Rückstellprobe erspart Quarantäne

Schulstart in Remscheid mit Erleichterung bei Lolli-Tests

Lolli-Test in der 4 b der Daniel-Schürmann-Grundschule: Seit dem Sommer 2021 werden sie zweimal wöchentlich durchgeführt. Foto: Roland Keusch
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Lolli-Test in der 4 b der Daniel-Schürmann-Grundschule: Seit dem Sommer 2021 werden sie zweimal wöchentlich durchgeführt.

Die Ausweitung der Testpflicht beschert den Grundschulen eine Verbesserung.

Von Andreas Weber

Remscheid. An Remscheids Schulen geht es nach den Ferien am Montag weiter, wie es vor Weihnachten aufgehört hat. Mit einer Ausnahme: Die Covid-19-Tests werden ausgeweitet, Abläufe vereinfacht. Zur Sicherheit und zum Vorteil der Schüler, aber auch ihrer Eltern.

In Präsenz wird Normalität gelebt, die es zwischenzeitlich in Hybrid-Modellen und im Homeschooling nicht gab. Das beruhigt Lehrer wie Schüler. „Ich hoffe sehr, dass die Schulen trotz Omikron aufbleiben. Wir brauchen soziale Kontakte“, sagt Judith Flohr, Leiterin der Dörpfeld-Grundschule. „Das Lernen von- und miteinander ist für Kinder und Jugendliche unersetzlich. Sie haben bislang am meisten unter Corona gelitten.“

Wenn Remscheids Schüler sich am Montagmorgen zum Unterricht einfinden, müssen alle ran. Es gilt ab sofort auch für Geimpfte und Genesene regelmäßige Testpflicht. Die Grundschüler haben zweimal wöchentlich ihre PCR-Pool-Tests (Lolli-Tests), Wattestäbchen, die 30 bis 90 Sekunden im Mund gedreht werden. In der Dörpfeldschule mit ihrer Dependance Struck ist die für 350 Kinder zum notwendigen Morgenritual geworden. Judith Flohr freut sich dabei auf eine Verbesserung. Es wird eine zweite, sogenannte Rückstellprobe eingeführt.

„Für berufstätige Eltern war dies eine Katastrophe.“

Grundschulleiterin Judith Flohr zu Verzögerungen durch Pool-Tests

Bislang wanderten die PCR-Pool-Tests der Klassen anonym und im Kollektiv ins Labor. Gab es ein positives Ergebnis, mussten die Schulleitungen, meist tags darauf früh morgens alle Eltern der Klasse anrufen. Die Kinder wurden zu einer weiteren Einzelprobe gebeten, um rauszufiltern, wen es erwischt hat. Ein zusätzlicher Tag verstrich, an dem die komplette Klasse in die Quarantäne musste. „Das war für berufstätige Eltern eine Katastrophe, weil sie von jetzt auf gleich für ihre Kinder eine Betreuung organisieren mussten“, vollzieht Judith Flohr, selbst Mutter von vier Kindern, nach, welche Auswirkungen dies mit sich brachte. Mit der Rückstellprobe, die jedes Kind zusätzlich zum Pool-Test abgibt und die zur Anwendung kommt, wenn positive Ergebnisse auftauchen, wird ein kompletter Tag Ungewissheit gespart. Auch im Sinne eines geregelteren Unterrichts ein Fortschritt beim Testen, lobt Flohr.

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Die erweiterte Testpflicht gilt auch für Lehrer sowie das an Schulen tätige Personal mit dreimal wöchentlichen Antigen-Selbsttests, Ungeimpfte täglich. Mit Tests eingedeckt ist das Leibniz-Gymnasium. Es ist dem Ratschlag des Ministeriums gefolgt, sich für Anfang 2022 gut zu bevorraten. „Mit dem vorhandenen Material kommen wir mindestens durch den Januar“, ist Leiter Dr. Thomas Giebisch sicher. Dreimal wöchentlich (montags, mittwochs, freitags) werden alle 749 Schüler kontrolliert. Jetzt auch die wieder, die zumindest doppelt geimpft sind. Unter den Älteren am Leibniz ab EF sind dies schon weit über 50 Prozent, berichtet Giebisch. Nach einem Anbieterwechsel werden die Schulen danach nicht mehr mit Siemens Health Care beliefert, sondern erhalten Tütchen mit all den Testkomponenten, die bislang einzeln ausgegeben wurden. Auch eine Erleichterung, meint Giebisch. Eine für den Schulleiter spannende Frage bleibt: Wie wird die Quarantäne-Regelung künftig aussehen? Dies war gestern Nachmittag von den Landesoberhäuptern noch nicht entschieden, die Bestimmungen werden aber wohl bis Montagmorgen in den E-Mail-Accounts der Schulen eingegangen sein.

Eng verbunden mit der pandemischen Entwicklung sind die Tage der offenen Tür, die an den vier Gymnasien für die jetzigen Viertklässler anstehen. Das Leibniz wäre am 15. Januar an der Reihe. Thomas Giebisch ist pessimistisch, dass sie stattfinden.

Es gibt mehrere Gedankenspiele, sie abgespeckt auszurichten, wahrscheinlicher ist jedoch eine Absage. Montag oder Dienstag werden die vier hiesigen Gymnasialleiter ihre gemeinsame Entscheidung bekanntgeben.

Auch interessant: Lolli-Tests sind das neue Sicherheitsnetz für Kinder

Hintergrund

Eine 89-jährige Remscheiderin ist im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Damit steigt die Zahl der Covid-Toten auf 211. In den Krankenhäusern werden 15 Covid-Patienten behandelt, fünf sind intensivpflichtig, davon muss einer beatmet werden.

Standpunkt: Genug gestraft

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Es gab Schulleitungen, die vor Weihnachten ihre Schüler aufgefordert hatten, vorsichtshalber Materialien und Bücher einzupacken, um für den schlimmsten Fall, den Distanzunterricht am ersten Schultag 2022, vorbereitet zu sein. Was am 10. Januar sein wird, wusste vor 14 Tagen niemand, aber erahnen ließ sich, dass Omikron rasant die Fallzahlen in die Höhe treiben würde. So kam es, die Schulen bleiben jedoch trotzdem offen. Die Politik dreht an Stellschrauben beim in Grundschulen unausgegorenen Testsystem, setzt aber richtigerweise auf Präsenz. Und sie tut gut daran, Kinder und Jugendliche nicht wieder in die soziale Isolation zu schicken. Denn gestraft sind sie schon genug. Welche Schäden sie nach 21 Monaten Pandemie in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung genommen haben, wird sich langsam offenbaren. Das Miteinander in den Schulen ist deshalb wichtig. Dies gilt umso mehr in einem Schuljahr, in dem am 28. Januar Halbzeit ist und die restliche Zeit bis zum Schuljahresende knapp bemessen ausfällt. Dass die Sommerferien in NRW am 24. Juni sehr früh beginnen, erhöht den Druck, das zweite Pandemie-Jahr an Schulen vor Ort und nicht in der Distanz zu beenden.

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