Bildung

Lehrer stehen ratlos vor Klassenarbeiten

Dr. Thomas Giebisch, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, plant Klassenarbeiten im Wechselunterricht. Foto: Doro Siewert
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Dr. Thomas Giebisch, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, plant Klassenarbeiten im Wechselunterricht.

Bis zu den Sommerferien müssen die Leistungen der Schüler überprüft werden.

Von Alexandra Dulinski

Mathe, Deutsch, Englisch – normalerweise dreht sich das Leben von Schülern um diese Fächer, lernen sie doch für die regelmäßigen Klassenarbeiten. Sitzen die Schüler aber nun zu Hause, können sie keine Arbeiten schreiben. Die Schulleiter der Remscheider Schulen blieben in den vergangenen Wochen überwiegend ratlos zurück – und sind es immer noch.

Ein Erlass des Schulministeriums regelt nun die Zahl an notwendigen Klassenarbeiten neu. Denn noch vor den Osterferien galt die Regel, in der Sekundarstufe I pro Fach jeweils zwei Klausuren zu schreiben. Durch den anhaltenden Distanzunterricht sei das aber nicht zu schaffen, berichtet Dr. Thomas Giebisch, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums. „Das hat uns wahnsinnige Bauchschmerzen gemacht“. Nun müssen die Schülerinnen und Schüler nur noch eine Klassenarbeit bis zu den Sommerferien schreiben.

„Das hat uns wahnsinnige Bauchschmerzen gemacht.“

Dr. Thomas Giebisch, Leibniz-Gymnasium

„Das ist der Wunsch vieler Schulleiter gewesen. Das stellt uns aber weiter vor Herausforderungen. Wann bekommen wir die Schüler wieder zu sehen?“, fragt Giebisch. Die eine Klassenarbeit darf durch eine alternative Leistung ersetzt werden, beispielsweise durch eine Projektarbeit oder eine mündliche Prüfung in den Fremdsprachen.

Die schriftliche Prüfung kann so komplett ersetzt werden. „Wir versuchen, davon Gebrauch zu machen“, sagt Giebisch. Denn jede Klassenarbeit, die wegfalle, erleichtere den Gesamtplan. So wird beispielsweise in der 7. Klasse ein Freiarbeitsprojekt zum Thema Suchtprophylaxe per Videokonferenz präsentiert. Sollten die Schüler vor den Sommerferien wieder in die Schule kommen dürfen, will Giebisch ein neues Konzept einführen: Klassenarbeitstage. „Dann schreiben alle Klassen in allen Stufen ihre Mathearbeiten an einem Tag. Und drei Tage später schreiben alle Deutsch“, erklärt er. Der restliche Unterricht entfalle für die Zeit. „So haben wir die nötige Ruhe, den Platz und das Personal.“ Morgens kämen dann die jüngeren Schüler in die Schule, mittags die älteren. „Die ganze Schule wird an dem Tag vorbeikommen, aber im Wechsel“, sagt Giebisch.

Das funktioniert aber nur, wenn Wechselunterricht noch mal möglich sein sollte. Andernfalls brauche es neue Bestimmungen der Landesregierung, sagt Giebisch.

Das Kollegium der Hauptschule Hackenberg setzt indes beinahe komplett auf alternative Leistungen. In wenigen Klassen sind schon vor den Osterferien Arbeiten geschrieben worden, erklärt Schulleiterin Elke Simon. Dort müssen keine weiteren mehr stattfinden. Simon: „Die Kollegen sind sehr kreativ.“ So behandelt Birgit Karrenbauer-Mayerhofer in ihrem Deutschunterricht eine Lektüre. Die Schüler reichen dann ein Lesetagebuch ein, anstatt eine Klassenarbeit zu schreiben. „Wir sind noch relativ ratlos“, gibt sie allerdings mit Blick auf die Umsetzung der Vorgaben zu.

Auch Jörg Bergemann, Direktor der Albert-Schweitzer-Realschule, weiß noch nicht, wie es weitergehen soll. „Wir würden gerne planen“, sagt er. Vieles hänge aber davon ab, wie sich die Inzidenzen entwickeln. Sollten die Schüler noch einmal in die Schule zurückkehren, habe das Thema Klassenarbeiten aber nicht die höchste Priorität. „Vorher muss Unterricht stattgefunden haben. Wir müssen schauen, wie der Leistungsstand der Kinder ist“, erklärt er. Geplant wird daher erst, wenn er absehen könne, wann die Kinder zurückkommen.

Knapp zwei Monate bleiben noch bis zum Beginn der Sommerferien. Arbeiten zu schreiben, damit sei es nicht getan, sagt Thomas Giebisch. Denn die Lehrer brauchen auch die Zeit, sie zu korrigieren. „Daraus ergeben sich durchaus noch andere Komplikationen“, sagt er. Denn die Wochen bis zu den Ferien kann nicht ausschließlich mit Klassenarbeiten verbracht werden – davor liegen die Korrekturzeiten und Zeugniskonferenzen.

Hintergrund

Auf Anfrage des RGA beim Schulministerium erfolgte eine ausführliche Antwort zur Umsetzung der neuen Regelung, von denen beispielsweise Abschlussklassen ausgenommen sind. Auf die Frage, was passiert, wenn die Schüler im Distanzunterricht verbleiben, äußerte sich das Ministerium nicht. „Solange an einer Schule ausschließlich Distanzunterricht erteilt wird, können in der Regel keine Klassenarbeiten in der Primarstufe bis zur Klasse 9 geschrieben werden“, heißt es lediglich dazu aus dem Schulministerium.

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