Alleestraße

„Corona Walk-In“ ist längst überlastet

Zeitweise bildeten sich gestern lange Schlangen vor dem roten Container unweit das Rathauses auf der Alleestraße. Foto: Roland Keusch
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Zeitweise bildeten sich am Freitag lange Schlangen vor dem roten Container unweit das Rathauses auf der Alleestraße.
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Die Remscheider stehen an jedem Tag Schlange - Jetzt werden die Tests für Urlauber kostenlos.

Von Axel Richter

Remscheid. Am Donnerstag hatte die Stadt weitere rot-weiße Baken aufstellen lassen. Sie sollen die Remscheider, die sich auf der oberen Alleestraße auf Corona testen lassen wollen, in einer geordneten Schlange warten lassen. Möglicherweise kommen am Samstag weitere Absperrungen hinzu. Denn zum einen wird der Test für alle, die in den Herbstferien einen innerdeutschen Urlaub gebucht haben, ab Samstag kostenlos sein. Und zum anderen verwies die Stadt Wuppertal mangels eigener Testkapazitäten ihre Bürger am Freitag auf den Flughafen Düsseldorf. Und auf die obere Allee in Remscheid.

Nun ist es nicht so, dass das Team des am Mittwoch eröffneten „Corona Walk-Ins“, wie der rote Container offiziell heißt, in Remscheid nichts zu tun hätte. Im Gegenteil: Bis zu 30 Menschen standen in den vergangenen Tagen gleichzeitig an und suchten bei Regen Schutz unter dem Dach des Modegeschäfts Adler. Geschäftsführer Alexander Bischoff reagierte entsprechend auf den Testcontainer vor dem Ladeneingang: „Wenn es noch Kunden gibt, die Lust haben, in der Stadt einzukaufen, wird ihnen das damit verdorben.“

„Von 600 Tests an den Schulen waren nur zwei positiv.“
Stadt Remscheid

Doch der Corona Walk-In blieb, wo das Düsseldorfer Labor Zotz Klimas ihn auf Geheiß der Stadt Remscheid aufbauen durfte. Projektleiter Torben Rolf Vogler zeigt sich mit der ersten Woche zufrieden. Am Mittwoch ließen sich 150 Remscheider testen, am Donnerstag waren es 350. „Die meisten kommen, um in Herbstferien in Urlaub fahren zu können“, schätzt Vogler. Remscheid ist weiterhin Corona-Hotspot. Remscheider, die in Bayern oder in einigen anderen Bundesländern übernachten wollen, brauchen einen negativen Coronatest.

Dass die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner sinkt, ändert daran noch nichts. Denn nach wie vor liegt der 7-Tage-Inzident knapp über 50. Seit Beginn der Pandemie wurden 604 Remscheider positiv getestet, 468 gelten als genesen. Die Zahl der Menschen, die mit Covid-19 verstorben sind, liegt seit dem 5. September bei 19. Alle Verstorbenen waren alt, alle litten unter anderen schweren Krankheiten. Derzeit befinden sich sechs Patienten mit Covid-19 zur Behandlung im Krankenhaus, keiner liegt auf der Intensivstation.

Nach Mitteilung des Krisenstabes sind einschließlich der zehn Soldaten der Bundeswehr aktuell 50 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausschließlich mit dem Thema Corona beschäftigt. Seit April haben sie 7400 Kontaktpersonen und Verdachtsfälle ermittelt und betreut, darunter 2800 Remscheider, die nach einer Reise aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind. Sie haben 22 000 Schreiben erstellt und 33 000 Dokumente gescannt. In jeder Woche werden zudem 150 Aussteigekarten von Flughäfen bearbeitet.

Bis zu den Herbstferien testete das Gesundheitsamt außerdem alle Schülerinnen und Schüler, die nach einem Coronafall in Quarantäne geschickt worden waren. „Im Ergebnis wurden 600 Testungen durchgeführt. Lediglich zwei verliefen positiv“, berichtet das Gesundheitsamt. Am Freitag entschied der Krisenstab deshalb, die Tests an Schulen nunmehr einzustellen.

Dafür werden nun alle Inland-Urlauber kostenlos auf Sars-CoV-2 getestet. Mussten sie dafür zuvor selbst zahlen, entschied die NRW-Landesregierung am Freitag, dass nun der Steuerzahler dafür aufkommen muss. Testen lassen kann sich weiterhin jeder im Corona Walk-In auf der Allee. Nur die Buchungsbestätigung ist mitzubringen. Kurzentschlossene könnten die Schlange noch mal wachsen lassen. Die Stadt Wuppertal teilte ihren Bürgern unterdessen mit, dass der rote Container in Remscheid überlastet ist. 

Standpunkt

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Dass wir dem Standort des Corona Walk-Ins auf der oberen Allee eine Chance geben sollen, habe ich an gleicher Stelle am Dienstag vorgeschlagen. Da wusste ich aber auch noch nichts von einem Beherbergungsverbot für Remscheider. Und dass sich deswegen Hunderte Menschen testen lassen, um trotzdem in den anstehenden Ferien noch in Urlaub fahren zu können. 

sven.schlickowey@rga-online.de

Für die Erholungssuchenden erweist sich der rote Container nun als Glücksgriff, denn das Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung hätte diesen Andrang mit seinen 20 Stunden Öffnungszeiten pro Woche kaum bewältigen können. Doch für die Anlieger der oberen Alleestraße wird er zur Zumutung. Inzwischen hat die Stadt ein wenig nachgesteuert. 

Doch die Situation muss im Blick behalten werden. So wichtig der Walk-In ist, und so wichtig es ist, dass er gut zu erreichen ist, dürfen die Nachbarn drumherum nicht unter der – an sich ja nachvollziehbaren – Standortwahl leiden. Zumal die Ferien gerade erst beginnen. 

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