Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf über 25

Coronavirus gewinnt in Remscheid deutlich an Tempo

Die Kindertagesstätte St. Marien bleibt vorläufig geschlossen. 76 Kinder und 23 Erzieherinnen und Erzieher sind in Quarantäne. Foto: Michael Schütz
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Die Kindertagesstätte St. Marien bleibt vorläufig geschlossen. 76 Kinder und 23 Erzieherinnen und Erzieher sind in Quarantäne.

Fälle an zwei Schulen. Eine Kita muss schließen.

Von Axel Richter und Simone Theyßen-Speich

Remscheid. Das Coronavirus gewinnt in Remscheid wieder deutlich an Tempo. Eine Kindertagesstätte muss deshalb vorläufig schließen, an zwei Schulen schickte das Gesundheitsamt am Freitag zwei Klassen und Kurse in Quarantäne. Betroffen sind annähernd 140 Kinder sowie 30 Lehrkräfte und Erzieher.

In den beiden Remscheider Schulen wurde jeweils ein Kind positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Das eine besucht eine vierte Klasse der Grundschule Daniel Schürmann, das andere eine neunte Klasse der Alexander-von Humboldt-Realschule. 61 Schüler sowie sechs Lehrkräfte mussten in häusliche Quarantäne. Außerdem kam es gestern zur Schließung der Katholischen Kindertagesstätte St. Marien. Alle 76 Kinder und 23 Erzieher dürfen ihr Zuhause ebenfalls für zwei Wochen nicht verlassen.

„Ich rechne mit wachsenden Zahlen im Herbst.“

Prof. Dr. Winfried Randerath, Lungenfachklinik Bethanien

Insgesamt spiegelt das Infektionsgeschehen den bundesweiten Trend wider. Die Zahl der Remscheider, die an Covid-19 erkrankt sind, liegt aktuell bei 51. In den vergangenen sieben Tagen zählte das Gesundheitsamt 29 Neuinfektionen. Der Sieben-Tage-Inzidenz – die Zahl der Erkrankten bezogen auf 100 000 Einwohner – stieg damit auf 25,58. Ab 50 Fällen gilt eine Stadt als Hotspot, was einen regionalen Lockdown zur Folge haben kann.

Thomas Neuhaus, Gesundheitsdezernent und Leiter des Corona-Krisenstabes, sieht Remscheid davon weit entfernt. „Die Menschen müssen keine Sorge haben, dass jetzt wieder etwas zurückgedreht wird“, sagt er im Gespräch mit dem RGA. Dennoch warnt Neuhaus vor Sorglosigkeit. In Familien und unter guten Freunden werde die Gefahr leicht ausgeblendet.

Von den 51 Covid-19-Patienten befinden sich lediglich vier in stationärer Behandlung, auf der Intensivstation ist keiner von ihnen. Die Zahl der Gestorbenen liegt zudem seit Monaten unverändert bei 18. Bei ihnen handelte es sich ausnahmslos um alte Menschen, die an multiplen Vorerkrankungen litten und ebenfalls an Covid-19 erkrankt waren. Auch das mag der Sorglosigkeit unter Jüngeren Vorschub leisten. In der zweiten Coronawelle erkranken sie zwar häufiger, allerdings stecken sie die Infektion auch besser weg.

Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Solinger Lungenfachklinik Bethanien, kann das nicht beruhigen. „Wenn man sich die Kurve vom Robert-Koch-Institut anschaut, sieht man den ersten großen Anstieg Anfang des Jahres. Seit einigen Wochen gibt es einen zweiten Anstieg.“ In Remscheid flachte die Kurve kurzzeitig ab, was das Gesundheitsamt auf die kleiner werdende Zahl von Reiserückkehrern zurückführte. Doch seit knapp zwei Wochen infizieren sich wieder deutlich mehr Menschen.

„Wir wissen noch nicht, wie weit es nach oben geht“, sagt Randerath. „Ich rechne mit wachsenden Zahlen im Herbst, weil man mehr drinnen und weniger an der frischen Luft ist.“ Und, sagt der Mediziner: „Ein weiteres Problem sehe ich, wenn im Januar die Grippe-Welle hinzukommt, die in der Regel bis März oder April geht.“

Das Remscheider Gesundheitsamt rät deshalb zum Impfen. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen sollten sich schützen, damit sich zu einer eventuellen Covid-19-Erkrankung nicht noch eine Grippe gesellt. Hintergrund: An der Virusgrippe starben im Bergischen Land in der Saison 2017/18 annähernd 40 Menschen.

415 Infizierte

Insgesamt wurden bislang 415 Remscheider positiv auf Sars-CoV2 getestet. 364 gelten als genesen, 18 sind verstorben. Zusätzlich zu den aktuell 51 Infizierten befinden sich 320 weitere Personen in häuslicher Quarantäne.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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