Coronavirus

Schwarzarbeit setzt Friseure unter Druck

Gudrun Sommerkorn und das Gros aller Friseure steht hinter den Corona-Schutzmaßnahmen. Dass einige wenige sie unterlaufen, macht die Innungsobermeisterin jedoch „wütend, sehr wütend“. Foto: Roland Keusch
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Gudrun Sommerkorn und das Gros aller Friseure steht hinter den Corona-Schutzmaßnahmen. Dass einige wenige sie unterlaufen, macht die Innungsobermeisterin jedoch „wütend, sehr wütend“.
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Die Salons müssen geschlossen bleiben, doch Illegale ziehen mit der Schere von Haus zu Haus.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Ohren sind schon bedeckt wie früher die von Sascha Hehn, und im Nacken wellen sich die Locken wie die von Rudi Völler. Aber es gibt auch Remscheider, die kommen frisch frisiert daher. „Das fällt schon auf“, sagt Gudrun Sommerkorn, Friseurmeisterin und Obermeisterin der Friseurinnung Remscheid. Wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen muss sie ihren eigenen Salon an der Nordstraße seit dem 16. Dezember im Corona-Lockdown geschlossen halten. Dabei weiß sie von Friseurinnen, die die Kunden zum Haareschneiden im eigenen Wohnzimmer empfangen. „Wenn ich daran denke, werde ich wütend“, sagt Gudrun Sommerkorn, „sehr wütend“.

Tatsächlich, das weiß auch die Obermeisterin, ist Schwarzarbeit in Form von Hausbesuchen ein bekanntes Phänomen in der Branche. Jetzt aber tut das illegale Nebengeschäft den kleinen Unternehmen besonders weh. Gudrun Sommerkorn beschäftigt zwei Mitarbeiterinnen, hat eine Auszubildende. Es gibt Kurzarbeitergeld. Dazu versprachen die Politiker finanzielle Hilfen. November- und Dezemberhilfen. Doch im Salon an der Nordstraße ist noch nichts angekommen.

„Was über der Badewanne geschieht, ist schwer zu kontrollieren.“
Jürgen Beckmann, Ordnungsamt

Und in den anderen Betrieben auch nicht. „Die Situation bei den Friseuren ist sehr schwierig“, weiß Fred Schulz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. 33 Betriebe gehören dem Verband an, viele andere nicht. Für alle sei es wichtig, dass sie nach dem 14. Februar ihre Türen wieder öffnen dürfen. Wenn sie es denn dürfen und der Corona-Lockdown nicht ein weiteres Mal verlängert wird. Für den Fall gibt Fred Schulz eine düstere Prognose ab: „Dann werden wir eine Welle von Insolvenzen erleben.“

Licht an, bevor das Licht ganz ausgeht“, fordern die bundesweit 80 000 Friseure deshalb und sind von ihren Innungen dazu aufgerufen, in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar das Licht in ihren Salons einzuschalten. Dabei werden sie nicht selten in Versuchung gebracht: „Können Sie nicht doch? Mal eben die Haare schneiden? So kann ich doch nicht herumlaufen.“ Das sind Sätze, die sie derzeit häufig zu hören bekommen.

Die allermeisten Friseure lehnen solche Betätigungsofferten ab. Oder sie wissen ihre illegale Dienstleistung gut zu verbergen. Jedenfalls ist im zweiten Lockdown noch kein einziger Friseur wegen Schwarzarbeit aufgeflogen.

Wer auffliegt, muss mit einem Bußgeld von 1000 Euro rechnen. Doch das Risiko hält sich in Grenzen. Denn: „Was bei Hausbesuchen oder über dem Badewannenrand geschieht, ist für unsere Teams nur schwer zu kontrollieren“, sagt Jürgen Beckmann, Leiter der Remscheider Ordnungsamtes. Leichter hatten es seine Leute vom Ordnungsdienst in der ersten Viruswelle. Da machten sie den ein oder anderen Betrieb dicht. Die Barbiere trugen keine Maske und die Liste ihrer Kunden zur Nachverfolgung der Infektionsketten hatten sie nicht geführt.

Gudrun Sommerkorn findet jene, die an einem einzigen Arbeitstag gleich mehrere Haushalte besuchen, um dort mit der Schere zu schnippen, nicht weniger unverantwortlich: „Die füllen sich die Taschen und riskieren die Gesundheit der Menschen.“

Das weiß auch Horst Schwarzweller, der beim Ordnungsamt für die Bekämpfung der illegalen Beschäftigung zuständig ist. „Die Schwarzarbeit blüht“, sagt er unumwunden. Übrigens nicht nur im Friseurgeschäft. „Die Menschen waren nicht im Urlaub und haben viel Geld übrigen. Derzeit wird viel im Haus gemacht.“ Viel Zeit zu kontrollieren, wer da im einzelnen am Werk ist, haben seine Mitarbeiter nicht. Sie sind vollauf mit der Kontrolle der Maskenpflicht beschäftigt.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Corona-Tote

Die Zahl der Corona-Toten ist weiter gestiegen. Eine 69- und eine 85-jährige Remscheiderin sind an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. 30 mit dem Corona-Virus infizierte Menschen sind im Krankenhaus, sechs sind intensivpflichtig. Davon werden 5 beamtet.

Standpunkt

axel.richter@ rga-online.de

Ein Kommentar von Axel Richter

Die Remscheider sind geduldig und folgen in ihrer großen Mehrheit auch den jüngsten Ansagen von Bund und Ländern im Kampf gegen Corona. Auch der Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske kommen sie nach. So kommt es, dass der Kommunale Ordnungsdienst und auch die Polizei nicht mehr Anzeigen schreiben müssen, als vor den jüngsten Verschärfungen der Corona-Schutzmaßnahmen. Das ist gut so. Aber auch erstaunlich. Erstaunlich vor allem deshalb, weil die Regierenden in Bund und Land ihren Versprechen und Zusagen in der Coronabekämpfung den Menschen schuldig bleiben. Auch am Dienstag erreichten den RGA wieder viele Anrufe verzweifelter und verärgerter Senioren, die bei ihren Versuchen, einen Impftermin zu ergattern, buchstäblich vor die Pumpe laufen. Weil ihre Anrufe nicht durchkommen, weil Programme nicht funktionieren oder gar nicht implementiert sind und was es noch für Fehlermeldungen gibt. Die Auskunft, den nächsten freien Impftermin gebe es erst wieder im Januar 2026 ließe einen laut auflachen, wenn es nicht so traurig wäre, wie mit den Sorgen und Ängsten alter Menschen umgegangen wird.

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