Tagesaktueller Negativtest erforderlich

Corona: Testpflicht empört Sportler in Remscheid

Geschulte Übungsleiter sollen testen dürfen.
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Geschulte Übungsleiter sollen testen dürfen.

Der Sportbund pocht auf eine kurzfristige Lösung der Stadt: Geschulte Übungsleiter sollen testen dürfen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Remscheids Sportvereine und Sportler sind empört: Dass zur Teilnahme an Kursen und Trainingseinheiten nun entsprechend der Landesverordnung ein tagesaktueller Negativtest vorzulegen ist, bringt für viele das Fass zum Überlaufen. Die Kontrollpflicht hierbei obliegt den Vereinen. Die Regel sei an Widersprüchlichkeit nicht zu übertreffen. Die größten Vereine der Stadt berichten von wütenden Mitgliedern. „Das bekommen dann die Übungsleiter, die den Test kontrollieren müssen, ab“, so Erwin Rittich (Lenneper TG). „Ich verstehe nicht, warum für den Besuch eines Restaurants 2G ausreicht, wir in unserer gut belüfteten Halle aber 2G plus umsetzen müssen.“

Remscheid: Reinhard Ulbrich pocht auf eine rasche Zwischenlösung

Reinhard Ulbrich, Sportbund-Vorsitzender, pocht auf eine rasche Zwischenlösung: Er regt bei der Verwaltung an, zu erlauben, dass geschulte Trainer und Übungsleiter die Tests vor Ort durchführen können. Diese sollten dann denen einer zertifizierten Teststelle gleichgestellt werden. Dies könne zumindest den Aufwand reduzieren, vor einer Übungseinheit oder einem Reha-Kurs noch zu einem Testcenter zu müssen.

„Wütend, erbost, fassungslos, so lässt es sich beschreiben.“

Peter Brinkmann (RSV) zur Stimmung in der Mitgliederschaft

Diesen Umweg scheuen Viele: In Reha-Kursen etwa, weil es körperlich nicht mehr gut geht, schon gar nicht mehrfach in der Woche. In anderen Sparten, weil es zwischen Beruf und Familie viel Zeit frisst. Dabei, das bestätigen dem RGA zahlreiche Vereinsvertreter, seien gerade die Sportler bislang vorbildhaft mit allen Einschränkungen umgegangen. Das vorherrschende Gefühl: Es werden die bestraft, die sich stets an alle Regeln gehalten haben – Vereine sowie Aktive müssten politische Versäumnisse ausbaden.

Peter Brinkmann vom Remscheider SV kennt das Leid: Stunden verbringe er am Telefon, um erboste Mitglieder zu beruhigen, oder mit der Kontrolle von Tests. Einige bleiben dem Betrieb aktuell fort, Tennisspieler hätten mit Kündigung gedroht, Anmeldungen für Kurse laufen verhalten. Für die Vereine potenziell existenzbedrohend. Brinkmann: „Nach 2G nun auch noch 2G plus oben drauf zu setzen, widerspricht der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Es sind ja auch genau die, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen.“

Daniela Gradante und Tim Mauritius vom Remscheider TV berichten derweil: „Es gibt weiterhin eine große Gruppe, die sagt: Das ist uns egal, Hauptsache der Sport findet statt. Aber es ist alles sehr beschwerlich für uns.“

Das Telefon des RSV klingelt durchgehend. „Es ist desaströs, für die Vereine ein Fiasko. Die Stimmungslage der Mitglieder ist dabei wütend, erbost, fassungslos, so lässt es sich beschreiben“, sagt Brinkmann.

Ulbrich berichtet, dass der von ihm vorgeschlagene Weg in Duisburg und im Ennepe-Ruhr-Kreis bereits gegangen werde – während identischer Vorschlag vom Ordnungsamt Wesel abgelehnt worden sei.

Sportbund hofft auf flexible Verwaltungsentscheidung

Auch der Landessportbund macht sich auf politischer Ebene stark dafür, dass Trainer nach Schulung testen dürfen. Das solle in der kommenden Corona-Schutzverordnung verankert werden. Der Repräsentant aller Remscheider Sportvereine: „Wenn das gelingt, würde es die aktuelle Dramatik rausnehmen. Wir sollten spätestens übernächste Woche in Remscheid damit beginnen, noch lieber schon kommende.“ Rettich findet die Idee gut, merkt aber auch an: „Auch das würde wieder Kosten für Tests verursachen und Personal benötigen.“

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog

Der Schulbeginn mit regelmäßiger Testung entlastet derweil den Kindersport-Betrieb nicht unbedingt: Eltern, die bei den jüngsten Schwimmern oder Sportler zum Umziehen mitkommen, müssen tagesaktuell getestet sein. Die Befürchtung besteht, dass dieser Aufwand gescheut wird.

Vereinfachungen wünschen sich alle Vereine. Gradante: „Auf die Sportvereine wird ganz viel abgewälzt. Unser Ehrenamt ist inzwischen mindestens ein Halbtagsjob geworden.“

Corona-Schwund

Mitgliederzahlen: Im Landesschnitt sei es so, dass sich Zu- und Abgänge häufig die Waage hielten, sagt Reinhard Ulbrich.

Remscheid: Es gibt auch andere Beispiele. Erwin Rittich (LTG) berichtet, dass es mehr Ab- als Anmeldungen gibt. Einen genauen Stand habe er erst in Kürze. Die Wassersportfreunde berichten, dass es nur noch 270 statt 350 Mitglieder gibt.

Standpunkt: Mehr Vertrauen verdient

Von Timo Lemmer

timo.lemmer@rga.de

Die Lenneper TG hat vorgesorgt: Im Sommer erhielt der Geräte-Zirkel eine neue Raumluftanlage. Gesundheitsschutz stand oben auf der Agenda, wie überall im Sport. Ein Beispiel von vielen. Die Vereine wollten nicht nur nicht zu Superspreadern werden – wurden sie nicht –, sie wollten schlicht ihr Angebot aufrechterhalten. Alle Maßnahmen wurden klaglos mitgetragen. Das ist mit der zusätzlichen Testpflicht, für eine Personengruppe, die Umsichtigkeit bewiesen hat, nun in Gefahr. Die Reaktionen, die die Vereine erleben, sind mitunter harsch. Bei allem Verständnis der Mitglieder für sämtliche Schutzkonzepte. Und ganz nebenbei gerät das Ehrenamt weiter unter Druck: Nicht nur Sportvereine ächzen, dass es immer schwerer wird, freiwillige Helfer zu finden. Genau die sind es aber, die auf Einhaltung der Regeln pochen müssen. Spaß macht das sicherlich nicht. Dabei haben die Sportler seit Pandemiebeginn bewiesen, dass sie verantwortungsbewusst sind. 2G wurde weitgehend gut verkraftet und sowieso eingehalten. Wie wäre es mit einem Vertrauensvorschuss und diesem Modell: 2G und Booster für den Sportbetrieb – neben den ohnehin schon überall geltenden Hygienemaßnahmen.

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