Dringender Appell von OB Burkhard Mast-Weisz

Corona: In Remscheid drohen neue Einschränkungen

+
Remscheid drohen erneute coronabedingte Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Krisenstab berät am Dienstag über das Vorgehen wegen gestiegener Infektionszahlen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid drohen erneute coronabedingte Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Der städtische Krisenstab berät am Dienstag, wie man auf die zuletzt deutlich gestiegenen Infektionszahlen reagiert. Im Gespräch sind unter anderem eine stadtweite Maskenempfehlung in der Öffentlichkeit, ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 300 Teilnehmern und zusätzliche Kontrollen, ob die bisher schon geltenden Regeln eingehalten werden. Bereits am Montag hatte die Verwaltung eine Informationsoffensive auf den Weg gebracht.

Grund dafür ist, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Bewohner, am Wochenende die Grenze von 35 übersprang. Ab dieser Vorwarnstufe sind Kommunen in NRW verpflichtet, Gegenmaßnahmen mit den zuständigen Landesbehörden abzustimmen. Ab einem Wert von 50 sind „zwingend zusätzliche Schutzmaßnahmen anzuordnen“. Am Sonntag hatte Remscheid gemessen an der Inzidenz den dritthöchsten Wert in NRW, hinter Gelsenkirchen und Hamm. Allein 13 Neuinfektionen hatte es von Freitag bis Sonntag gegeben, nach 29 in der Woche zuvor. Am gestrigen Montag kamen noch einmal drei hinzu, die Inzidenz stieg auf 37,84.

„Wer gegen Hygieneregeln verstößt, muss mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen.“

Aus der Mitteilung der Verwaltung

„Eine Analyse der Remscheider Zahlen macht deutlich, dass der Anstieg insbesondere auf reiserückkehrende Familienverbünde mit Kindern im Kita- und Schulalter zurückgeführt werden kann“, stellte die Stadt fest. Die Kinder würden die Infektionen in die Betreuungseinrichtungen tragen.

Deswegen werde nun eine mehrsprachige Aufklärungsaktion erstellt, mit der in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kitas, Sportstätten und Flüchtlingseinrichtungen auf Verhaltensregeln und Gefahren hingewiesen wird. Zudem sollen Mitarbeiter von Kommunalem Ordnungsdienst und Kommunalem Integrationszentrum gemeinsam Moscheen, Teestuben und Supermärkte besuchen, um dort aufzuklären.

Verbunden ist dies mit einem dringenden Appell: „Wenn wir alle miteinander wollen, dass auch in Zukunft Veranstaltungen, Familienfeiern und Ähnliches stattfinden können, dann müssen wir alle dazu beitragen“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in einer Videoansprache, die über die Internetseite der Stadt abgerufen werden kann. Die aktuellen Zahlen seien „besorgniserregend“, so der OB. Ein erneuter Lockdown wäre nicht nur für Wirtschaft und Gastronomie „eine Katastrophe“. Die geltenden Regeln seien nicht dazu da, die Bürger zu gängeln, „sondern damit wir alle gesund durch die Krise kommen“.

Dazu erinnert man an die bekannten Verhaltensregeln: Mindestens 1,5 Meter Abstand zu Menschen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören, regelmäßiges Händewaschen, mit Erkältungssymptomen unbedingt zu Hause bleiben. Zudem rät die Stadt davon ab, in Risikogebiete zu reisen, zu Stoßzeiten einzukaufen und an größeren Treffen wie Familienfeiern und religiösen Zusammenkünften teilzunehmen. „Wer gegen Hygieneregeln verstößt, muss mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen“, teilt die Verwaltung mit. Und: „Wer wegen Corona in häusliche Quarantäne muss und sich nicht daran hält, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.“

Wie es außerdem weitergeht, entscheidet der Krisenstab am heutigen Dienstag. Für eine generelle Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum, also zum Beispiel auch auf der Straße, wie sie in Teilen von Frankreich herrscht, fehlt allerdings die rechtliche Handhabe. Stattdessen wird über eine entsprechende Empfehlung beraten. Anders sieht es bei der Genehmigung von Veranstaltungen aus. Die kann die Stadt verweigern, falls Gefahr für die Öffentlichkeit besteht. | Standpunkt

Corona-Zahlen

Aktuell meldet das Gesundheitsamt 63 an Covid-19 erkrankte Remscheider, zuletzt gab es drei Neuinfektionen, zugleich wurden zwei Betroffene als genesen aus der Quarantäne entlassen. Bis heute haben sich damit 431 Menschen in Remscheid infiziert. Weitere 358 befinden sich in Quarantäne, weil sie möglicherweise infiziert sind. Die Zahl der Corona-Toten erhöhte sich nach einem Statistikfehler von 18 auf 19.

Standpunkt: Leichtsinn und Verdruss

Von Axel Richter

Die Infektionszahlen stiegen stetig, die Zahl der Toten verharrte dagegen bei 18. Nun ist es einer mehr geworden. Nicht, weil kürzlich jemand mit oder an Covid-19 verstorben wäre, sondern weil das Robert-Koch-Institut (RKI) eine andere Statistik führt als die Stadt Remscheid.

axel.richter@ rga-online.de

Das RKI hatte eine 73-jährige Frau miteingerechnet, die am 5. September mit multiplen Vorerkrankungen verstorben war. Im Frühsommer war sie positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Für das RKI ist sie deshalb ein Opfer der Pandemie. Die Stadt hatte die Frau dagegen nicht als solches gezählt, denn ihr letzter Coronatest am 22. Juli war negativ verlaufen. 

Das Beispiel zeigt, dass in der Pandemie noch viele Fragen ungeklärt sind. Doch ob es nun 18 oder 19 offizielle Todesopfer in Remscheid sind: Die vergleichsweise geringe Zahl hat die Menschen trotz eines rasant steigenden Infektionsgeschehens leichtsinnig werden lassen. Den wiederkehrenden Belehrungen und Ermahnungen sind viele zudem überdrüssig. Dass eine umfassende Informationskampagne, wie die Stadt sie nun ankündigt, daran etwas ändert, darf deshalb bezweifelt werden. Trotz mehrsprachiger Anschreiben.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare