Pandemie

Das Coronavirus legt wieder an Tempo zu

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Diesmal sind vor allem junge Menschen betroffen – Die Quelle bleibt im Dunkeln – Wirtschaft warnt vor den Folgen.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Remscheider hatten das Virus erfolgreich ausgebremst. Das verhießen jedenfalls die offiziellen Zahlen, die der Corona-Krisenstab an jedem Tag veröffentlichte. Nach dem Lockdown Mitte März nahmen die Neuinfektionen nur noch geringfügig zu, an manchen Tagen auch gar nicht mehr. In der Woche vom 13. auf den 20. Juli stieg ihre Zahl dann um zwölf und nach einer nochmaligen Stagnation in dieser Woche um weitere neun Fälle an. Mit anderen Worten: Sars-CoV-2 hat wieder an Tempo zugelegt.

Die raschere Verbreitung entspricht dem Bundestrend und noch etwas spiegelt sich in den Erfahrungen der Mediziner in anderen Städten und Landkreisen: „Wir haben keine Ahnung, wo die Patienten sich angesteckt haben“, sagt Dr. Gabriela Marek, Stellvertreterin von Dr. Frank Neveling, Leiter des Remscheider Gesundheitsamtes.

Genau das macht die Verbreitung des Virus so gefährlich. Nicht lokale Ausbrüche wie in der Fleischerei Tönnies erklären die steigenden Fallzahlen. Das Infektionsgeschehen ist diffus und die Infektionsketten von den Ärzten schon lange nicht mehr nachvollziehbar.

Anders als im bisherigen Verlauf der Pandemie in Remscheid sind weniger alte Menschen betroffen. Aus den Heimen – Mitte Mai meldete das Haus Clarenbach in Lüttringhausen 13 bestätigte Corona-Fälle – konnte das Virus verbannt werden. Aktuell gibt es dort keinen bestätigten Fall.

In den vergangenen drei Wochen mussten sich in Remscheid stattdessen überwiegend junge Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung in häusliche Quarantäne begeben. Keiner zeigt klassische Risiken, das heißt, es zählt zum Beispiel kein einziger zu den Urlaubsrückkehrern aus Risikogebieten, die als Gefahrenquelle ausgemacht wurden.

Und noch etwas ist anders als zu Beginn der Pandemie: „Alle Neuinfizierten zeigen einen leicht- bis asymptomatischen Krankheitsverlauf“, sagt Dr. Marek. Das ist allerdings auch die einzige gute Nachricht, sagt die Medizinerin. Sie rechnet mit weiter steigenden Zahlen. Spätestens wenn zum 12. August die Schulen und zum 17. August die Kindertagesstätten wieder ihren regulären Betrieb aufnehmen.

„Wir werden einen zweiten Lockdown nicht überstehen.“
Thomas Meyer, IHK-Präsident

Ist das der Preis für die Lockerungen, die sich viele gewünscht haben? „Die Lockerungen haben jedenfalls zu einer gewissen Nachlässigkeit geführt“, sagt Daniel Pfordt, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes der Stadt Remscheid. „Bei den Menschen ist der Eindruck entstanden, dass nun alles wieder gut sei. Es ist aber nicht alles wieder gut.“ Das zeigen nicht nur die aktuellen Zahlen. „Die Sorgen nehmen wieder zu, die Leute schauen wieder genauer hin“, sagt Pfordt und verzeichnet deutlich mehr Hinweise auf Verstöße gegen die geltenden Corona-Regeln.

In dieser Woche musste das Ordnungsamt deshalb in der Bismarckstraße die Trauerfeier einer türkischen Gemeinde auflösen. Die hatte sich um die geltenden Regeln wenig geschert. Pfordt bittet um Verständnis. „Keiner hat Lust auf eine zweite Welle, keiner hat Lust auf einen zweiten Lockdown.“

Schlimmer als das: „Wir werden einen zweiten Lockdown nicht überstehen.“ Das erklärt Thomas Meyer, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), im Gespräch mit dem RGA. „Die Automobilzulieferer waren als erste von der Krise betroffen, zeitversetzt bekommen jetzt die Maschinen- und Anlagenbauer den Einbruch zu spüren.“ Die Unternehmen rechnen mit einem Auftragsminus von bis zu 70 Prozent. Folge: Ein nochmaliges Herunterfahren aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zur Bekämpfung der Seuche „können wir uns gar nicht leisten“, sagt der IHK-Präsident. Sein Appell an die Vernunft verknüpft er deshalb mit einer Bitte an die Ordnungsbehörden: „Bei Verstößen müssen sie durchgreifen.“

Corona aktuell

Die Zahl der akut an Covid-19 erkrankten Remscheiderinnen und Remscheider ist im Vergleich zum Vortag erneut gesunken. Am Freitag meldete das Gesundheitsamt 12 Kranke - nach 15 am Donnerstag. Die Zahl der insgesamt mit Sars-CoV-2 Infizierten stieg von Donnerstag auf Freitag von 266 auf 268.

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