Pandemie

Friseure freuen sich über erste Freiheiten für Geimpfte und Genesene

Friseurin Anja Isler kann jetzt auch Kunden ohne negativen Schnelltests bedienen. Foto: Doro Siewert
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Friseurin Anja Isler kann jetzt auch Kunden ohne negativen Schnelltests bedienen.

Genesene und Geimpfte brauchen künftig keinen Schnelltest mehr – Innung begrüßt die neuen Regeln

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Seit gut einer Woche muss, wer sich die Haare schneiden lassen möchte, seinem Friseur einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen. Das hat zu viel Bürokratie und einem deutlichen Mehraufwand in den Salons geführt. Gudrun Sommerkorn, Obermeisterin der Friseur-Innung Remscheid, begrüßt daher die neue Regelung, dass vollständig geimpfte und bereits genesene Menschen einen solchen Test nicht mehr vorweisen müssen. „Das ist sehr erfreulich“ – aus kaufmännischer Sicht, sagt sie. „Es schlagen ja zwei Seelen in meiner Brust. Die Ängstliche, Vorsichtige und das rein kaufmännische Denken.“

In der vergangenen Woche haben die Friseure die Auswirkungen der Testpflicht zu spüren bekommen. „Viele Kunden haben ihren Termin nicht wahrgenommen“, berichtet Friseurin Anja Isler. Viele Telefonate mit Kunden drehen sich nur noch um Testfragen. Sie macht teilweise selbst Termine für ihre Kunden im Testcenter aus, wenn diese die Möglichkeit dazu nicht haben. An der Salontür muss Anja Isler die Tests dann auf Datum und Uhrzeit kontrollieren. „Der Aufwand ist schon groß. Die Kunden schreckt das ab“, sagt sie. Die Folge: Im März waren die Friseure gut besucht, im April kamen bereits weniger Kunden. „Aber die vergangenen zwei Wochen sind schon sehr ruhig“, sagt Isler. Durch ständig neue Regelungen seien die Kunden zudem verunsichert.

Ähnliches berichtet Gudrun Sommerkorn. „Die Menschen sind total irritiert, weil jede Kommune ihre eigenen Regeln hat“, sagt sie und spricht von einem „Dschungel an Verordnungen.“ Ein Termin beim Friseur verlange viel Vorabplanung, damit der 24-Stunden-Zeitraum für den Termin reiche. Auch die Frage, was passiert, wenn der Termin innerhalb des 24-Stunden-Zeitfensters angetreten wird, aber länger dauert, sei dabei bereits aufgekommen, aber ungeklärt geblieben. Von den Testergebnissen müssen Fotokopien angefertigt werden. „Keiner geht mehr mit Unbefangenheit zum Friseur“, sagt Gudrun Sommerkorn.

Seit Montag ersetzt eine nachgewiesene Immunisierung in NRW den Nachweis über ein negatives Testergebnis. Dennoch sei auch für die Gruppe der Immunen die FFP2-Maske unerlässlich, sagt Sommerkorn. „Das Risiko ist geringer, aber immer noch vorhanden. Diese Sicherheit ist trügerisch“, sagt Sommerkorn. Durch die Auflagen, sich Ergebnisse und Ausweise zeigen und Rückverfolgungsdokumente unterschreiben zu lassen, fällt „viel, viel Mehraufwand als im normalen Alltagsgeschehen an,“ sagt sie.

„Keiner geht mehr mit Unbefangenheit zum Friseur.“

Gudrun Sommerkorn, Innung

Die Folge: „In ganz vielen Bereichen wird das die Schwarzarbeit fördern“, schätzt die Obermeisterin. Sie appelliert deshalb an die Remscheider: „Unterstützen Sie bitte Ihren Friseur.“ Das sei Solidarität mit jenen, die es momentan besonders schwer hätten. Sie wünscht sich außerdem, dass Friseure vorzeitig geimpft werden, denn der Abstand zum Kunden sei gering.

Stichprobenartig wird in den Friseursalons der Stadt kontrolliert, berichtet Jürgen Beckmann, Leiter des Ordnungsamtes. „Durch die neuen Möglichkeiten ist es ja freier und nicht enger geworden“, sagt er. In der Vergangenheit sei überprüft worden, ob die Personenanzahl im Salon eingehalten und Masken getragen werden.

Ob die Kunden einen Schnelltest vorweisen können, hat das Ordnungsamt bislang nur sporadisch kontrolliert. „Es ist die Sorgfaltspflicht des Friseurs, nur Kunden in den Salon zu lassen, die eine der Voraussetzungen erfüllen“, sagt Beckmann – also entweder negativ getestet, geimpft oder genesen sind.

Der Geimpfte legt seinen Impfausweis vor. Wie aber weist der Genesene nach, dass von ihm keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht? Wer Covid-19 hatte, hat auch eine Infektionsbescheinigung bekommen. Wer die nicht mehr besitzt, kann einen Ersatz beim Gesundheitsamt anfordern. In mehr als 90 Prozent der Fälle konnten Testergebnisse ausgestellt werden, sagt Jens Pfitzner, Arzt und zuständig für die Kontaktnachverfolgung beim Gesundheitsamt.

Regelung

Eine Befreiung der Testpflicht besteht durch

den Nachweis einer vor mindestens 14 Tagen abgeschlossenen vollständigen Impfung gegen Covid-19,

den Nachweis eines positiven PCR-Testergebnisses, das mindestens 28 Tage sowie maximal sechs Monate zurückliegt,

den Nachweis eines positiven Testergebnisses in Verbindung mit dem Nachweis der mindestens 14 Tage zurückliegenden Verabreichung mindestens einer Impfstoffdosis.

Informationen zu den Bereichen, in denen die Testpflicht wegfällt, gibt es unter

https://t1p.de/fby3.

Standpunkt

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Dass vollständig geimpfte und genesene Personen künftig bei Dienstleistungen keinen Schnelltest mehr brauchen, erleichtert die Arbeit vieler Friseure. Das Beispiel Anja Isler zeigt, dass es nicht unbedingt damit getan ist, Bescheinigungen zu kontrollieren. Denn zu den Kunden zählen viele ältere, nicht internet-affine Menschen, für die die Friseurin selbst Termine im Testzentrum ausmachen muss. Das ist mitunter umständlich und kostet zusätzliche Zeit – oder schreckt Kunden gar ab, ihren Termin wahrzunehmen. Aus kaufmännischer Sicht können die Friseure allerdings jeden einzelnen Kunden momentan gut gebrauchen. Aus der neuen Regelung ergibt sich auch ein Vorteil für die Nicht-Geimpften: Muss nicht mehr jeder einen Schnelltest vorab machen, werden die Testzentren entlastet. Der Nicht-Geimpfte kann so vielleicht auch einmal spontan im Testzentrum aufschlagen oder seinen Termin im Internet kurzfristiger buchen. Somit wird auch den Nicht-Geimpften das Testen lassen erleichtert.

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