Pandemie

Ohne Maske? Lehrer haben ungutes Gefühl

Ab dem 2. November sollen die Masken fallen. Noch sind sie auch am Leibniz im Unterricht von Matthias von Dreusche Pflicht. Foto: Roland Keusch
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Ab dem 2. November sollen die Masken fallen. Noch sind sie auch am Leibniz im Unterricht von Matthias von Dreusche Pflicht.

Ab Dienstag sollen Lockerungen im Unterricht greifen. Für Schulleiter und Schuldezernent kommt das zu einer Unzeit.

Von Alexandra Dulinski und Andreas Weber

Remscheid. Seine Sechstklässler hat Stephan Döring im Klassenraum noch nie ohne Maske gesehen. Seit über einem Jahr unterrichtet der Leiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums (GBG) die 30 Schüler in Deutsch und Politik. Allein deshalb freut sich Döring riesig, dass er ab 2. November nicht mehr in verhüllte Gesichter blickt. Dass der Maskenzwang an diesem Tag fallen wird, sorgt aber am GBG für gemischte Gefühle.

Der Wegfall polarisiert. „Die einen sagen Gott sei Dank, die anderen um Gotteswillen“, berichtet Stephan Döring. Letzteres, weil die Inzidenzen wieder nach oben schießen, viele Jugendliche betroffen und nicht geimpft sind. „Die Sorge, dass es zu vermehrten Ansteckungen kommt, habe ich auch, obwohl ich mich über mehr Normalität freue“, sagt der GBG-Leiter.

Bislang kam seine Schule glimpflich davon. Nach den Sommerferien zeigten fünf Schüler bei den dreimal wöchentlichen Schultests ein positives Covid-Ergebnis, niemand jedoch steckte einen Mitschüler an. „Wenn es jetzt positive Fälle gibt, kann es kritisch werden. Dann muss vielleicht nicht nur der Infizierte in Quarantäne, sondern sein ganzes Umfeld. Das wäre für die Oberstufe toxisch“, befürchtet Döring.

„Ich werde den Schülern klarmachen, dass jeder seine Maske weitertragen darf.“

Dr. Thomas Giebisch, Leibniz-Gymnasium

Die Oberstufenschüler haben wegen des Kurssystems ständig wechselnde Mitschüler. Döring will deshalb beim Gesundheitsamt nachfragen, wie es zu verfahren gedenkt. Dort erklärte Jens Pfitzner, stellvertretender Fachdienstleiter, auf Nachfrage: Eine Regelung, wer nach dem 2. November bei einem positiven Test in Quarantäne muss, gibt es noch nicht.

Viele Schulen haben jedoch vorgesorgt und zum Beispiel Zweier-Sitzbänke statt Gruppentische zusammengestellt. Die wegfallende Maskenpflicht sieht Pfitzner deshalb unkritisch. Die Gefahr, sich außerhalb der Schule bei Freunden und Familie anzustecken, sei viel größer als in der Schule, schätzt er.

Für den Remscheider Schul- und Gesundheitsdezernenten Thomas Neuhaus (Grüne) kommt die Lockerung dagegen zur Unzeit. „Dass die Infektionszahlen jetzt steigen, war absehbar. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir deshalb noch zwei Wochen gewartet und würden die Masken in den Schulen erst abnehmen, wenn die nächste Welle abebbt“, sagt Neuhaus, der zugleich Leiter des Corona-Krisenstabes ist. Dass von den 24 Neuinfektionen des Dienstages genau die Hälfte bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen wurde, sei schließlich kein Zufall.

Remscheid: In der Oberstufe am Leibniz-Gymnasium ist die Impfbereitschaft hoch

Das sehen viele Schulleiter nicht anders. Die Inzidenzen steigen wieder, die Ferien sind gerade erst vorbei. Zudem steht der Winter vor der Tür, es wird kälter, die Grippe grassiert. „Dass es sinnvoll ist, in so einem Moment die Maske abzuschaffen, halte ich für fragwürdig“, sagt Dr. Thomas Giebisch, Direktor des Leibniz-Gymnasiums in Lüttringhausen.

Grundsätzlich sei die Idee, die Masken abzuschaffen, aber richtig, sagt Giebisch. Denn die Maske beeinträchtigt – im sozialen Miteinander, aber auch bei der Kommunikation im Unterricht. Oft muss etwas wiederholt werden, weil die Maske die Stimme dämpft. Auch fehlt die Mimik. „Sinnvoll wäre es, die Reiserückkehrer abzuwarten und zum 1. Dezember zu entscheiden“, sagt Giebisch.

Am Leibniz haben die Impfungen Fahrt aufgenommen, gerade in der Oberstufe sei die Impfbereitschaft hoch. „Das muss seinen Wert haben“, erklärt der Direktor. „Ich werde den Schülern klarmachen, dass jeder seine Maske weitertragen darf, aber nicht muss. Keiner ist besser oder schlechter, wenn er sie aufbehält.“ Giebisch selbst wird zur Maske greifen, sollten zu viele Corona-Fälle auftauchen.

An die Freiwilligkeit appellieren möchte Heike Wiegand, Leiterin der Nelson-Mandela-Schule. Einerseits möchte sie ihren Schülern ohne Maske begegnen, andererseits habe sie die Verantwortung für den größtmöglichen Schutz der Kinder. „Als die Verfügung bekannt wurde, waren die Inzidenzen so niedrig, dass man das gut vertreten konnte. Jetzt bin ich hin und her gerissen.“

Wiegand stellt auch fest: „Unsere Schüler hatten keine großen Probleme mit der Maske.“ Masken müssen seit längerem nicht mehr auf dem Schulhof getragen werden. „Wir haben aber einen relativ kleinen Pausenhof, der schnell voll ist. Wenn wir als gutes Vorbild agieren und Masken tragen, können wir das auch auf den Unterricht beziehen.“

Die Lage

Am Dienstag meldete das Gesundheitsamt 24 Neuinfektionen in Remscheid. Die Gesamtzahl nahm um drei ab. Die Kliniken vermelden sieben Patienten mit Covid-19. Einer befindet sich auf der Intensivstation. Die Stadt nennt die die Lage insgesamt entspannt.

Standpunkt

Kommentar von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@rga.de

Ein Ende der Maskenpflicht in Schulen ist grundsätzlich eine gute Idee. Viel zu lang schon mussten die Schüler unter der Corona-Pandemie leiden. Und zu oft waren sie es, die in der Pandemie zurückstecken mussten. Wieso dürfen Menschen im Club ohne Abstand und ohne Maske – bloß mit einem Schnelltest getestet – die Nacht zum Tage machen? Wieso sollte dort ein Unterschied zu Schülern gemacht werden, die regelmäßig Tests in der Schule durchführen? Eindeutig werden hier die Prioritäten falsch gesetzt. In der Bildung werden weiter Abstriche gemacht, während im Freizeitbereich wieder das bunte Leben herrscht. Nichtsdestotrotz ist der Zeitpunkt für das Ende der Maskenpflicht denkbar ungünstig. Die Ferien sind gerade erst vorbei. Noch ist unklar, ob die Reiserückkehrer das Coronavirus nach Remscheid mitgebracht haben. Zudem steigt die Inzidenz wieder an. Die Welle nach den Herbstferien abzuwarten, wäre sinnvoll. Denn die Maske erst abzuschaffen, um sie dann in ein paar Wochen wieder zur Pflicht zu machen, wäre für alle mehr als frustrierend.

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