Pandemie

Laden offen, doch die Kunden bleiben aus

Melanie Rothe darf ihren Unverpackt-Laden an der Hindenburgstraße zwar öffnen, doch viele Kunden kommen derzeit nicht. Ihr geht es wie vielen Einzelhändlern, die erhebliche Umsatzeinbußen verkraften müssen. Foto: Roland Keusch
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Melanie Rothe darf ihren Unverpackt-Laden an der Hindenburgstraße zwar öffnen, doch viele Kunden kommen derzeit nicht. Ihr geht es wie vielen Einzelhändlern, die erhebliche Umsatzeinbußen verkraften müssen.

Auch geöffnete Geschäfte leiden unter dem Corona-Lockdown.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Lockdown wurde verlängert. Und damit auch die Schließung des Einzelhandels. Denn eigentlich haben alle Läden zu – Ausnahmen gibt es nur für Geschäfte, die Waren des täglichen Bedarfs, vor allem Lebensmittel, verkaufen. So blicken Mode-, Haushaltswaren- und Spielzeughändler weiterhin neidisch auf ihre Lebensmittel-Kollegen. Doch auch die sind mit der Situation nicht immer glücklich. Denn ein offener Laden bedeutet noch lange keinen Umsatz.

„Derzeit geht es so gerade eben noch“, beschreibt zum Beispiel Michael Redding die Situation. Der Inhaber von Wursthaus König betreibt 22 Filialen. Meist an Standorten, die zu normalen Zeiten viel Laufkundschaft bieten. Doch genau die bleibt derzeit aus. In der Folge seien die Umsätze mit Wurstwaren um 40 Prozent eingebrochen, berichtet Redding. „Und die Imbiss-Umsätze um 90 Prozent.“

Ähnliches berichtet auch Thorsten Heidenpeter-Wader, Geschäftsführer der Bäckerei Beckmann: „Die Kunden, die sich auf dem Weg zur Arbeit ein belegtes Brötchen und einen Becher Kaffee holen, sind komplett weggefallen.“ Gleiches gelte für den Café-Umsatz. Der Snackbereich, sonst besonders margenträchtig, habe rund 90 Prozent eingebüßt, schätzt er.

„Es ist insgesamt viel zu wenig los.“
Melanie Rothe

Anfangs habe man noch gedacht, dass betreffe nur die Niederlassungen in den Innenstädten, sagt Heidenpeter-Wader. „Doch da wurden wir nach 14 Tagen eines Besseren belehrt.“ Denn nicht nur die Citys sind leer, auch außerhalb ist weniger los. Eine Erfahrung, die auch Melanie Rothe mit ihrem Unverpackt-Laden an der Hindenburgstraße machen musste: „Der Januar ist echt bitter“, sagt sie mit Blick auf die derzeitige Entwicklung.

Vor allem, dass das gegenüberliegende Gertrud-Bäumer-Gymnasium quasi zu ist, wirke sich negativ aus, sagt Rothe. Aber auch andere umliegende Geschäfte und Firmen seien geschlossen oder nur eingeschränkt in Betrieb. „Es ist insgesamt viel zu wenig los.“ Zudem würden viele Stammkunden jenseits der 60 zu Hause bleiben.

Zwar berichten einige auch von positiven Entwicklungen – Neugierige, die zum ersten Mal einen Unverpackt-Laden besuchen, und gestiegene Brötchen-Absätze, weil mehr zuhause gefrühstückt wird –, auffangen kann das die Einbrüche aber nicht. „Wir haben eine leichte Steigerung bei Brot und Brötchen“, sagt Heidenpeter-Wader. „Aber das gleicht das niemals aus.“

Trotz der niedrigeren Umsätze bleibt meist keine andere Chance, als weiter zu öffnen. Denn wer freiwillig schließt, bekommt vermutlich nur einen Teil der Fixkosten aus Staatshilfen erstattet. Oder vielleicht auch gar nichts. Wohin das führen kann, zeigt die Deutschen Confiserie Holding. Das Hannoveraner Unternehmen, das mit einer Hussel-Filiale im Allee-Center vertreten ist, meldete gerade Insolvenz an. Obwohl alle Läden geöffnet sind. In menschenleeren Innenstädten und mit Kunden, die oftmals andere Sorgen haben dürften, war offensichtlich einfach nicht genug Umsatz zu machen.

Auch Melanie Rothe macht keinen Hehl daraus, dass sie sich derzeit vor allem mit ihren Jobs als Coach und Therapeutin über Wasser hält. Während das Wursthaus König von den guten Ergebnissen der Vorjahre zehrt, wie Michael Redding berichtet. Zudem machen viele Filialen früher zu: „Nachmittags reißt das ab, da können wir auch schließen.“

Die Bäckerei Beckmann hat das Sortiment ein wenig gestrafft, das schaffe „ein wenig Luft in der Produktion“, wie Geschäftsführer Heidenpeter-Wader sagt. Erneut in Kurzarbeit zu gehen, wie im Frühjahr, schließt er hingegen aus – aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. „Wir müssen alle zusammen den Gürtel enger schnallen“, sagt er. „Wenn wir alle zusammenhalten, kommen wir da durch.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Hintergrund

Laut Coronaschutzverordnung ist der Einzelhandel geschlossen, Ausnahmen gelten nur für Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Reformhäuser, Sanitätshäuser, Babyfachmärkte, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen, Kioske und Zeitungsverkaufsstellen, Futtermittel- und Tierbedarfsmärkte.

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