Sars-CoV-2

Zwei Jahre Corona in Remscheid: Die Pandemie in Zahlen

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72 Prozent der Remscheider sind gegen das Corona-Virus geimpft.

Vor zwei Jahren starb der erste Remscheider mit Covid-19. Wir geben einen Rückblick in Zahlen.

Von Axel Richter (Text) und Leon Hohmann (Grafiken)

Remscheid. Die Welt, Deutschland und auch Remscheid befinden sich im dritten Corona-Jahr. Doch längst überlagert ein Krieg die Pandemie. Seit des russischen Einmarschs in die Ukraine wird die Seuche weniger wichtig genommen, was die aktuell hohen Infektionszahlen ein Stück weit mit erklärt. Am Sonntag jährt sich zum zweiten Mal der erste Todesfall im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 in Remscheid. Der 83-jährige Mann, der am 27. März 2020 starb, litt an einer Vielzahl von Vorerkrankungen. Ob die überwiegend alten Menschen an oder „nur“ mit dem neuen Virus sterben, wurde zum Dauerstreit-Thema zwischen denen, die Corona ernst nehmen und denen, die das bis heute nicht tun.

Aktuelle Infos zur Corona-Situation in Remscheid

Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus

252 Remscheider, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, starben seit Beginn der Pandemie. Patienten, die beispielsweise auf der Intensivstation des Sana-Klinikums starben, aber außerhalb Remscheids wohnten, sind nicht in dieser Zahl enthalten. Ihren traurigen Höhepunkt erreichte die Lungenkrankheit im Dezember 2020. Binnen Wochen kamen von 105 Bewohnerinnen und Bewohnern des Alten- und Pflegeheimes Haus Lennep mehr als 30 zu Tode.

Die Zahl der geimpften Remscheider

80 796 Menschen ließen sich in Remscheid nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein bis zum Ende der elften Kalenderwoche 2022 zweimal impfen. Bei 111 516 Bürgerinnen und Bürgern, die das Statistische Landesamt für Remscheid nennt, entspricht das einer Impfquote von annähernd 72 Prozent. 63 521 Remscheider haben sich boostern lassen. Das sind weniger als 60 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Gesundheitsbehörde in Remscheid zeigte sich damit nicht zufrieden. Doch alle weiteren Appelle fruchteten nur wenig. Die Impfzahlen stiegen auch trotz neuer sogenannter Totimpfstoffe in den vergangenen Wochen nur noch langsam an. In den für Remscheid genannten Impfzahlen sind Menschen enthalten, die nicht in Remscheid wohnen, sich hier aber haben impfen lassen, weil sie zum Beispiel hier arbeiten. Dafür fehlen Remscheider, die andernorts geimpft wurden. So ist es zu erklären, dass es in Remscheid mehr Zweit- als Erstimpfungen gibt.

Die Zahl der Coronainfektionen

27 702 bestätigte Coronainfektionen seit Beginn der Pandemie meldete die Stadt am Donnerstag. Rein rechnerisch war also annähernd jeder vierte Remscheider von der Krankheit betroffen. Das ist allerdings nur ein statistischer Wert. Denn es gab auch Menschen, die sich mehrfach infiziert haben.

2718 Diesen mit Abstand höchsten Wert der Sieben-Tage-Inzidenz in Remscheid meldete das Robert-Koch-Institut für den 1. Februar 2022. Zum Vergleich: Am 13. April vergangenen Jahres ordnete die Stadt eine nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr an. Damals vermeldete Robert Koch für Remscheid die höchste Wocheninzidenz in NRW. Sie lag bei 217.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen

29 Intensivbetten waren in der Spitze im Sana-Klinikum Remscheid belegt. 10 davon mit Covid-19-Patienten. 30 Intensivbetten hielt das Klinikum seinerzeit vor. Das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin schaltete die Corona-Ampel für das Remscheider Krankenhaus deshalb auf Gelb. Die Intensivstation war damit nur noch begrenzt aufnahmebereit. Die Nachbarstädte boten ihre Hilfe bei der Patientenversorgung an. Heute gilt die Lage im Klinikum trotz hoher Inzidenzen als vergleichsweise entspannt.

Corona-Tests in Remscheid

21 Teststellen gibt es aktuell im Stadtgebiet. Ihre Zahl nahm mal zu, mal ab. Aufgrund der anstehenden Lockerungen ist trotz hoher Inzidenzen ein Rückgang der Nachfrage und damit eine Verringerung der Testzentren in naher Zukunft wahrscheinlich. Nach Einführung der Bürgertests ließ sich mit vergleichsweise geringem Aufwand viel Geld verdienen. Das ließ neben seriösen auch weniger seriöse Anbieter in das Geschäft einsteigen. Bei der Stadt kam es zu Beschwerden über Schludrigkeiten. Im Februar durchsuchte die Kriminalpolizei zwei Teststellen eines Remscheider Unternehmens. Die Betreiber sollen Tests abgerechnet haben, die gar nicht abgenommen worden waren.

Impfstellen in Remscheid

5 Impfstellen sind derzeit (noch) geöffnet – neben der städtischen im Zentrum Süd auch vier private, darunter die Stiftung Tannenhof, der Pflegedienst 365 Grad und Best im Gesundheitshaus Hasten. Sie teilen sich die wenigen verbliebenen Impfungen mit den niedergelassenen Ärzten und einigen Apothekern. Remscheid will Impfstelle noch nicht aufgeben

Mittlerweile schränken die privaten Impfstellen ihre Öffnungszeiten ein und reduzieren ihr Angebot. Auch die Stadt hat ihre Öffnungszeiten angepasst, will ihr Angebot aber aufrechterhalten. Das auch mit Blick auf die Flüchtlinge aus der Ukraine. Die Bevölkerung dort hat eine Impfquote von annähernd 35 Prozent.

Demonstrationen in Zusammenhang mit der Coronapolitik

250 Demonstranten protestierten nach Polizeiangaben in der Spitze mit Umzügen durch Alt-Remscheid und Lennep gegen die Coronapolitik im Land. Der Verein My Viertel reagierte mit kreativem Gegenprotest: Um Querdenker und Co. nicht durch die Alte Bismarckstraße ziehen zu lassen, verabreden sich drei Mitglieder auf der Straße zum Kaffeetrinken. Es war die wahrscheinlich kleinste Versammlung, die bei der Polizei in Deutschland angemeldet wurde. Das Kaffeekränzchen zwang die Demonstranten, eine andere Route einzuschlagen.

Folgen aus der Corona-Pandemie

50 Jahre. So lange werden unsere Kinder und Enkel die Kosten der Corona-Pandemie in Remscheid abstottern. Nach aktuellem Stand muss die Stadt bis dahin als Folge der Pandemie Mehrausgaben und Mindereinnahmen in Höhe von 200 Millionen Euro ausgleichen. Bis 2025 stehen die Kosten in einem Nebenhaushalt, auf dem sogenannten Corona-Deckel. Danach müssen pro Jahr vier Millionen Euro aufgebracht werden.

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