Pandemie

Wechselunterricht an Schulen: Lehrer arbeiten an den Konzepten

Stadt-Schulpflegschaftsvorsitzender Karsten Neldner, hier vor der Walter-Hartmann-Grundschule, die eines seiner Kinder besucht, sieht die Bund-Länder-Beschlüsse für die Schulen als Perspektive für Schüler, Eltern und Lehrer. Foto: Roland Keusch
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Stadt-Schulpflegschaftsvorsitzender Karsten Neldner, hier vor der Walter-Hartmann-Grundschule, die eines seiner Kinder besucht, sieht die Bund-Länder-Beschlüsse für die Schulen als Perspektive für Schüler, Eltern und Lehrer.

Schulen dürfen ab dem 22. Februar im Wechselunterricht starten.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Ab dem 22. Februar öffnen Schulen und Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen wieder schrittweise. Das hat Ministerpräsident Armin Laschet am vergangenen Mittwoch nach den Bund- und Länder-Konferenzen bekanntgegeben. Die Remscheider Schulen sind sich einig: Jede Art von Präsenzunterricht ist positiv. Trotzdem gibt es noch Unsicherheiten, wie es mit dem Unterricht weitergeht.

„Wir können noch wenig sagen, wie wir das Konzept gestalten und organisiert bekommen“, sagt Erik Fuhrmann, Schulleiter der Grundschule Hasenberg am Freitagmorgen. Die Grundschulen sind, gemeinsam mit den Förderschulen und Abschlussklassen, die ersten, die wieder Präsenzunterricht halten dürfen. Die Richtlinien dafür sind am späten Donnerstagnachmittag vom Schulministerium verschickt worden. Für die Grundschüler muss demnach ein Konzept für den Wechselunterricht mit jeweils halber Klassenstärke in online und Präsenz erstellt werden. Die Abschlussklassen dürfen in unter Hygienebedingungen in voller Klassenstärke unterrichtet werden.

Fuhrmann wird die Eltern in der kommenden Woche frühzeitig über das Konzept informieren. „Das ist endlich mal mehr Zeit zur Vorbereitung als sonst“, sagt der Schulleiter lachend. Auch bei der verpflichtenden Notbetreuung sei man in einer glücklichen Situation. Sollte der Bedarf bei 30 Kindern bleiben, sei es personell und organisatorisch gut zu stemmen.

„Es wird eine organisatorische Herausforderung.“

Anne Keller, Konrektorin Grundschule Hackenberg

Die Grundschule Hasenberg macht sich am Montag gründliche Gedanken darüber, wie ein Konzept aussehen kann, um dies dann im Laufe der Woche den Eltern mitzuteilen. „Es wird eine organisatorische Herausforderung, personell und raumtechnisch alles zusammenzufügen, gerade in Hinblick auf Notbetreuung“, gesteht Anne Keller, Konrektorin der GS Hackenberg.

Remscheid: Mittlerweile hat sich der Online-Unterricht eingespielt

„Ich freue mich, einige Schüler wieder zu haben, davon lebt die Schule“, sagt Rainer Schulz, Schulleiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA), der weiß, dass auch die Schüler den Präsenzunterricht und den Schulalltag vermissen. Auch das EMA ist noch in den Planungen, wie das Unterrichten der Jahrgangsstufen Q1 und Q2 sicher gestaltet werden kann. Für Schulz kommt die Entscheidung des Schulministeriums nicht überraschend, wenn doch ein wenig anders als gedacht.

„Mir war klar, dass die Abschlussklassen im Mittelpunkt stehen, aber ich dachte, dass auch die Unterstufe, Klasse 5 und 6, nach dem Wechselmodell unterrichtet werden“, so der Schulleiter. Denn auch diese beiden Jahrgangsstufen hätten ihre Probleme beim digitalen Lernen. „Insgesamt, habe ich den Eindruck, kommen aber alle mittlerweile gut klar mit dem Online-Unterricht – auch technisch.“

Sozialdezernent Thomas Neuhaus ist über die Entscheidung, dass die Schüler in absehbarer Zeit wieder in die Schulen gehen dürfen und Schüler und Kitakinder die höchste Priorität haben, erleichtert. Denn vielen Eltern hätte dieses Thema große Sorgen bereitet. „Trotz der Bemühung auf Distanz den Lernprozess aufrecht zu erhalten, geht nichts über Präsenz. Dabei geht es auch um soziales Lernen und den Kinderschutz“, betont Neuhaus. Auf frühzeitigeres Impfen und häufigeres Testen hätte man, laut Neuhaus, aber auch früher mal kommen können. Am Ende zähle aber zumindest alles passend zu korrigieren.

„Wir finden es gut, dass es jetzt zumindest eine Perspektive gibt. Es ist ein Weg in die richtige Richtung“, sagt Stadt-Schulpflegschaftsvorsitzender Karsten Neldner. „Jede Schule wird das richtige Konzept für sich finden.“ Gerade die Eltern der Grundschulkinder seien in dieser Zeit gebeutelt. Und auch den Schülern der Abschlussklassen fehle der Austausch mit den Lehrkräften wegen der anstehenden Prüfungen.

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Hintergrund

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE), Stadtverband Remscheid, sieht die geplante schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht positiv: „Wir sehen den dringenden Bedarf dessen, um Einbrüche in den Bildungsbiografien so gering wie möglich zu halten.“

Standpunkt

katharina.birkenbeul@b-boll.de

Kommentar von Katharina Birkenbeul

Die Remscheider Schulen halten die teilweise Rückkehr in den Präsenzunterricht für einen Weg in die richtige Richtung. Das ist er sicherlich auch. Wenn ab dem 22. Februar alle Grundschüler im Wechselunterricht und alle Abschlussklassen in bis zu voller Klassenstärke an die Schulen zurückkehren, bedarf es aber sinnvoller Konzepte. Dafür sind in der Schulmail des Schulministeriums beispielsweise für die Grundschüler zwar einige Bedingungen aufgestellt worden: Alle Schüler müssen denselben Umfang an Präsenz- und Distanzunterricht erhalten, Stundenpläne gelten weiterhin, in der Präsenzphase sollen möglichst die Hauptfächer Mathe, Deutsch, Sachunterricht im Vordergrund stehen, und die Notbetreuung muss erhalten bleiben. Wie diese teils widersprüchlichen Bedingungen aber vereinbart werden können, darüber hat sich das Schulministerium keine Gedanken gemacht. Das wäre wenigstens einmal angebracht gewesen. Denn, wenn die Konzepte nicht funktionieren, die sich jede Schule ausdenkt, müssen am Ende Lehrer und Schüler wieder darunter leiden, und nicht das Ministerium.

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