Pandemie

Digitaler Impfpass passt in die Hosentasche

Apotheker Henning Denkler sieht den Digitalen Impfpass als Zusatz. Auf den Papiernachweis sollten die Remscheider in den ersten Wochen nicht verzichten. Fotos: Doro Siewert/Oliver Berg/dpa
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Apotheker Henning Denkler sieht den Digitalen Impfpass als Zusatz. Auf den Papiernachweis sollten die Remscheider in den ersten Wochen nicht verzichten.

Das Dokument auf dem Smartphone bietet Komfort – Der Papier-Impfpass ist weiterhin gültig

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Wer den gelben Impfpass versehentlich auf dem heimischen Küchentisch hat liegen lassen, muss sich zukünftig keine Sorgen mehr machen, irgendwo nicht reinzukommen: Seit Montag gibt es den Digitalen Impfpass. Das Prinzip, wie Geimpfte an den Ausweis kommen, ist einfach: Der Geimpfte bringt seinen gelben Impfausweis oder sein Impfzertifikat sowie seinen Personalausweis mit in eine Apotheke. „In der Apotheke checken wir, ob alles plausibel ist, um Fälschungen auszuschließen“, erklärt Henning Denkler, Pharmazeut und Remscheider Sprecher des Apothekerverbandes Nordrhein. So freut sich RGA-Leser Dennis Sauer, nun den digitalen Impfpass im Smartphone in den Händen zu halten. „Das war sehr gut organisiert. Die Apotheker sind alle sehr ruhig und entspannt“, berichtet er von seiner Erfahrung am Hasten. Die Codes einzuscannen, sei ganz leicht und auch für ältere Menschen einfach zu handhaben.

„Das Digitalisieren ist nur ein Add-On.“

Apotheker Henning Denkler

Auf einem apothekeninternen Portal trägt Henning Denkler Name und Geburtsdatum, Art des Impfstoffs und Impfdatum ein, sowie die Zahl der Impfung – ob erste oder zweite, wenn nicht gerade Johnson & Johnson verimpft wurde, das nur einmal gespritzt wird. Das Portal erstellt einen QR-Code, der ganz einfach per Smartphone eingelesen werden kann – entweder in der Corona-Warn-App oder in der CovPass-App.

Im Vorfeld hatte Henning Denkler über die sozialen Netzwerke um Geduld gebeten, sich die QR-Codes nicht gleich am ersten Tag in den Remscheider Apotheken abzuholen. Am Montagmorgen war das Apotheken-Portal dann auch gleich überlastet. „Jetzt läuft aber alles ganz stabil“, sagt Denkler zur Mittagszeit. Probleme gab es dafür mit der CovPass-App, ließ sich Denkler von Kollegen berichten. „Das scheint ein IT-Problem zu sein, dass die App den QR-Code nicht scannen kann“, erklärt er.

Dass der befürchtete Ansturm auf die Remscheider Apotheken ausblieb, schreibt Denkler der Möglichkeit zu, sich den Code von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) automatisch zuschicken zu lassen. „Das ist ein sinnvoller Weg. Die Impfzentren haben schließlich alle Daten da“, sagt der Apotheker.

Er weist darauf hin, den Ausdruck des QR-Codes unbedingt aufzubewahren. Denn bei einem Handy-Wechsel muss der Code in der App neu eingelesen werden. Übrigens: Das Zertifikat in der App sei nur für ein Jahr gültig. „Ich vermute, das hat damit zu tun, dass die Impfung irgendwann aufgefrischt werden muss“, erklärt Henning Denkler.

