Corona-Krise

„Wir erfinden jeden Tag das Kita-Geschäft neu“

Neun Kindern in zwei Gruppen werden derzeit in der städtischen Kita Dicke Eiche betreut, darunter diese vier. Bei schönem Wetter überwiegend an der frischen Luft, so wollen es auch die neuen Regeln. Doch selbst dort ist an einen Mindestabstand meist nicht zu denken. Foto: Roland Keusch
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Neun Kindern in zwei Gruppen werden derzeit in der städtischen Kita Dicke Eiche betreut, darunter diese vier. Bei schönem Wetter überwiegend an der frischen Luft, so wollen es auch die neuen Regeln. Doch selbst dort ist an einen Mindestabstand meist nicht zu denken.
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Corona: Der Betreuungsbedarf in den Kindertagesstätten steigt – und gleichzeitig die Unsicherheit bei den Beschäftigten.

Von Andreas Weber

Remscheid. Zum xten Mal werden die Kindertagesstätten im Zuge von Corona vor neue Herausforderungen gestellt. Mit den schrittweisen Lockerungen, die das Land gerade ermöglicht, weichen die Einschränkungen für die Notbetreuung auf. Peter Nowack, der im Jugendamt den Kita-Bereich verantwortet, hat auch ohne die zusätzlichen Eltern, die seit gestern ihre Kinder in die Tagesstätte bringen dürfen, eine deutliche Zunahme in den Kitas in Remscheid registriert.

Von den 60 Kitas sind 39 zurzeit geöffnet. Waren es in den ersten Wochen um die 100 Kinder, die das eng gefasste Betreuungsangebot in Anspruch nahmen, waren es am Montag bereits 150 und Mittwoch 219 Kinder.

Dass die Zahlen vor der erweiterten Notfallbetreuung, die am Donnerstag in Kraft trat und weitere Berufsgruppen wie Steuerberater, Tierärzte, Hausmeisterdienste, Gebäudereiniger und Hersteller von Futter, Nahrungsmitteln und Textilien beinhaltet, nach oben schnellten, führt Nowack darauf zurück, dass viele Eltern, die von Beginn des Shutdowns an einen Anspruch gehabt hätten, sich in den ersten Wochen familiär irgendwie arrangiert hätten, nun jedoch an ihre Grenzen stießen. Ab Montag können zudem berufstätige Alleinerziehende das Angebot nutzen.

Wie viele weitere Eltern die Erklärung des Arbeitgebers über die Unabkömmlichkeit, die auf der städtischen Homepage hinterlegt ist, in Anspruch nehmen werden, muss sich in den nächsten Tagen zeigen. Nowack schätzt, dass dies nicht mehr allzu viele sein werden.

Dagegen ist die Verunsicherung in den Kitas schon jetzt enorm. Denn für Erzieher sieht der Gesetzgeber keinen Abstand vor. Sie zählen zu dem Personenkreis, der in einer Welt, die sich so gut es geht abschottet, ungeschützt seiner Tätigkeit nachgeht. In keinem anderen Beruf ist dies so extrem der Fall. Mit steigenden Kinderzahlen werden die Gruppengrößen, die strikt auf fünf begrenzt waren, aufgehoben.

„Es gibt nach oben bis zur Normalstärke einer Gruppe kein Limit mehr“, konstatiert Nowack anhand der neuesten Bestimmungen. So wird die ein oder andere Kita, die bislang nur in zwei Mini-Gruppen betreute, wieder auf die doppelte Gruppenstärke hochfahren müssen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Reicht dafür das Personal? Corona hat die Einrichtungen längst ausgedünnt: Schwangere, Vorerkrankte, Über-60-Jährige oder Mitarbeiter mit Familie, in denen Grunderkrankungen vorkommen, bleiben konsequent daheim. Ebenso wird jemand, den ein Husten plagt, nach Hause geschickt. „Im Moment habe ich noch genug Personal“, sagt Nowack. Kommen viele weitere Kinder, wie die „Schukis“, könnte es aber eng werden.

Der Schlüssel sieht nun für fünf Kinder U3 eine Erziehungskraft vor und für zehn Kinder Ü3 ebenfalls eine Kraft. Dazu muss die Kita-Leitung im Gebäude sein. Die neuen Bestimmungen sehen auch vor, dass möglichst viel Fachpersonal „assistiert“ und auf die Einhaltung der Hygiene-Regeln durch die Kinder achtet.

Während Hygiene an Bedeutung gewinnt, darf das, was die Kitas an pädagogischen Qualitäten auszeichnet, in der Krise außer Acht gelassen werden. „Die Aufsichtspflicht rückt in den Mittelpunkt“, meint Peter Nowack. Beim Personal stellt er Beratungsbedarf fest. „Viele wollen kreativ die schwierige Situation lösen, wissen aber nicht wie.“ Denn eins steht fest: „Distanz können wir vergessen.“

Remscheid: Der Mindestabstand gilt nur zu Eltern und Kollegen

Unter den Erziehern gilt der Mindestabstand, ebenso zu den Eltern, die ihre Kinder an der Eingangstür abgeben und abholen und von den Erziehern mit Mundschutz begrüßt werden. Masken für kleine Kinder werden als sinnlos erachtet, ebenso, dass Erzieher diese im Gruppenraum aufsetzen. Trotzdem bereiten sich die Einrichtungen vor, basteln Schutz selber. Peter Nowack prüft die Möglichkeit, ob Gesichtsschilder aus Acrylglas vielleicht eine Lösung sein könnten. Ob dies praktikabel im Alltag ist, muss sich erweisen. Tendenz: wohl eher nicht. „Im Prinzip“, sagt Nowack, „erfinden wir gerade jeden Tag das Kita-Geschäft neu“.

Und die Klärung weiterer Fragen steht an: Wie geht es mit den Elternbeiträgen weiter, die für April ausgesetzt wurden? Werden die Sommerschließungszeiten in den Kitas 2020 aufgehoben?

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

NOTBETREUUNG

REGELN Um das Risiko einer Ansteckung unter den Kindern so gering wie möglich zu halten, gelten in den Kitas derzeit besondere Regeln. Halten sich die Kinder in der Gruppe auf, soll zum Beispiel regelmäßig gelüftet werden. Besser noch soll die Betreuung im Freien stattfinden. Masken sind für Kinder ausdrücklich nicht vorgesehen. Auch weil die Gefahr besteht, dass die Kleinen sie untereinander tauschen.

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