Firmenevent oder Geburtstagsfeier - wer in Remscheid in diesem Sommer die Dienste eines Catering-Unternehmens in Anspruch nehmen will, könnte Schwierigkeiten haben, freie Termine zu finden. „In diesem Jahr ist es der Wahnsinn“, sagt Markus Kärst vom Hotel-Restaurant Kromberg in Lüttringhausen. „Im Schnitt sagen wir derzeit jeden Tag fünf Anfragen ab.“ Doch angesichts der unsicheren Lage deutet sich bereits ein Stimmungsumschwung an.

„Wenn wir nicht öffnen, stehe wir nicht rum, im Gegenteil.”

Paul Clemens, Schützenhaus

Paul Clemens, Geschäftsführer des Schützenhauses, berichtet davon, dass bei ihm alle möglichen Termine bis Ende September bereits vergeben sind. Oder besser: waren. „Inzwischen gibt es nämlich die ersten Absagen.“ Preise für Lebensmittel, Energie und andere Posten steigen, Firmen wie Privathaushalte regieren darauf. „Ich kann mir vorstellen, dass einige dann lieber selber im eigenen Garten grillen“, sagt Clemens. So würden zumindest wieder einzelne Termine frei.

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Grundsätzlich gebe es aber gerade im privaten Bereich einen enormen Nachholbedarf nach mehr als zwei Jahren Corona, haben die Gastronomen beobachtet: „Da sind Hochzeiten bei, die sind schon zwei- oder dreimal verschoben worden”, sagt Clemens. Und weil die Fete zum runden Geburtstag ausfallen musste, „feiern die Leute halt jetzt ihren 41. oder 52. Geburtstag”, erklärt Kärst.

Hinzu kämen vermehrt Aufträge von Firmen. „Viele Unternehmen machen jetzt ein Sommerfest, nachdem es zwei Jahre keine Weihnachtsfeier gegeben hat”, sagt Kärst. Die Sorge vor eventuell steigenden Infektionszahlen im Herbst spiele dabei sicherlich auch eine Rolle, vermutet er.

Die Kehrseite der Catering-Medaille: Um die Aufträge bewältigen zu können, sperren die Gastronomen ihre Restaurants immer öfters zu. Als das Schützenhaus-Team vor zwei Wochen ein Firmenevent mit über 1000 Gästen gestemmt hat, blieb das Restaurant einige Tage dicht. Und am Veranstaltungstag auch das Mon Ami und die Klosterschänke, die zur gleichen Gruppe gehören. „Da haben wir das ganze Team zusammengezogen”, sagt Paul Clemens: „Für so eine Veranstaltung braucht man 80 bis 90 Mitarbeiter.”

So war das 11. Park Food Festival in Remscheid

Auch in Zukunft wird es weitere Schließungstage geben, kündigt der Geschäftsführer an, vor allem an Samstagen. Das handhaben andere Anbieter nicht anders: Auch Riemanns Küche in Lennep hat aktuell nur vier Tage pro Woche geöffnet.

Noch radikaler ist der Schritt, den Markus Kärst in Lüttringhausen gegangen ist, das À-la-Carte-Geschäft in seinem Hotel-Restaurant Kromberg ruht bis Ende Oktober. „Wir haben bei der Entscheidung sehr mit uns gehadert”, berichtet er: „Aber wir hatten keine andere Wahl.” Die Catering-Saison gehe bis Ende September. „Danach braucht das Team auch mal zwei Wochen Urlaub.”

Auch Paul Clemens wirbt für Verständnis bei den Restaurant-Gästen: „Wenn wir nicht öffnen, stehen wir nicht rum, im Gegenteil.” Jetzt das Catering-Geschäft mitzunehmen sei, gerade nach Corona, eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, die Schließung der Restaurants geschehe auch aus Rücksicht auf die Mitarbeiter. „Ohne die geht es nicht”, betont Clemens.

So biete die Verschiebung von à la carte Richtung Catering auch Vorteile, sagt Markus Kärst: „Für einen Familienvater in der Gastronomie ist das auch mal schön.” An manchen Tagen hätten Teile des Küchen-Teams seines Betriebes nun schon um 19 Uhr Feierabend. Statt wie sonst nach 22 Uhr.

Hintergrund

Laut Dehoga waren im März knapp über eine Millionen Menschen in Deutschland in der Gastronomie beschäftigt, mehr als 63 000 weniger als im März 2019.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Nicht vergraulen

sven.schlickowey@rga.de

Lust auf ein leckeres Essen im Lieblingsrestaurant - und der Laden hat ausgerechnet an diesem Tag einfach zu? Ganz schön ärgerlich, zugegeben. Doch was wäre die Alternative?

Unternehmen, die Catering-Aufträge flöten gehen lassen und so ihre wirtschaftliche Zukunft gefährden. Oder Mitarbeiter, die komplett ausgelaugt sind, weil sie nach sechs Stunden Event-Vorbereitung am Nachmittag abends noch das À la carte-Geschäft bis in die Nacht abwickeln.

Gastronomie funktioniert nur mit Menschen, die Spaß daran haben, Gastgeber zu sein. Das ist, nicht nur aufgrund der Arbeitszeiten, ohnehin schon nicht jedermanns Sache. Also sollten die, die noch Lust darauf haben, nicht mutwillig vergrault werden, weil man mehr von ihnen verlangt, als sie eigentlich leisten können. Sonst hat man irgendwann Lust auf ein leckeres Essen im Lieblingsrestaurant. Und das gibt es gar nicht mehr.

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