Dass in einem Jahr die Impfausweise noch benötigt werden, hofft Guido Eul-Jordan, Leiter des Impfzentrums, derweil nicht. „Wenn alle ihre Freiheiten wiederbekommen, wandert der Impfpass wieder in den Schrank“, sagt er. Im Gegensatz zu den Apotheken sollen im Impfzentrum erst Ende des Monats Geimpfte den QR-Code direkt mit ihrer Zweitimpfung ausgehändigt bekommen. Der gelbe Impfpass habe noch immer Bestand, der digitale sei ein zusätzlicher Komfort. „Das Handy hat man immer dabei“, sagt Eul-Jordan. „Ältere Menschen sind aber gar nicht hinter dem QR-Code her.“

Noch ein Punkt spielt eine Rolle: Wer bereits an Corona erkrankt und genesen ist, der bekommt nur eine Impfung. Die Erkrankung wird im Impfzentrum quasi als Erstimpfung verbucht, die eigentliche Impfung gilt dann als Zweitimpfung. „Das weisen wir auch so im Impfausweis aus, damit man keinen Stress bekommt, beispielsweise in Reisebüros“, sagt Eul-Jordan.

Die App gebe es aber noch nicht her, eine Erkrankung anzuzeigen, sagt Denkler. Daran werde derzeit gearbeitet. „Aktuell sind noch viele Details zum e-Impfpass bundes- und landesweit in Klärung“, schreibt die KV Nordrhein auf Anfrage des RGA.

„Das Digitalisieren ist nur ein Add-On“, sagt Denkler. Deshalb gilt: Wer erkrankt ist, sollte lieber noch auf’s Papier setzen. Für die ersten drei bis vier Wochen empfiehlt Denkler sowieso, den Papiernachweis noch mit sich führen. Denn der QR-Code, den die Impfpass-App anzeigt, muss auch ausgelesen werden könne.

Unklar ist derweil die Frage, wie die App die zwei Wochen nach der Impfung mit einberechnet. „Die App ist nur ein Nachweisinstrument, kein Interpretationsinstrument“, sagt Denkler. Der Leistungserbringer, beispielsweise ein Gastronom, müsse dann selbst darauf achten, ob die zwei Wochen nach dem Impftermin bereits verstrichen sind. Guido Eul-Jordan erwartet von der App, dass sie die zwei Wochen selbstständig addieren können sollte.

Übrigens: Wer seinen gelben Impfpass dann doch einmal verliert, kann sich einen Nachweis im Impfzentrum ausstellen lassen. „Wir haben alle Daten in der Datenbank“, sagt Eul-Jordan.

Der Impffortschritt trägt weiter dazu bei, dass der Anteil älterer Menschen an den Corona-Neuinfektionen deutlich abgenommen hat. 

Hintergrund

Auch in den Remscheider Arztpraxen soll der Digitale Impfpass erst Ende des Monats erhältlich sein. Welche Apotheken den Impfnachweis ausstellen, ist hier nachzulesen:

www.mein-apothekenmanager.de

Standpunkt: Kein langes Suchen

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Da ist er endlich: Der Digitale Impfpass. Eselsohren, zerknittere Seiten und ein Herumwühlen im Rucksack oder der Handtasche werden für manch einen der Vergangenheit angehören. Das Smartphone habe ich doch eh jeden Tag dabei, ohne gehe ich gar nicht erst aus dem Haus. Meinen Impfpass dagegen – den würde ich sicherlich mal auf dem Küchentisch liegen lassen. Oder im Papierberg auf dem Schreibtisch suchen. Also zücke ich lieber mein Smartphone. Klar ist: Gerade für die junge Generation ist der Digitale Impfpass eine tolle Funktion. Und für jeden älteren Menschen, der nicht smartphone-affin ist, reicht der gelbe Papierausweis vollkommen aus. Allerdings steckt das Konzept noch in den Kinderschuhen, sind viele Fragen doch noch ungeklärt. Auch die Kassenärztliche Vereinigung befindet sich noch in Abstimmung und muss viele Details noch klären. Was hätten also ein oder zwei Wochen mehr gemacht, die wir noch auf den e-Impfpass hätten warten müssen? Papier ist geduldig, wie es doch so schön heißt.

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